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InhaltsverzeichnisBearbeiten

EinleitungBearbeiten

In diesem Artikel soll der Zusammenhang zwischen Partizipation, Commons und dem Konzept der Smart City hergestellt werden. Der Begriff der "Commons"  bezieht sich hierbei auf das von Elinor Ostrom erdachte Konzept der kollektiven Nutzung und Bewirtschaftung von Ressourcen. Im Folgenden soll anhand verschiedener Kategorien, der Mehrwert weitreichender Partizipation und kollektiver Güter für die Smart City erläutert werden. Die Kategorien spiegeln hierbei wesentliche Aspekte städtischer Organisation, Versorgung und Infrastruktur wieder.

Partizipation in der Smart CityBearbeiten

O   Ein Merkmal von Smart City ist die Vernetzung. Während bei der Ubiquitous City vor allem die Vernetzung von allgegenwärtigen Sensoren die Stadt zu einem Internet der Dinge machen, soll hier auf die Bedeutung der Vernetzung der Stadtbewohner eingegangen werden. In ganzheitlichen Smart City-Ansätzen spielt die Partizipation der Bewohner eine wichtige Rolle: Smart People und Smart Governance werden in der Wissenschaft als elementare Bestandteile der Smart City begriffen, wobei ein Indikator ihrer Smartness die Partizipation am öffentlichen Leben ist. (vgl. Rudolf Griffinger) Die Potentiale der Smart City entfalten sich erst im Rahmen eines „kooperativen Beziehungsgeflechts zwischen Bürger, Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.“ (Jäkel/Bronnert 2013: 16).

Darüber hinaus wird Partizipation von einigen Autoren aber auch als unverzichtbarer Ausgangspunkt für die Smart City gesehen: „Ohne die konstruktive Partizipation der Bürger einer Stadt, werden sich Smart City-Initiativen "(...) langfristig nicht etablieren und den Lebensalltag bereichern.“ (ebd. 15) Unter Partizipation wird unter diesem Abschnitt die Beteiligung der Bürger an städtischen Gütern und Prozessen verstanden. Der Begriff Partizipation schließt damit hier die Teilhabe und Beteiligung von Bürgern an der politischen Willensbildung genauso mit ein, wie Teilhabe und Zugang zu städtischen Infrastrukturen, Öffentlichen Einrichtungen Bildung- und Kultureinrichtungen, Pflege-, Betreuungs- und Gesundheitseinrichtungen, sowie die Mitwirkungsmöglichkeit an Prozessen des Stadtmanagements. 

Die Smart City als Common begreifen Bearbeiten

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Übersicht Hauptaspekte Commons

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Der Folgende Abschnitt bietet einen Einblick in das theoretische Konzept der Commons, ihre Funktionsweise und Übertragbarkeit auf die Smart City. 

„In ihrer emanzipatorischen Idealform verwirklichen Commons die Überwindung von  Privateigentum, Knappheit, Lohnarbeit, Wettbewerb und Markt“ (Exner/Kratzwald  2012: 23)

Begreift man die "Smart City" als Common, müssen alle im Folgenden behandelten planerischen- und verwaltungstechnischen Entscheidungen sowie Nutzungen als gemeinsamer Aushandlungsprozess all derer verstanden werden, die die Stadt selber nutzen und produzieren, da all dies Angelegenheiten sind, "die für ihr unmittelbares Lebensumfeld von Bedeutung sind“ (vgl. ebd. Exner/Kratzwald 2012: 25). Die Bewohner einer Smart City sind also als "Commoner" zu begreifen, die die Stadt selbstorganisiert nach eigenen Regel, im Sinne des Allgemeinwohls verwalten. Die Entscheidungen, die das Common betreffen, werden hierbei gemeinschaftlich selbstorganisiert und auf Konsens basierend getroffen. Diese Entscheidungen können sich dabei sowohl praktisch auf die Bewirtschaftung und Nutzung des Commons beziehen, jedoch auch auf die konkrete Organisierungsform, wie etwa Regeln, Sanktionen oder Ausschlusskriterien. Inwiefern Menschen von der Nutzung verschiedener Commons ausgeschlossen werden und welchen Regeln und Kriterien solch ein Ausschluss unterliegt, ist auch in der Debatte um die Funktionsweise von Commons nicht abschließend geklärt.

Als „Ziel“ der Commons kann definiert werden, dass Commons Privateigentum zu überwinden versuchen, um allen Menschen gleichermaßen einen Zugang zu essentiellen Ressourcen zu bieten. Hierbei stehen die Bedürfnisse der Menschen, welche sich an dem Common beteiligen im Vordergrund, ebenso wie die über das Common vermittelten Beziehungen der Commoner, welche frei von Herrschaftsbeziehungen und Machtverhältnissen sein  sollten. Auf diese Weise soll eine radikalere Form der Selbstverwaltung und Demokratie praktiziert werden, die sich als Alternative zum Kapitalismus versteht (vgl. Exner/Kratzwald 2012: 25ff). Denn während sich in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft die Menschen nur vermittelt über ihre Waren in fetischisierter Form in Beziehung treten, versucht das Konzept der Commons, dass sich die Menschen aufgrund ihrer persönlichen Bedürfnisse aufeinander beziehen (vgl. ebd.; Marx 2008: 49ff)

Die Organisationsweise der Commons geht davon aus, dass „was Menschen für ihr tägliches Leben brauchen […] nicht zu Privateigentum werden“ (Exner/Kratzwald 2012: 8) darf. In vielen Fällen eignen sich die Commoner die Ressourceneinheiten- und Systeme selber an und verwalten diesen gemeinschaftlich als gemeinschaftlichen Besitz all derer, die zu dem Common zugangsberechtigt sind, es gemeinsam nutzen, herstellen und erhalten. Wie bereits zuvor beschrieben, beteiligen sich bei einem Common alle Commoner gemeinschaftlich an der Herstellung und Reproduktion der Ressource, um die Versorgung mit den Ressourceneinheiten zu gewährleisten und für eine nachhaltige Entwicklung der Ressource Sorge zu tragen. Hierbei gehen nicht alle Commoner den gleichen Aufgaben nach, sondern sind je nach Bedürfnis und Möglichkeit an der Produktion und Reproduktion des Commons beteiligt. Gemeinschaftlich ausgehandelte Regeln legen fest, wer wie viele Ressourceneinheiten aus dem Ressourcensystem entnehmen darf (vgl. Ostrom 2012: 40ff). Auch den Commons sind Ausschlussmechanismen inne, die durch diejenigen definiert werden, die das Gemeingut bewirtschaften. Nach Ostrom stellt diese Abgrenzung in Zugangsberechtigte und Unberechtigte einen Schritt „zur Organisierung kollektiven Handelns“ (Ostrom 2012: 118f) dar, da Regeln zur Abgrenzung benötigt werden, damit die ProduzentInnen der Ressource selbst bestimmen, mit und für wen sie produzieren. Nach Ostrom ist es daher notwendig, dass die ProduzentInnen gemeinschaftlich Regeln festlegen, die den Zugang zu der Ressource ordnen und unbefugte Entnahme der Ressourceneinheiten ahnden. Diese Regeln wirken dabei nicht nur nach Außen, sondern auch nach Innen um Regelverstöße von Nutzungsberechtigten zu sanktionieren (vgl. ebd.).

Governance: Politik und Verwaltung

Unter der Oberkategorie "Stadtpolitik und Organisation" sollen Aspekte wie Stadtplanung- und Verwaltung, sowie politische Entscheidungsfindungsprozesse verstanden werden.  Aus der Sicht der Commons müssten alle Entscheidungen, die die Smart City betreffen, von allen Commonern gemeinsam und konsensual getroffen werden (Helfrich 2012: 66). Hierbei ergibt sich das Mitspracherecht über die Nutzung des Commons, also der Smart City, aus der Mitarbeit an der Produktion oder Reproduktion der selbigen (vgl. Exner/Kratzwald, 2012, 31). Die Entscheidungen und der Entscheidungsfindungsprozess kann hierbei auf unterschiedlichen Ebenen stadtfinden, etwa im Rahmen von nachbarschaftlichen Zusammenschlüssen, auf Bezirksebene oder auf der gesamtstädtischen Ebene. Sobald die zu treffenden Entscheidungen jedoch über einen bestimmten Maßstab, etwa dem der nachbarschaftlichen Organisation, herausgeht und sich auf eine größere Maßstabsebene, etwa den der Metropolregion bezieht, ist es schwieriger eine gleichberechtigte Partizipation aller an den Entscheidungsprozessen sicherzustellen und eine Konsensentscheidung zu erarbeiten (vgl. Harvey 2013: 151ff.). Als Lösung für diese Problematik schlägt Ostrom ein polyzentrisches Steuerungssystem vor, welches die Entscheidungsprozesse auf den kleineren Maßstabsebenen koordiniert und zusammenführt. Hierbei kann es jedoch zu einer hierarchisch geordneten Priorisierung von Interessen kommen, was wiederum dem gleichberechtigten Umgang und der Partizipation aller an dem Common wiederspräche.

Politische EntscheidungsfindungBearbeiten

Es muss also sichergestellt werden, dass möglichst viele Menschen an politischen Entscheidungsprozesse in der Smart City partizipieren können, ohne das diese hierarchisiert oder delegiert werden. Hierzu schlagen David Harvey und Elinor Ostrom nachbarschaftliche Zusammenschlüsse oder "Sowjets " vor,  in denen alle BewohnerInnen gemeinsam über ihre gemeinsamen Belange entscheiden. Ziel ist es hierbei die Partizipation aller an (politischen) Entscheidungsprozesse sicherzustellen, ohne diese Verantwortung zu delegieren oder die eigene Stimme auf Delegierte zu übertragen. Die Entscheidungsfindung soll hierbei möglichst konsensual sein und dem Vorteil aller dienen. In dem Zusammenhang mit der Smart City kommen jedoch auch andere Formen der direkten Demokratie, der so genannten E-Partizipation, zur Sprache. e-Partizipation ermöglichen in der Smart City neue Formen direkter Demokratie, die die Beteiligung der BürgerInnen an der kommunalen Politik erweitern und vertiefen sollen. Die digitale Umsetzung und Erweiterung von Demokratie wird auch als eDemocracy bezeichnet. Im Gegensatz zu e-Voting zielt e-Partizipation nicht nur auf eine Beteiligung an einer Abstimmung ab, sondern auf eine Beteiligung an allen Ebenen des Informations-, Meinungsbildungs- und Abstimmungsprozesses. Hierfür müssen aller Voraussicht nach auch entsprechende neue Verwaltungsstellen geschaffen werden, die Bürgerbeteiligung in Verwaltungsprozesse einbinden und koordinieren. Bürgerbeteiligung ist aber nicht nur eine strukturelle Frage, sondern auch eine der Mentalität, sie will gelernt sein. Gerade die Einbindung von politische weniger aktiven Bürgergruppen ist hier eine Herausforderung. Gefordert ist hier eine Kultur der Partizipation, „die den mündigen Bürger ins Zentrum jeglichen staatlichen Handelns rückt.“ (Jäkel/Bronnert 2013: 69). Wie weitgehend diese Partizipation ermöglicht werden kann und soll, ist Gegenstand politischer und Wissenschaftlicher Debatten und reicht von einer bloßen digitalen Übersetzung bereits bestehender Partizipationsmodelle mittels Online-Petitionen, Online-Bürger- bzw Volksbegehren oder E-Votings der turnusmäßiges Senats- und Landtags-Wahlen bis hin zu Konzepten wie Liquid Democracy, wo Bürgerinnen und Bürger ihre Stimmrecht nicht zeitweise an einen Repräsentanten abgeben, sondern dauerhaft behalten. Abstimmungen können dann sachbezogen und in verkürzten Organisationszyklen über unmittelbare Abstimmungs-Apps durchgeführt werden. Fasst man eDemocracy und eAdministration zusammen, spricht man von eGovernment. 

Stadtverwaltung und -managementBearbeiten

Der Smart City-Ansatz beinhaltet eine Vernetzung von Stadtverwaltung, lokaler Politik, Wirtschaft und Bürgern. Je stärker diese Vernetzung voranschreitet, umso wird auch die Bewältigung der Aufgaben vernetzt. Public Private Partnerships sind ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit privatwirtschaftlicher und öffentlicher Träger, die für die Smart City beispielweise gemeinsam große Infrastrukturprojekte wie ICT, Verkehrssysteme oder intelligente Stromnetze entwickeln und realisieren. Aber auch der Bürger wird an Stadtverwaltung- und managent partizipieren. Zum Einen kann er als Sensor fungieren, und den Leitstellen Daten aus seiner Umgebung zur Verfügung stellen: „Eyes and brains of people may be turned into useful governmental „antennas“ that can help to oversee the intricacy of city progresses and functions that would otherwise be impossible for local administrations to constantly monitor.“(Enrico Ferro/Brunella Caroleo/Maurizio Leo, 2012: 8). Gleichzeitig kann er aber über die Cloud auch aktiv Anregungen und Verbesserungsvorschläge machen, oder Schäden im öffentlichen Raum melden. Die kommunale Verwaltung wird in der Smart City zu einer eAdministration: Durch Digitalisierung werden Kommunikation- und Verwaltungsprozesse vereinfacht, was dem Bürger einen besseren Kontakt zu den Behörden ermöglicht. So können zum Beispiel Formulare und Anträge digital umgesetzt werden, was Zeit und Kosten reduziert. Fasst man eAdministration und eDemocracy zusammen, spricht man von eGovernment.

Co-Creation von Smart City-DienstenBearbeiten

Bürger sollen über offene IT-Dienste-Plattformen in die Lage versetzt werden, selbst Apps für ihre Bedürfnisse als Smart Citizen zu entwickeln. Die Bürger sind auf so einer Plattform Informationslieferant, Feedback-Geber und Innovateur urbaner Entwicklung. Praktische Beispiele hierfür sind die IT-Plattformen „Singapore LIVE“ oder „HotCity Luxemburg“.

StadtplanungBearbeiten

Partizipation wird in der Smart City nicht nur als partizipativer Zugang zu Entscheidungen verstanden, sondern als Einbindung in alle Ebenen der Entscheidungsfindung. (vgl. Jäkel/Bronnert 2013). Hierfür muss der Zugang zu erforderlichen Daten gewährleistet werden (Open Data), Teilnahme am Analyseprozess, sowie Interventionsmöglichkeiten innerhalb eines transparenten Ideenwettbewerbs und Planungsverfahrens gewährleistet werden. Ein hochpartizipativer Ansatz stellt die kollaborative Stadtplanung dar, die unter anderem von NextHamburg experimentell untersucht wird. Dieser Ansatz ähnelt dem Crowdsourcing-Prinzip Open Innovation in Unternehmen.  Einige Autoren halten Bürgerpartizipation für eine unverzichtbare Voraussetzung zur Implementierung von Smart City-Initiativen. (vgl. Hatzelhoffer 2012)

(siehe Charette-Verfahren als konsequent öffentliche Planungsmethode mit direkter Beteiligung der Bürger.)

InfrastrukturBearbeiten

Unter Infrastruktur sollen an dieser Stelle die Versorgung der Stadt und ihrer EinwohnerInnen mit Gütern und Energie verstanden werden. Aber auch Transport und Infrastruktur sowie der öffentliche Raum werden als Teil der Infrastruktur verstanden.Wird die Infrastruktur in der Smart City ebenfalls als Common verstanden, soll sie den Zugang aller zu den notwendigen infrastrukturellen Leistungen wie Energie, Mobilität und öffentlichem Raum sicherstellen. Im Unterschied zur aktuellen Situation sind Commons, also Gemeingüter, keiner Marktlogik unterworfen, wohingegen die bestehenden „öffentlichen“ bzw. „staatlichen“ Einrichtungen, wie etwa die Wasserbetriebe oder Infrastrukturmaßnahmen als Staatsausgaben definiert werden (vgl. Harvey 2013: 138). Die Verwaltung von Infrastruktur als Common hat den Vorteil, dass sie, durch die Selbstverwaltung der BewohnerInnen, an deren Bedürfnisse und Wünsche angepasst ist. Dies trifft sowohl auf die Infrastruktur, also auch auf die Versorgung mit Energie und Gütern zu. Der Weiteren erlaubt die Organisation in kleineren, lokalen Zusammenschlüssen von Commonern, eine passgenauere Versorgung, kürzere Wege und somit auch eine effizientere, klimafreundlichere Versorgung der Stadt und ihrer BewohnerInnen im Sinne der Nachhaltigkeit .

NetzanschlussBearbeiten

Für die Smart City sind ICT-Netze zentrale Infrastrukturen. Ohne den Zugang zu Glasfaser-Hochleistungsnetzen mit mindestens 100-Mbit/s für Festnetz, sowie LTE mit Übertragungsraten von 70 - 100-Mbit/s für mobiles Internet , wird eine Partizipation am öffentlichen Leben nur sehr eingeschränkt möglich sein. Die Politik hat das erkannt: „Eine flächendeckende Breitbandversorgung gehört für uns zur Daseinsvorsorge.“ (Koalitionsvertrag 2009)

Das Prinzip der bi-direktionalen KommunikationBearbeiten

Die hochentwickelte Smart City kann ein Internet of Things and Services sein: Die gesamte städtische Umgebung ist dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in der Cloud verfügbar machen. Über Mobile Devices kann der Stadtbewohner jederzeit darauf zugreifen. Er bleibt dabei aber nicht nur Konsument dieser Daten, sondern wird zum Prosument, indem er mit Hilfe seiner Mobile Devices selbst Daten über seine Umgebung, sein Nutzerverhalten oder seine sozialen Netzwerke in die Cloud einspeist. Diese Daten wiederum können dazu verwendet werden, die Smart City an den Bedürfnissen ihrer Bewohner zu orientieren. Der Stadtbewohner wird durch diese permanente Interaktion mit seiner Umgebung zu einem Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt.

Open DataBearbeiten

Sensoren im öffentlichen Raum werden die bereits vorhandenen städtischen Daten ergänzen. So entstehen riesige Datensätze von aktuellen ökonomischen Kennzahlen, Luftverschmutzung, Verkehrsaufkommen, Situation auf dem Wohnungsmarkt, aktueller Stromverbrauch und -Preis und vielem mehr. Eine Freigabe dieser Daten ist eine wichtige Grundlage für Partizipation, denn zum Einen sind diese Daten wichtig für politische Meinungsbildung oder für eine fundierte Teilhabe an Stadtplanungsdebatten, zum Anderen bilden sie aber auch die Grundlage für vielfältigste Smart City-Apps, die das öffentliche Leben prägen, und von öffentlichen, wie privatwirtschaftlichen oder zivilgesellschaftlichen Trägern unter Einbeziehung der Bürger entwickelt werden. 

EnergieversorgungBearbeiten

Um Energie zu sparen und Ressourcen zu schonen, sollen intelligente Stromnetze entstehen. Ein Ansatz wird als Smart Grid bezeichnet. Dabei wird eine bi-direktionale Kommunikation zwischen Stromerzeuger und Verbraucher über eine Cloud angestrebt, die es erlaubt die Energielast in Echtzeit passend auszusteuern. Mit Hilfe eines Smart Meters, kann der Stromverbraucher seinen Verbrauch digital überwachen, und Stromfresser im Haushalt identifizieren. Der Konsument wird aber auch zum Produzent: Gewinnt ein Stadtbewohner mehr Solarstrom, als er benötigt, kann er den Überschuss über die Cloud verkaufen. Der selbe ennergiesparende Effekt kann auch bei der kollektiven Stromversorgung im Sinne des Common Konzeptes angenommen werden. Denn durch die gemeinsame Planung des Stromverbrauchs sowie der Planung und Errichtung von Stromerzeugungsquellen (etwa Solarzellen, Windräder) können Einsparungen im Stromverbrauch sowie der passgenaue Ausbau regenerativer Energien vorangetrieben werden

Öffentlicher NahverkehrBearbeiten

Mithilfe von Apps, die auf Open Data basieren und Verkehrsdaten in Echtzeit verfügbar machen, ist der Bürger in der Lage sein Verkehrsmittel unter Berücksichtigung der Verkehrssituation zu wählen. Er sorgt damit für einen reibungsloseren Ablauf des städtischen Verkehrs. Er ist nicht mehr nur passiver Verkehrsteilnehmer, sondern er unterstützt die städtischen Verkehrsleitzentralen. Gleichzeitig stellt er seine Umgebungsdaten zur Verfügung und agiert als Sensor. Auf diesem Wege teilt er mit, wo gerade Stau ist oder wo eine U-Bahn überfüllt ist. Dementsprechend können den Nutzern über die Cloud Ausweichrouten empfohlen oder die Ampelschaltung entsprechend angepasst werden.Bürger können aber auch selbst Verkehrsmittel zur Verfügung stellen, indem sie beispielsweise ihr Auto mittel P2P Carsharing vermieten oder Fahrgäste mitnehmen.

Öffentlicher RaumBearbeiten

In der Smart City ist der öffentliche Raum nicht mehr nur der physische Raum, sondern ein integrierter Raum, der die virtuelle und die reale Stadt mit einschließt. Es entsteht eine integrierte Urbanität oder  real-digital. Ein Teil des öffentlichen Lebens wird dabei auch in der  Cloud stattfinden. Social Media-Anwendungen werden eine wichtige  Infrastruktur der Smart City-Gesellschaft und damit Treffpunkt, Ort  gesellschaftlicher und politischer Debatten und Abstimmungen,  Koordinationsmedium von Stadtregierung, Verwaltung und Bürgern, sowie  digitaler Nachbarschaft. Die Partizipation an diesem Teil des  öffentlichen Raumes benötigt technischen Zugang und Medienkompetenz. Neben der Benutzung öffentlicher Räume wirken die BürgerInnen aber auch am Erhalt und der Wartung mit. Sie können Schäden und Probleme melden, sodass diese schnell vovon den zuständigen Stellen bearbeitet werden können.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Begreift man öffentliche Einrichtungen als Gemeingüter, hat dies ähnliche Implikationen wie bei der Verwaltung von Infrastruktur, denn durch die gemeinsame Errichtung und Betreuung von Freizeiteinrichtungen, Kunst- und Kulturstätten, aber auch Grünanlagen, können diese besser auf die Bedürfnisse der BewohnerInnen abgestimmt werden. Aus der gemeinsamen Arbeit entstehen hier materielle Produkte, wie etwa Lebensmittel aus eigenem Anbau und Urban Gardening Projekten, aber auch immaterielle Güter wie Wissen und Wissensweitergabe oder Kunst.

Pflege, Betreuung und GesundheitBearbeiten

Zählt man auch Pflege-, Betreuungs-, und Gesundheitseinrichtungen zu den Öffentlichen Einrichtungen hinzu, bekommt das Common-Konzept eine weitere Dimension: Die der gemeinsamen Sorge- und Pflegearbeit. Die Kollektivierung dieser Arbeiten findet im kleinteiligen Maßstab bereits seit der 2. Welle der Frauenbewegung in den 60er Jahren Anwendung, etwa durch Kinderläden und Kollektive. Der Gedanke gesellschaftlich notwendige Reproduktionsarbeit gleichermaßen auf alle Mitglieder einer Gemeinschaft zu verteilen entspricht hierbei dem Gedanken der Gleichberechtigung und Emanzipation aller, wie ihn auch die Konzeption der Commons formuliert. 

Häufig sind Patienten gegenüber ihren Ärzten in der Rolle des Unmündingen. Diese Rollenverteilung hat viel mit einem Wissensgefälle zu tun. Mehr Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit auch in gesundheitlichen Fragen ist aber Teil des Leitbildes des Smart Citizens. Der informierte Patient soll in der Lage sein, selbst auf seine Gesundheit zu achten und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen und so nicht zuletzt das Gesundheitssystem zu entlasten. Hilfreich sein können hierbei beispielsweise Gesundheits-Apps, die Basisdaten erfassen und gegebenenfalls medizinische Ratschläge geben. Im Notfall können diese Apps einen Arzt rufen und erhöhen damit die Sicherheit insbesonders alter Menschen. Aber auch das Vorhandensein großer Wissensdatenbanken in der Cloud zu häufigen Erkrankungen könnte Ersthilfe leisten und das Wissengefälle zwischen Arzt und Patienten abschwächen. Ein Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen kann insbesondere bei chronischen Erkrankungen von großem Nutzen sein. Der Smart Citizen soll in die Lage versetzt werden aus eigenem Interesse die Informationsbeschaffung und -weiterverarbeitung über allgemeine und persönliche Gesundheitsdaten zu optimieren. Ein wichtiges Element dieser Patientenzentrierten Struktur könnte eine bürgergeführte digitale Krankenakte sein. Der Patient ist so nicht mehr nur Behandelter, sondern er wird selbst zum Akteur. Insbesondere für ältere oder behinderte BürgerInnen können ICT-Anwendungen einen Mehrwert schaffen, indem sie helfen, Autonomie so lange wie möglich zu erhalten.

GrünflächenBearbeiten

Grünflächen sind Teile des öffentlichen Raumes, die der Erholung und Entspannung, Sport  und des sozialen Kontaktes dienen. Sie sind also meist Flächen, die sich den urbanen Wertschöpfungsketten weitgehend entziehen. Da sie meist zudem ohne aufwendige technische Infrastrukturen auskommen, bietet sich hier eine auf Partizipation und Kooperation basierte Gestaltung und Erhaltung geradezu an. Öffentliche Parks und Grünflächen können vom Smart Citizen als Gemeinschaftsgarten begriffen werden, in dem die Flächennutzung gemeinschaftlich ausgehandelt wird. Die Flächen müssen dabei keineswegs nur als dekorativ begriffen werden, auch der Anbau von Nutzpflanzen und ihre gemeinschaftliche Verwertung bieten sich an.

Wohnen und LebensraumBearbeiten

Im Gegensatz zu dem aktuell vorherrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystem, wird im Konzept der Commons Wohnraum nicht als Ware begriffen und gehandelt, sondern als gemeinschaftlich genutztes Eigentum. Durch die Überführung von Wohnraum in ein gemeinschaftlich genutztes Eigentum wird dieses also dekommodifiziert und so der Zirkulationssphäre entzogen. 

Durch die gemeinschaftliche Verwaltung des Wohnraums, ohne das dieser als spekulative Investition mit Renditeinteressen fungiert, kann dieser an die tatsächlichen Bedürfnisse der BewohnerInnen angepasst werden (etwa Barrierefreiheit, Wohnungsgrößen, Lage in der Nähe der Orte des alltäglichen Lebens wie Arbeit/Kita/Schule/Uni/Freizeiteinrichtungen usw.) und entsprechend dieser aufgeteilt und verwaltet werden. Für die Verwaltung und Instandhaltung des Wohnungsbestandes sind hierbei alle BewohnerInnen gleichermaßen verantwortlich und treffen auch gemeinsam die Entscheidungen über den Wohnraum, wie etwa über Sanierungsmaßnahmen, Gemeinschafträume usw.  Auf diese Weise können sich "neue Vorstellungen des Wohnens und Zusammenlebens entwickeln, die die vorherrschende Atomisierung einzelner Haushalte überwindet" (vgl.Avanti  2012: 12)

Aktuell gegebene Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Bezirken, die sich aus der vorherrschenden Standortkonkurrenz ergeben und die die Attraktivität eines Stadtteils bemessen, können durch gezielte Investitionen in Infrastruktur abgebaut werden und überwinden so Segregationsprozesse und ungleiche Entwicklungen (ebd.)

Weitere ÜberlegungenBearbeiten

  • Was bedeutet die Übertragung des Common Ansatzes auf die Smart City?
  • Was sind mögliche Commons in der Smart City? – Gärten, Öffentlicher Personennahverkehr, Parks, Energieversorgung, Wohnraum, Mobilität, Öffentliche Orte
  • Was sollen sie gewährleisten? – Gleiche Verteilung und Zugang zu Ressourcen (etwa Strom, Wohnraum), Unabhängigkeit und Selbstverwaltung, Dezentrale Organisation und Mitsprache, Klimaschutz durch regenerative, vor Ort produzierte Energie und Lebensmittel
  • Grenzen? – Wie viel davon ist umsetzbar unter den aktuellen, kapitalistisch, neoliberalen Verhältnissen?, Welcher Umgang mit bereits privatisierten Gütern?
  • Lebensraum als Common: Verwaltung von Gemeinschaftseinrichtungen, Arbeit und Öffentlichem Raum

LiteraturBearbeiten

Exner, Andreas/ Kratzwald, Brigitte (2012): Solidarische Ökonomie und Commons. Mandelbaum kritik&utopie, Wien

Ferrom Enrico/ Caroleo, Brunella/ Leo, Maurizio (et al.) (2012): The Role of ICT in Smart Cities Governance.

Harvey, David (2013): Rebellische Städte. Suhrkampverlag, Berlin

Hatzelhoffer, Lena (et al.) (2012): Smart City in Practice. Converting Innovative Ideas into Reality. Evaluation of the T-City Friedrichshafen. Berlin 

Hatzelhoffer, Lena (2011): Die ubiquitäre Stadt – Hype oder Blick in eine smarte Zukunft? In: Bauwelt 24/2011. S. 52. 

Jäkel, Michael/ Bronnert, Karsten (2013): Die digitale Evolution moderner Großstädte: Apps-basierte innovative Geschäftsmodelle für neue Urbanität. Wiesbaden. 

Marx, Karl (1983): Das Kapital. Bd. III, Dietz Verlag, Berlin

Ostrom, Elinor (2012): Die Verfassung der Allmende. Mohr Siebeck Verlag, Tübingen.

Weiterführende Links:Bearbeiten

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