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"Smart City” ist ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Diese Konzepte beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. Der Begriff findet auch im Stadtmarketing und bei großen Technologiekonzernen Verwendung.

DefinitionBearbeiten

Smart City ist ein Begriff, der seit den 2000er Jahren von unterschiedlichen Akteuren in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Stadtplanung verwendet wird, um technologiebasierte Veränderungen und Innovationen in urbanen Räumen zusammenzufassen. Die Idee der Smart City geht mit der Nutzbarmachung digitaler Technologien einher und stellt zugleich eine Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen dar, mit denen postindustrielle Gesellschaften um die Jahrtausendwende konfrontiert sind. Im Fokus stehen hierbei der Umgang mit Umweltverschmutzung, dem demographischen Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrise oder Ressourcenknappheit. Breiter gefasst, schließt der Begriff auch nicht-technische Innovationen mit ein, die zum besseren und nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen. Dazu gehören beispielsweise Konzepte des Teilens (Link Sharing) oder zur Bürgerbeteiligung bei Großbauprojekten.

Verschiedene Charakteristika wurden zum Zweck des Vergleichs von Städten im Bereich "Smartness" definiert: Smart Economy (Wirtschaft), Smart People (Bevölkerung), Smart Governance (Verwaltung), Smart Mobility (Mobilität), Smart Environment (Umwelt) und Smart Living (Leben) (Giffinger et al, 2007). Die Potentiale der Smart City entfalten sich erst im Rahmen eines „kooperativen Beziehungsgeflechts zwischen Bürger, Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.“ (Jäkel/Bronnert 2013: 16).

Die hochentwickelte Smart City kann ein Internet of Things and Services (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Internet_der_Dinge) sein: Die gesamte städtische Umgebung ist dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in der Cloud verfügbar machen. So entsteht eine permanente Interaktion zwischen Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Die StadtbewohnerInnen werden so Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt.

Wissenschaftler unterscheiden technische Innovationen, die eingesetzt werden, um Informalitäten in der Stadt zu unterstützen und solche Innovationen, die informelle Charakteristika als unerwünscht auffassen und formalisieren möchten (siehe Vanolo 2012: 2 oder Sennet 2012: 4). Richard Sennet schreibt dazu: „Informal social processes are the heart of the city. […] Technology must be part of the process of giving the city that informal energy […]“ '(Sennet 2012: 4) NACH HINTEN ZU KRITIK

Dimensionen von Smart CityBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Smart Economy meint die Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität durch Vernetzung verschiedenster Akteure auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Sie ist gekennzeichnet durch einen besonderen "Unternehmergeist", aus dem innovative und zukunftsträchtige Ideen hervorgehen. Fundament der Smart Economy ist das Humankapital, also das individuelle Wissen eines jeden Akteurs. Dieses Wissen wird durch formellen und informellen Wissenstransfer der Arbeitskräfte untereinander kontinuierlich erworben, entwickelt und weitergegeben, was wiederum die Produktivität der ArbeiterInnen steigert. Die Smart Economy steht oft in Verbindung mit Konzepten und Begriffen wie der Creative Class und Wissensgesellschaft.

Verschiedene private Akteure haben unter dem Titel Smart-City-Projekte gebündelt, um Synergien in der Vermarktung der eigenen Produkte und Dienstleistungen herzustellen. Die Städte binden sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren an einen Anbieter auf diesem Gebiet. Insbesondere ist IBM Vorreiter auf dem Gebiet und berät kommunale Akteure, wie die Stadt Rio de Janeiro (vgl. http://smartercitieschallenge.org/smarter-cities.html?year=2014). Weiterhin präsentiert der Energiekonzern Vattenfall unter dem Titel "Smart Home" verschiedene Angebote für die Regelung des Energieverbrauchs privater Haushalte und zum Aufbau intelligenter Netze und auch Cisco Systems präsentiert unter dem Titel "Internet of Everything" eine Reihe von durch Kommunikationsnetzwerke steuerbare Lebensbereiche: Von Energienetzwerken über Verkehr bis zum Einkauf im Supermarkt (vgl. http://corporate.vattenfall.de/nachhaltigkeit/energie-der-zukunft/nachhaltige-energielosungen/smart-home/ ; http://www.cisco.com/web/DE/tomorrow-starts-here/index.html). Auch der global agierende Konzern Siemens bündelt Beratungsangebote an Städte mit dem Verkauf diverser konzerneigener Produkte sowie Dienstleistungen (Hartmann 2012).

Governance, Politik und VerwaltungBearbeiten

Die 2007 beschlossene Leipzig Charta leitete einen Paradigmenwechsel in der Stadtentwicklung ein, der die Grundlage für eine nachhaltige, europäische Stadtpolitik im Sinne der Smart City schuf.

Gegenwärtig soll durch das EU-Programm Horizon 2020 (Link: Horizont 2020) die Entwicklung europäischer Städte zu "Smart Cities" vorangetrieben werden. Mit dem Ziel die EU auf globaler Ebene wettbewerbsfähiger zu machen, werden einige „smarte“ Vorzeigeprojekte gefördert. Ein Beispiel für ein von der EU gefördertes Pilotprojekt ist das Open Cities (Nachweis Open Cities 2014b: http://www.opencities.net) Projekt. Vor diesem Hintergrund fördern unterschiedliche EU-Programme Städte, die sich selbst als Smart Cities begreifen, in ihrer Bestrebung einer smarten Stadtentwicklung. Die von den Programmen geförderten Städte sind unter anderem: Kopenhagen, Wien, Amsterdam und Berlin.

Bei der Entwicklung smarter Technologien arbeiten kommunale Akteure häufig mit Universitäten (Berlin, Barcelona, Wien VERLINKEN) und privaten Forschungseinrichtungen zusammen. Hier sollen Probleme der Nachhaltigkeit und der technischen Umsetzbarkeit smarter Technologien, Partizipationsformen und Datenmengen gelöst werden.

Jedoch ist gerade auf politischer Ebene umstritten, was eine smarte Stadtpolitik auszeichnet. Ein in dem Diskurs um die Smart City häufig aufgeführtes Merkmal smarter Stadtpolitik ist die „Smart Governance“. Diese soll eine bürgernahe politische Entscheidungsfindung durch starke Einbindung der Zivilbevölkerung in städtische Entwicklungsprozesse sicherstellen. Ziel der Smart Governance ist es Maßnahmen, Planungs- und Entscheidungsprozesse transparenter und partizipativer zu gestalten. Hierbei spielen Technologien wie das Open Data (Link: Open Data) Prinzip und Formen des Open Government (Link: Open Government) sowie der E-Partizipation (Link: E-Partizipation) eine große Rolle. Die digitale Umsetzung und Erweiterung von Demokratie wird auch als E-Democracy (Link: E-Demokratie) bezeichnet. Ziel dieser neuen Partizipationsformen ist es, mit den StadtbewohnerInnen in Dialog zu treten und alle BewohnerInnen am Prozess des Policy Makings (Link: Policy) teilhaben zu lassen.

ZivilgesellschaftBearbeiten

Fundamentaler Bestandteil der Smart City ist eine besondere Form der Zivilgesellschaft. Die BürgerInnen, die „Smart People“, werden als besonders kreativ, flexibel, sozial heterogen und vernetzt charakterisiert. Die Smart City und ihre Bevölkerung sind interdependent, das heißt, dass das Leben der BewohnerInnen durch technische Innovationen "einfacher" und "besser" gestaltet wird, während die BewohnerInnen die Stadt ihrerseits durch Eigeninitiative prägen. Hierzu gehören zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich sozial oder kreativ mit städtischem Raum auseinandersetzen, und politische Entscheidungsprozesse, an denen alle gesellschaftlichen Gruppen teilhaben und so Einfluss auf die Entwicklung ihrer Stadt nehmen können. Seinen Ursprung findet diese Form des politischen Denkens in den städteplanerischen Bewegungen des New Urbanism (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/New_Urbanism) und Smart Growth. Eine breite Koalitionsbereitschaft sowie das Einbinden von vielen verschiedenen Akteuren sollen zu einer breit gestreuten Vielzahl von Themen führen. Grundsätzlich soll eine Entwicklung "von unten“ stattfinden. Obwohl die Öffentlichkeit in die informelle netzwerkartige Organisation vieler Steuerungsprozesse eingebunden wird, ist sie dennoch kein Entscheidungsträger.

Diese besondere Form der städtischen Zivilgesellschaft zeigt sich in der Praxis beispielsweise an Phänomenen wie der Sharing-Kultur. Diese ist zum Teil kommerziell oder auch nicht-kommerziell geprägt. Bei der Sharing-Kultur geht es um die gemeinsame Benutzung oder die Mitbenutzung von Geräten und Infrastruktur zum Zweck ökologischer und ökonomischer Vorteile. Beispiele dafür sind Car-Sharing oder Mitfahrgelegenheiten sowie Initiativen, die zum Teilen von Tickets des öffentlichen Nahverkehrs (Link ticketteilen.org, 2014) oder Haushaltsgeräten und Werkzeugen (pumpipumpe, 2014 http://www.pumpipumpe.ch/das-projekt/) aufrufen. Weiterhin können Urban Gardening (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Urbaner_Gartenbau) Projekte zu den privaten bzw. zivilgesellschaftlichen Initiativen gezählt werden (Link Integrationsgärten). Dabei werden Lebensmittel auf Balkonen und an öffentlichen Orten nachhaltig dezentral angebaut. Neben finanziellen und ökologischen Aspekten spielen hier auch soziale und integrative Aspekte eine Rolle.

In Anküpfung an die an die von Elinor Ostrom (http://de.wikipedia.org/wiki/Elinor_Ostrom) erdachte Allmende (http://de.wikipedia.org/wiki/Allmende) oder Gemeingut (http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeingut) Theorie können auch Städte, ihre Ressourcen und Räume als "Urban Commons" verstanden werden. Begreift man die Smarty City als Common, müssen auch alle Entscheidungen in der Smart City als gemeinsamer Aushandlungsprozess all derer verstanden werden, die die Stadt nutzen.  Alle Entscheidungen, die die Smart City betreffen, müssen also von allen Commonern gemeinsam und konsensual (http://de.wikipedia.org/wiki/Konsens#Konsens_als_Ziel_bei_Gruppenentscheidungen) getroffen werden (Helfrich 2012: 66). Die Entscheidungen und der Entscheidungsfindungsprozess kann hierbei auf unterschiedlichen Ebenen stadtfinden, etwa im Rahmen von nachbarschaftlichen Zusammenschlüssen, auf Bezirksebene oder auf der gesamtstädtischen Ebene. Sobald die zu treffenden Entscheidungen jedoch über einen bestimmten Maßstab, etwa dem der nachbarschaftlichen Organisation, herausgeht und sich auf eine größere Maßstabsebene, etwa den der Metropolregion bezieht, ist es schwieriger eine gleichberechtigte Partizipation aller an den Entscheidungsprozessen sicherzustellen und eine Konsensentscheidung zu erarbeiten (vgl. Harvey 2013: 151ff.). Als Lösung für diese Problematik schlägt Ostrom ein polyzentrisches Steuerungssystem vor, welches die Entscheidungsprozesse auf den kleineren Maßstabsebenen koordiniert und zusammenführt. Die BewohnerInnen einer Smart City können also auch als "Commoner" begriffen werden, die die Stadt selbstorganisiert, nach eigenen Regeln, im SInne des Allgemeinwohls verwalten. Als „Ziel“ der Commons kann definiert werden, dass Commons Privateigentum zu überwinden versuchen, um allen Menschen gleichermaßen einen Zugang zu essentiellen Ressourcen wie Wohnen, Mobilität, Energie und Lebensmitteln zu bieten.  Die Organisationsweise der Commons geht dabei davon aus, dass „was Menschen für ihr tägliches Leben brauchen […] nicht zu Privateigentum werden“ (Exner/Kratzwald 2012: 8) darf. 

Marleen Stikker plädiert für eine stärkere Einbindung der BürgerInnen bei Smart City-Konzepten. „Technologie bestimme unsere Gesellschaft. Sie sei aber nicht neutral. Wichtig sei es, darauf zu achten, dass Systeme offen seien und den Bürgern die Möglichkeit der Mitgestaltung und Mitbestimmung geben." (Nachweis : http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138)

NachhaltigkeitBearbeiten

Smart-City-Visionen basieren zu weiten Teilen auf Themen, die im Zuge des Diskurses um Nachhaltigkeit und die Nachhaltige Stadt formuliert und umgesetzt wurden (Vgl. Vanolo, 2013, S.3). Seit den 1990er Jahren bestimmt nachhaltige Entwicklung (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltige_Entwicklung), also einer Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Bedürfnisse späterer Generationen zu gefährden (Vgl. Brundtland-Bericht, S. 51; Absatz 49), den Stadtentwicklungsdiskurs. Auslöser dieses Umdenkens sind Herausforderungen wie der Klimawandel (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Klimawandel) und die Grenzen des Wachstums (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Grenzen_des_Wachstums).

Die Idee der Nachhaltigen Stadt basiert vor allem auf einer ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Betrachtungsweise. Ziele einer nachhaltigen Stadt bzw. Stadtentwicklung und Stadtpolitik können dabei sein: nachhaltige Nutzung erneuerbarer Ressourcen und minimale Nutzung nicht-erneuerbarer Ressourcen (ökologische Dimension); Betonung einer regionalen Kreislaufwirtschaft (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Kreislaufwirtschaft), minimale Transportintensität und eine nachhaltige Wirtschaftsweise (ökonomische Dimension); die sozio-kulturelle Durchmischung der Stadt, Mitverantwortung und demokratische Partizipation der Bevölkerung (sozio-kulturelle Dimension) (Vgl. Alisch, 2001, S. 72-73).

Themen aus dieser Nachhaltigkeitsdebatte werden nun innerhalb des Smart City Diskurses mit übergreifenden Themen und den entsprechenden Interessensvertretern aus Forschung, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft vernetzt und schließlich in der Stadt praktisch umgesetzt. Smart City Visionen enthalten beispielsweise Ideen für regionale Warenzyklen, basierend auf der Prämisse, dass Dinge dort produziert werden sollten, wo sie verbraucht werden. Beispiele aus dem Bereich Energie sind die Solarthermie (zur lokalen Erzeugung von Heißwasser), Photovoltaik (Solarzellen zur Stromproduktion) oder Erdwärme (zum Wärmen von Gebäuden). Im Bereich der Lebensmittel wird beispielsweise mit urbanen Dach- und Fassadengärten experimentiert. Durch die lokale Produktion von Gütern soll nicht nur Energie eingespart werden, sondern sie ist auch unter Gesichtspunkten der Resilienz (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz) und des Bewusstseins für diese Güter sinnvoll.

Eine große Herausforderung der Smart City liegt in der Verwirklichung der sozio-kulturellen Dimension von Nachhaltigkeit. Hier geht es darum zu fragen, welche BewohnerInnen der Stadt nicht in der Smart City mitgedacht werden und somit die Gefahr der Exklusion entsteht. Zum anderen müssen sich städtische Akteure vor dem Hintergrund der Resilienz die Frage stellen, wie sinnvoll die völlige Technologisierung des urbanen Raums ist und welche Gefahren sie womöglich birgt.

MobilitätBearbeiten

"Smarte" Mobilität zeichnet sich dadurch aus, dass sie (energie)effizient (http://de.wikipedia.org/wiki/Energieeffizienz), emissionsarm (http://de.wikipedia.org/wiki/Emission_(Umwelt)), sicher und kostengünstig ist. Die bereits vorhandene Infrastruktur wird verbessert, indem Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt werden. Beispielsweise helfen diese dabei, den Verkehr mittels Videokameras zu überwachen und zu kontrollieren und den Benutzern via App (http://de.wikipedia.org/wiki/Mobile_App) die Möglichkeit zu geben eine andere Route einzuschlagen. Auch in dem öffentlichen Personennahverkehr ist eine Wende zur smarten Mobilität zu erkennen, beispielsweise können Fahrkarten in vielen deutschen Großstädten über Apps bezogen werden. Zudem kann durch die genaue Standbestimmung via App (http://de.wikipedia.org/wiki/Mobile_App) die exakte Fahrzeit bestimmt werden.

Kritik

In Kreisen von Entscheidungsträgern wird Smart City als etwas sehr Positives angesehen. Oftmals geht es um neue technologische Errungenschaften, die das Leben vermeintlich einfacher machen. Dies erinnert stark an die Technikgläubigkeit der 1960er Jahre - Technologie als Allheilmittel, um (kapitalistische) Systemfehler zu vertuschen?

Marktstrategen wird vorgeworfen, dass die Smart City nicht mehr als ein Modebegriff sei, so birgt er trotz Konzepten für Nachhaltigkeit und Klimawandel auch Gefahrenpotenzial - vor allem in der Möglichkeit der Überwachung durch Kameras und Sensoren bzw. dem Missbrauch dieser Technologien.

Von Seiten der Geisteswissenschaften werden die Bemühungen von Städten und die Angebote wirtschaftlicher Akteure vor allem hinsichtlich ihres tatsächlichen Nutzens für die Gesellschaft hinterfragt. So mahnt Saskia Sassen, dass Technologie tatsächlich den Bewohnern dienen müsse und nicht umgekehrt: "It is the need to design a system that puts all that technology truly at the service of the inhabitants—and not the other way around." (Sassen 2012b).

Saskia Sassen (2012a: 14) (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Saskia_Sassen) warnt zudem vor Zensur und davor, dass neue Technologien noch nicht hinreichend "urbanisiert" seien. Auch Richard Sennet (2012: 1) (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Sennett) merkt an, dass in der Geschichte der Technologie Werkzeuge angewandt wurden, bevor man sie richtig einzusetzen wusste. Dies sei das Problem mit den Werkzeugen der Smart City (ebd.). Diese haben das Potenzial die urbane Bevölkerung zu verdummen anstatt Innovation zu unterstützen (ebd.: 4).

Der Informationsarchitekt und Verfasser der Streitschrift "Against the Smart City" (2013) Adam Greenfield stellt die Smart City als ein abstraktes Terrain dar, als "ein Markt, auf dem Technologiekonzerne ihre Produkte und Dienste verkaufen können" (Nachweis: http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138). Greenfield untersucht PR-Broschüren und Marketingmaterialen exemplarischer Smart City-Projekte. Seine Kritik betrifft vor allem die Abwesenheit der Menschen in der Konzeption der Städte: "Von den Stadtbewohnern ist in den Konzepten der Tech-Konzerne wenig zu lesen. Sie kommen allenfalls am Rande vor. Als Konsumenten, deren Gewohnheiten von technischen Systemen beobachtet und gegängelt werden." (Vgl.: http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138).

Weitere Gefahren des leichtsinnigen Umgangs mit dem Label Smart City im wirtschaftlichen Kontext zeigt Jens Libbe vom Institut für Urbanistik auf ( vgl. Libbe 2014). An der Einwirkung multinationaler Konzerne auf Städte erachtet er die Bemühungen nationaler Normungsorganisationen zur Durchsetzung von Standards der Smart City als problematisch. "Hier werden mehr oder weniger unverblümt Interessen global tätiger Konzerne verfolgt.". Auf die Frage nach der Begründung für diese Aktivitäten werde vonseiten der treibenden Akteure auf internationale Bemühungen zur Normenharmonisierung verwiesen. Deren Ziel sei es, Hemmnisse im internationalen Wettbewerb zu beseitigen und die Übertragbarkeit technologischer Neuerungen auf andere Länder sicherzustellen. Die angestrebte Normungs-Roadmap sei auf die Machbarkeit von Technologien aufgerichtet. Städte würden dabei allein als Marktplatz der Technologieanwendung begriffen. [...] "Die Intention der Implementierung scheinbar freiwilliger Standards droht dabei letztlich die Interessen der in den Städten lebenden Menschen zu verfehlen, zumal die breite Öffentlichkeit über diese Aktivitäten kaum Bescheid weiß." (difu)

Trotz dieser technischen Neuerungen besteht die Befürchtung, dass die Partizipation der BürgerInnen innerhalb der Smart City nur eine Nebensächlichkeit darstellt, während der tatsächliche Fokus auf der technologischen Entwicklung der Stadt liegt. So äußert sich Christoph Laimer, Obmann des Wiener Vereins für Stadtforschung und Gründer sowie Chefredakteur der Zeitschrift derive (Nachweis: http://www.derive.at): "Es geht nicht um die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen, sondern darum, Technik zu verkaufen. [...] Die Partizipation der BürgerInnen sei dabei nicht mehr als ein hohles Schlagwort. Als Beispiel führte er an, dass in den Smart-City-Beratungsgremien der EU zwar Konzerne in großer Zahl vertreten sind, zivilgesellschaftliche Initiativen hingegen keinen Platz finden." (Nachweis: http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138).

Smart City ist ein Konzept das auf einem gewissen Konkurrenzprinzip der Städte beruht - es geht auch hier meist um ökonomisches Wachstum (siehe Rebound-Effekt) - ist also industriegesteuert. Wie kann das Modell der Postwachstumsgesellschaft/ökonomie dazu beitragen, dass es nicht nur um ein aufgesetztes Label und Konkurrenz der Städte geht, sondern um ein wirklich nachhaltiges Konzept, das sowohl ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich zum Umdenken bewegt - weg von einer immer noch konsumorientierten Wachstumsgesellschaft, die den Klimawandel negativ beeinflusst. In diesem Sinne bieten viele als Teil von Smart City deklarierte Strategien und Konzepte nur oberflächlich einen Anknüpfungspunkt an eine Postwachstumsgesellschaft, während sie tatsächlich damit nur weiterhin einer Wachstumslogik unterliegen.

Theoretische Zugänge zur Smart CityBearbeiten

Der akademische Smart City Diskurs beinhaltet Aspekte aus verschiedenen Theorien und Konzepten. Diese können folglich einen Zugang zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Smart City bieten:

-    Postwachstumsgesellschaft (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Wachstumsr%C3%BCcknahme)
-    Urban Commons 
-    Green Economy (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Green_Economy)
-    Share Economy (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Share_Economy)
-    Akteur-Network-Theory (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Akteur-Netzwerk-Theorie)
-    Cradle to Cradle (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Cradle_to_Cradle)
-    Urban Metabolism (Link nur auf englischer Wikipedia-Seite: http://en.wikipedia.or/wiki/Urban_metabolism)
-    Historische Zukunftsvisionen (Oxymoron) wie z.B. der Hobrecht-Plan (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Hobrecht-Plan) oder die Idee der Gartenstadt (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Gartenstadt)

Quellen / Bibliographie Bearbeiten

Alisch, Monika (Hrsg.) (2001): Sozial – Gesund – Nachhaltig, Vom Leitbild zu verträglichen Entscheidungen in der Stadt des 21. Jahrhunderts. Leske+Budrich, Opladen

Brundtland-Bericht (1987): World Commission on Environment and Development. Our Common Future. Verfügbar unter: http://www.bne-portal.de/fileadmin/unesco/de/Downloads/Hintergrundmaterial_international/Brundtlandbericht.File.pdf?linklisted=2812

Dax, Patrick (2014): Der große „Smart City“-Schwindel. Verfügbar unter: http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138

Exner, Andreas/ Kratzwald, Brigitte (2012): Solidarische Ökonomie und Commons. Mandelbaum kritik&utopie, Wien

Giffinger, Rudolf (2007): Smart City. Ranking of European medium-sozed cities. Verfügbar unter:  http://www.smart-cities.eu/download/smart_cities_final_report.pdf

Greenfield, Adam (2014): Niemand weiß, was Smart City bedeutet. Interview mit Patrick Dax. Verfügbar unter: http://futurezone.at/digital-life/niemand-weiss-was-smart-city-bedeutet/70.823.281

Hartmann, Jens (2012): Siemens errichtet spektakulären Glaspalast in London, In: Die Welt, 19.09.2012. Verfügbar unter: http://www.welt.de/wirtschaft/article109339056/Siemens-errichtet-spektakulaeren-Glaspalast-in-London.html

Harvey, David (2013): Rebellische Städte. Suhrkampverlag, Berlin

Helfrich, Silke (2012): Gemeingüter sind nicht, sie werden gemacht. In: Helfrich, Silke/ Heinrich-Böll- Stiftung (Hg.): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. S. 66-69. Transcriptverlag, Bielefeld

Jaeckel, Michael/ Bronnert, Karsten (2013): Die Digitale Evolution moderner Großstädte. Apps-basierte innovative Geschäftsmodelle für neue Urbanität. Springer Vieweg

Libbe, Jens (2014): Difu-Berichte 2/2014 – Standpunkt: Smart City: Herausforderung für die Stadtentwicklung. Deutsches Institut für Urbanistik

Sassen, Saskia: Urbanising Technology, in Burdett, Ricky et al: The electric age, 2012a

Sassen, Saskia: Talking back to your intelligent city, 2012b Verfügbar unter: http://voices.mckinseyonsociety.com/talking-back-to-your-intelligent-city/

Sennet, Richard (2012): The stupefying smart city. Verfügbar unter:  http://lsecities.net/media/objects/articles/the-stupefying-smart-city/en-gb/

Tang, Kenny (2009): Green CITYnomics. The Urban War against Climate Change. Greenleaf Publishing Limited, Sheffield

Vanolo, Alberto (2013): Smartmentality: The Smart City as Disciplinary Strategy. Verfügbar unter: http://usj.sagepub.com/content/early/2013/07/11/0042098013494427

Weiterführende LinksBearbeiten

Aedes ANCB - Symposium/Smart Talk "SMART CITY: THE NEXT GENERATION", Focus Southeast Asia (8.-9.Juni 2013): http://www.ancb.de/sixcms/detail.php?id=9261829#.U9p6zfl_tX8

Smart City Wiki der TU Berlin: http://de.smartcityberlin.wikia.com/wiki/SmartCity_Wiki

http://blog.collaboratory.de/das-jahrhundert-der-kommunen-der-digitalen-welt/

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