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Röyksopp - Remind Me04:15

Röyksopp - Remind Me

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Ein Versuch Smart CIty messbar zu machen: 6 Hauptindikatoren und unterliegende Aktionen der Smart City von Boyd Cohen

Haupttext: Smart City

GrundlagenBearbeiten

Definition von Smart CityBearbeiten

Es besteht bislang keine einheitliche Definition dessen, was unter dem Konzept „Smart City“ zusammengefasst wird. "Smart City” ist ein Sammelbegriff für technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen, mit dem Ziel das städtische Leben nachhaltiger und lebenswerter zu gestalten und gleichzeitig Lösungen für urbane Herausforderungen, wie Umweltverschmutzung, den demographischen Wandel oder Bevölkerungswachstum zu entwickeln. Der Begriff hat seine Ursprünge in der Smart Growth (Wachstum) Bewegung der späten neunziger Jahre und wird seit 2005 von verschiedenen privaten Akteuren, darunter Siemens, IBM und Cisco (siehe unten) verwendet um die Adaption technologischer Systeme für Städte zu benennen (Donnelly et al 2011: 2). Seitdem wird der Begriff erweitert, sodass er heute auf vielseitigste Art sowohl technische Innovation als auch neue, innovative und effiziente nicht-technische Werkzeuge der Stadtplanung, Partizipation, Verwendung urbaner Räume, Governance, usw. beschreibt. Die Innovationen sind nicht unbedingt neu, werden unter dem Begriff "Smart City" aber oft erstmals in Zusammenhang miteinander und mit dem Raum Stadt gebracht (Sassen 2012a: 12).  Alberto Vanolo (2013) beschreibt Smart City als mehrdeutiges Konzept angeleitet von Visionen für eine effiziente, technologisch fortschrittliche, grüne und sozial inklusive Stadt (Vanolo 2013: 1). Die Studie „Smart Cities: A ranking of European medium sized Cities“ erkennt die Vielseitigkeit des Begriffs an und zeigt anschließend sechs Charakteristika dessen auf, was in der Studie als "Smart" untersucht wird: Smart Economy (Wirtschaft), Smart People (Bevölkerung), Smart Governance (Verwaltung), Smart Mobility (Mobilität), Smart Environment (Umwelt) und Smart Living (Leben) (Giffinger et al, 2007). Während die Einteilung in sechs Bereiche für einen deskriptiven Zugang geeignet sein kann, ist sie für eine Analyse von Diskursen unbrauchbar, da beispielsweise politische Entscheidungen nicht abgebildet werden, sondern unter einzelen Kategorien zusammengefasst werden (Vanolo 2013: 7).

Das “Smart” (link: ins English übersetzt: klug, intelligent, modisch, pfiffig, chic) betont vor allem technische Fortschritte. Unter diesen steht die neue Anwendung von den von Richard Sennett genannten “Smart City” Werkzeugen -- Sensoren,  CCTV Kameras, und Datenbanken -- im Vordergrund (link: Stupefying Smart Cities  http://lsecities.net/media/objects/articles/the-stupefying-smart-city/en-gb/) Der Ausdruck "Smart" ist dabei nicht auf einen Bereich beschränkt und meint nicht die wirtschaftliche Prosperität einer Stadt oder Region, sondern vielmehr, wie erfolgreich sie auf Transformationsprozesse reagiert. Eine wichtige Rolle spielt hierbei der Aspekt der Nachhaltigkeit.

Von Seiten der Geisteswissenschaften werden die Bemühungen von Städten und die Angebote wirtschaftlicher Akteure vor allem hinsichtlich ihres Nutzens für die Gesellschaft hinterfragt. So mahnt Saskia Sassen, dass Technologie tatsächlich den BewohnerInnen dienen müsse und nicht umgekehrt: "It is the need to design a system that puts all that technology truly at the service of the inhabitants—and not the other way around." (Sassen 2012b).

Smart People und Smart Governance werden in der Wissenschaft als elementare Bestandteile der Smart City begriffen, wobei ein Indikator ihrer Smartness die Partizipation am öffentlichen Leben ist. (vgl. Rudolf Griffinger). Die Potentiale der Smart City entfalten sich erst im Rahmen eines „kooperativen Beziehungsgeflechts zwischen Bürger, Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.“ (Jäkel/Bronnert 2013: 16).

In der Smart City ist der öffentliche Raum nicht mehr nur der physische Raum, sondern ein integrierter Raum, der die virtuelle und die reale Stadt mit einschließt. Es entsteht eine integrierte Urbanität oder real-digital. Ein Teil des öffentlichen Lebens wird dabei auch in digitalen Netzwerken stattfinden.

WissenschaftlerInnen unterscheiden technische Innovationen, die eingesetzt werden, um informelle Charakteristika der Stadt zu unterstützen und solche Innovationen, die informelle Charakteristika als destruktiv auffassen und formalisieren möchten (siehe Vanolo 2012: 2 oder Sennet 2012: 4). Richard Sennet schreibt dazu: „Informal social processes are the heart of the city. […] Technology must be part of the process of giving the city that informal energy […]“ (Sennet 2012: 4)

Kontext für Smart Cities

Seit dem Ende des industriellen Zeitalter, spätestens aber mit der umfassende Digitalisierung vieler Lebensbereich befindet sich die Menschheit in einer Phase des Wandels, vor allem ökologisch (durch Klimawandel), gesellschaftlich (durch hohe Migration), und politisch-wirtschaftlich (durch Globalisierung). Laut World Health Organization (link: www.who.int) lebt seit 2010 die Mehrheit der Menschen in urbanen (statt ländlichen) Räumen, wobei die Wachstumsrate (oder Schrumpfungsrate) unterschiedlich ist - je nach Land, Region, und Kontinent.  Laut Weltgesundheitsorganisation sind etwa die Hälfte aller StadtbewohnerInnen in Städten zwischen einhundert- und fünfhunderttausend Einwohner, und weniger als 10% wohnen in Megacities (link: definiert von UN HABITAT als eine Stadt mit Bevölkerungszahl mehr als zehn Millionen).  Es wird geschätzt, dass ab 2030 jeder sechste von zehn Menschen in einer Stadt wohnen wird und bis 2050 jeder siebte von zehn Menschen. Zumal diese Einwanderung in Städte neue Herausforderungen (Unterkunkft - meine ich, MB, allerdings mehr allgemein so wie "Shelter" -- Transport, Ernährungsunsicherheit, Umweltverschmutzung, Gesundheit, usw.) schafft, ergibt sich gleichzeitig die Gelegenheit, neue Technologien einzusetzen, neue Märkte zu schaffen und den urbanen Raum neu zu denken.

KritikBearbeiten

Gefahrenpotenzial wird also vor allem in der Möglichkeit der Überwachung durch Kameras und Sensoren bzw. dem Missbrauch dieser Technologien gesehen. Sassen (2012a: 14) warnt vor Zensur und davor, dass neue Technologien noch nicht hinreichend "urbanisiert" seien. Auch Sennet (2012: 1) merkt an, dass in der Geschichte der Technologie Werkzeuge angewandt wurden, bevor man sie richtig einzusetzen wusste. Dies sei das Problem mit den Werkzeugen der Smart City (ebd.). Diese haben das Potenzial die urbane Bevölkerung zu verdummen anstatt Innovation zu unterstützen (ebd.: 4).

Außerdem wird der Smart City vorgeworfen, nicht mehr als ein Modebegriff von Marketingstrategen zu sein: So behauptet der Informationsarchitekt und Verfasser der Streitschrift "Against the Smart City" (2013), Adam Greenfield, die "Smart City sei ein abstraktes Terrain. Ein Markt, auf dem Technologiekonzerne ihre Produkte und Dienste verkaufen können." In seiner Streitschrift untersucht er PR-Broschüren und Marketingmaterialen exemplarische Smart-City-Projekte. Seine Kritik betrifft vor allem die Abwesenheit der Menschen in der Konzeption der Städte:  "Von den Stadtbewohnern ist in den Konzepten der Tech-Konzerne wenig zu lesen. Sie kommen allenfalls am Rande vor. Als Konsumenten, deren Gewohnheiten von technischen Systemen beobachtet und gegängelt werden. (Vgl.: http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138).

Funktionen der Stadt

ZivilgesellschaftBearbeiten

Fundamentaler Bestandteil der Smart City ist eine besondere Form der Zivilgesellschaft, die "Smart People". Diese Bevölkerung wird als besonders kreativ, flexibel und vernetzt charakterisiert und zeichnet sich durch einen hohen Bildungsgrad und soziale Heterogenität aus. Die Smart City und ihre Bevölkerung sind interdependent, das heißt, das Leben der BewohnerInnen soll durch technische Innovationen "einfacher" und "besser" gestaltet werden, während die BewohnerInnen die Stadt ihrerseits durch Eigeninitiative prägen. Hierzu gehören zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich sozial oder kreativ mit städtischem Raum auseinandersetzen und politische Entscheidungsprozesse, an denen alle gesellschaftlichen Gruppen teilhaben und so Einfluss auf die Entwicklung ihrer Stadt nehmen können. Seinen Ursprung findet diese Form des politischen Denkens in den Bewegungen des New Urbanism und Smart Growth, die sich durch eine große Nähe und Sensibilität zur Öffentlichkeit auszeichenen. Eine breite Koalitionsbereitschaft, sowie ein Einbinden von vielen und verschiedenen Akteure soll zu einer breit gestreuten Vielzahl von Themen führen. Grundsätzlich soll eine Entwicklung "von unten“ stattfinden. Obwohl die Öffentlichkeit in die informelle, netzwerkartige Organisation vieler Steuerungsprozesse mit eingebunden wird, ist sie dennoch kein Entscheidungsträger.

Auch der demographische Wandel, dem sich viele Städte des globalen Nordens ausgesetzt sehen, schafft Herausforderungen, für die innovative Lösungen mittels neuer Technologien und kommunaler Konzepte gefunden werden müssen.

Diese besondere Form der städtischen Zivilgesellschaft zeigt sich in der Praxis beispielsweise an Phänomenen wie der Sharing-Kultur, die teilweise kommerziell, teilweise nicht-kommerziell geprägt ist. Dabei geht es um die gemeinsame Benutzung oder die Mitbenutzung von Geräten oder Infrastruktur zum Zweck ökologischer und ökonomischer Vorteile. Car-Sharing oder Mitfahrgelegenheiten sind Teil dieses Phänomens, das mittlerweile auch kommerziell von Automobilkonzernen wie BMW, Mercedes-Benz oder Citroen betrieben wird. Während das Teilen von Wohnraum in Wohngemeinschaften bereits ein altes städtisches Phänomen ist, so ist das Einladen von unbekannten Gästen zur kostenlosen Übernachtung auf dem Sofa oder Gästebett über die Onlineplattform Couchsurfer oder die kommerzielle private Vermietung mittels AirBnB ein eher neueres. Initiativen in Berlin rufen PassagierInnen des öffentlichen Nahverkehrs dazu auf, an der Kleidung zu kennzeichnen, wenn sie mit ihrem Ticket eine weitere Person kostenlos mitnehmen können und bereit sind, dies für eine fremde Person unentgeltlich zu tun (ticketteilen.org, 2014). Aufkleber für den Briefkasten, die darüber informieren welche Hausgeräte und Werkzeuge man besitzt, die man kostenlos ausleihen würde, werden von verschiedenen Initiativen kostenlos angeboten (pumpipumpe, 2014 http://www.pumpipumpe.ch/das-projekt/). Auch Initiativen für ein von Privatanschlüssen aus bereitgestelltes kostenloses WLAN-Netz verzeichnen viele MitgliederInnen, trotz der rechtlich unsicheren Situation in Deutschland (siehe freifunk.net, 2014). Urban Gardening Projekte können zu den privaten bzw. zivilgesellschaftlichen Initiativen gezählt werden. Nachhaltiger dezentraler Anbau von Lebensmitteln wird dabei auf Balkonen und an öffentlichen Orten durchgeführt. Neben finanziellen und ökologischen Aspekten, spielen hier auch soziale und integrative Aspekte eine Rolle, wie z.B. bei städtischen Integrationsgärten bei denen insbesondere MigrantInnen zur Arbeit in Gärten gewonnen werden um dabei soziale Netzwerke zu knüpfen.

Marleen Stikker plädiert für eine stärkere Einbindung der BürgerInnen bei Smart-City-Konzepten. "Technologie bestimme unsere Gesellschaft. Sie sei aber nicht neutral. Wichtig sei es, darauf zu achten, dass Systeme offen seien und den Bürgern die Möglichkeit der Mitgestaltung und Mitbestimmung geben." (Vgl. http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138)

Governance: Politik und VerwaltungBearbeiten

Von politischer Seite existieren schon seit längerem Bestrebungen hin zu einer nachhaltigen, integrativen Stadtentwicklung. Die Leipzig Charta, ein Planungsinstrument das 2007 auf EU-Ebene beschlossen wurde schuf die Grundlage für eine neue Stadtpolitik, die auch Merkmal der Smart City sind. So fördern unterschiedliche EU-Programme Städte wie Kopenhagen, Wien, Amsterdam oder Berlin, die sich selbst als Smart Cities beschreiben, in diesen Bestrebungen. 

Gegenwärtig sollen durch das mit knapp 80 Milliarden Euro geförderte EU-Programm Horizon 2020 die Entwicklung europäischer Städte zu "Smart Cities" vorangetrieben werden. Das Programm steht im Rahmen einer gesamteuropäischen Wachstumstrategie, mit dem Ziel die EU auf globaler Ebene wettbewerbsfähiger zu machen. Der Fokus liegt hierbei auf der Förderung einzelner Vorzeigeprojekte, die Entscheidung liegt bei den Kommunen selbst. (Vgl. http://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/en/what-horizon-2020, abgerufen am 13.06.2014). Weitere Beispiele für ähnliche, von der EU geförderten Pilotprojekte sind "Open-Cities" im Rahmen der Smart City Helsinki oder das Pilotprojekt "Smart People". Viele dieser kommunalen Akteure kooperieren mit lokalen wissenschaftlichen und privaten Forschungseinrichtungen, so wie die Stadt Wien beispielsweise mit der TU Wien oder Berlin mit der TU Berlin oder dem Fraunhoferinstitut.

Laut des SmartCity Living Lab des Deutsches Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) spielen "neben Klimaschutz und einem nachhaltigen Ressourcenmanagement die Anpassung an den demografischen Wandel und die sich wandelnden sozial-gesellschaftliche Belange zentrale Rollen. Es gilt, einen attraktiven Lebensraum zu gestalten und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Wirtschaft zu fördern."

"Im europäischen Vergleich machen sich die Städte den Begriff höchst unterschiedlich zunutze. In Deutschland sehen die kommunalen Spitzenverbände und nicht zuletzt der Deutsche Städtetag, vor dem Hintergrund der skizzierten wirtschaftspolitischen Interessen Smart City als Leitbegriff kritisch", schreibt Jens Libbe vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin. 

Jedoch ist gerade auf politischer Ebene nicht näher definiert, was denn nun eine "smarte" Stadtentwicklungspolitik auszeichnet. Merkmale einer „Smart Governance“ sind demnach ebenso eine bürgernahe politische Entscheidungsfindung mit einer starken Einbindung der Zivilbevölkerung in städtische Entwicklungsprozesse. Smart Governance beschreibt Maßnahmen unterschiedlicher Akteure in der Politik und Stadtverwaltung, Plannungs- und Enisation und Entscheidungsprozesse transparent zu gestalten und öffentliche Dienstleistungen effizienter zu verteilen. Große Datenmengen spielen ebenfalls eine Rolle in Organisation und Verwaltung der Smart City. Ohne Zugang zu städtischen Daten können die BürgerInnen nicht an wichtigen Prozessen der Stadtentwicklung teilnehmen. Open Data ist daher für die Partizipation der Bürger an ihrer Stadt eine wichtige Voraussetzung.

E-Partizipation ermöglichen in der Smart City neue Formen direkter Demokratie, die die Beteiligung der BürgerInnen an der kommunalen Politik erweitern und vertiefen sollen. Die digitale Umsetzung und Erweiterung von Demokratie wird auch als e-Democracy bezeichnet. Ziel dieser top-down Maßnahmen der Stadtverwaltungen ist dabei, mit den StadtbewohnerInnen in einen Dialog zu treten und verschiedenste Gruppen am Prozess des Policy Making teilhaben zu lassen. Dies geschieht meist, jedoch nicht ausschließlich mit Hilfe neuer Technologien, wie beispielsweise Online-Dialoge, so beim Planungsvorhaben Berlin Strategie 2030. Ein anderes Beispiel wäre die Einführung einer bundesweit einheitlichen Behördennummer 115. Die kommunale Verwaltung wird so in der Smart City zu einer eAdministration: Durch Digitalisierung werden Kommunikations- und Verwaltungsprozesse vereinfacht, was den BürgerInnen einen leichteren Kontakt zu den Behörden ermöglicht. Fasst man eAdministration und eDemocracy zusammen, spricht man von eGovernment.

Christoph Laimer, Obmann des Wiener Vereins für Stadtforschung, derive, und Gründer und Chefredakteur der gleichnamigen Zeitschrift befürchtet kritisiert den Umgang der Städte mit dem Label Smart City scharf. "Die Städte ließen sich, gelockt durch Fördergelder der EU, in einen Wettkampf um Smart Cities drängen. Die Partizipation der BürgerInnen sei dabei nicht mehr als ein hohles Schlagwort. Als Beispiel führte er an, dass in den Smart-City-Beratungsgremien der EU zwar Konzerne in großer Zahl vertreten sind, zivilgesellschaftliche Initiativen hingegen keinen Platz finden." (Vgl. http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138). 

Durch diese Dichotomie von wirtschaftspolitischen Entwicklungszielen von Stadtverwaltungen und einer stärkeren Einbindung der Zivilbevölkerung entstehen immer wieder Konflikte innerhalb der Städte. Ein Beispiel hierfür ist die Debatte um den Fortbestand des Tempelhofer Feldes in Berlin, die schließlich in einer Bürgerinitiative und einem Bürgerentscheid mündete und die von der Berliner Senatsverwalrtung für Stadtentwicklung und Umwelt geplannte Bebauung des Tempelhofer Felds verhinderte. Diese Einbindung von bottom-up Methoden und Bürgerbewegungen im Sinne einer partizipativen Stadtpolitik stellt eine große Herausforderung dar.

WirtschaftBearbeiten

An Introduction to IBM's Smarter Planet04:51

An Introduction to IBM's Smarter Planet

"Smart Economy" meint die Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität durch Vernetzung verschiedenster Akteure auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Sie zeichnet sich durch einen besonderen "Unternehmergeist", aus dem innovative und zukunftsträchtige Ideen hervorgehen. Fundament der Smart Economy ist Humankapital, also das individuelle Wissen eines jeden Akteurs. Dieses Wissen wird durch formellen und informellen Wissenstransfer der Arbeitskräfte untereinander kontinuierlich erworben, entwickelt und weitergegeben, was wiederum die Produktivität der Arbeiter steigert. Die Smart Economy steht oft in Verbindung mit Konzepten wie der Creative Class und Wissensgsellschaft.

Die hochentwickelte Smart City kann ein Internet of Things and Services sein: Die gesamte städtische Umgebung ist dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in der Cloud verfügbar machen. So entsteht eine permanente Interaktion zwischen Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Die Stadtbewohner werden so Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt.

Verschiedene private Akteure haben unter dem Titel "Smart City" Projekte gebündelt um Synergien in der Vermarktung der eigenen Produkte und Dienstleistungen herzustellen. Dabei sprechen die Angebote zunächst die Bedürfnisse städtischer Verwaltungen an und bieten Hilfe, bei der Bewältigung urbaner Herausforderungen durch Beratung und technische Lösungsvorschläge an. Die Städte binden sich dabei über einen Zeitraum von mehreren Jahren an einen einzigen Anbieter auf diesem Gebiet. Insbesondere ist IBM Vorreiter auf dem Gebiet und berät kommunale Aktereue, wie die Stadt Rio de Janeiro. 2010 rief das amerikanische Unternehmen den Wettbewerb "Smarter Cities Challenge" aus,  bei dem sich 100 Städte mit konkreten Projektideen bewerben konnten. IBM unterstützte die Städte durch Beratung bei der Umsetzung. Teilnehmende Städte befinden sich auf allen Kontinenten und Projekte kommen aus den Bereichen Verwaltung, Transport, Verkehr, Umwelt, ökonomische Entwicklung, öffentliche Sicherheit, Bildung und Arbeitskraft, Soziale Dienstleistungen, zivile Partizipation und Gesundheit.

IBM - Smarter Cities Challenge Website

Der Energiekonzern Vattenfall präsentiert unter dem Titel "Smart Home" verschiedene Angbote für die Regelung des Energieverbrauchs privater Haushalte und zum Aufbau intelligenter Netze. Ein Beispiel ist die zentrale Steuerung dezentraler Energiegewinnung durch Blockheizkrafterwerke, die bei Bedarf hoch- oder runtergefahren werden können.

http://corporate.vattenfall.de/nachhaltigkeit/energie-der-zukunft/nachhaltige-energielosungen/smart-home/

Cisco Commercial Tomorrow Starts Here ( 60)01:01

Cisco Commercial Tomorrow Starts Here ( 60)

Cisco Systems präsentiert unter dem Titel "Internet of Everything" eine Reihe von durch Kommunikationsnetzwerke steuerbare Lebensbereiche: Von Energienetzwerken (Effizienzsteigerung durch technische Steuerung) über Verkehr (z.B. Ampelsteuerung: Ampeln mit anderen Ampeln, Straßen, Satelliten, Autos und Bussen verbinden; Städte können den Verkehr in Echtzeit steuern) bis zum Einkauf im Supermarkt (Produkte werden als Videotutorial vorgestellt, KäuferInnen erhalten Wegbeschreibungen über ein Display am Einkaufswagen, Ladentüren kassieren automatisch den Einkauf ab). Das Unternehmen hat den Anspruch, bei der Veränderung von Leben, Arbeiten und Spielen durch Vernetzung aktiv mitzugestalten.

Cisco Systems: Tomorrow Starts Here

Der global agierende Konzern Siemens bündelt Beratungsangebote an Städte mit dem Verkauf diverser konzerneigener Produkte sowie Dienstleistungen. Unter dem TItel "The Crystal" baute Siemens in London ein Ausstellungsgebäude mit Auditorium und Glasfassade für rund 35 Mio. € (Hartmann, 2012). Der Konzern schuf neben den drei Abteilungen "Industrie", "Gesundheit" und "Energie" eigens den Sektor "Infrastructure & Cities" für den insgesamt 83.000 MitarbeiterInnen arbeiten (ebd.). Das Gebäude "The Crystal" ist das Aushängeschild dieser neuen Sparte und der Versuch dem Konzern ein Markenimage, das mit Nachhaltigkeit assoziiert werden soll, zu schaffen. Alternative Wirtschaft im Sinne einer nachhaltigen und partizipativen Smart City in Berlin - Fab-Labs: Ein FabLab (engl. fabrication laboratory – Fabrikationslabor) ist eine offene, demokratische High-Tech-Werkstatt mit dem Ziel, Privatpersonen industrielle Produktionsverfahren für Einzelstücke zur Verfügung zu stellen. Typische Geräte sind 3D-Drucker, Laser-Cutter, CNC-Maschinen, Pressen zum Tiefziehen oder Fräsen, um eine große Anzahl an unterschiedlichen Materialien und Werkstücken bearbeiten zu können („make almost everything“). FabLabs erlauben die unkomplizierte Anfertigung von hoch individualisierten Einzelstücken oder nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen (Rapid Manufacturing). http://www.fablab-berlin.org/de

Füd Selbstständige und Nicht-Angestellte, meist im kreativen Bereich, haben sich in den letzten Jahren Co-Working Spaces entwickelt. Dort kann man einen Schreibtisch temporär mieten und auf Büroinfrastruktur, wie Drucker, WLAN oder Kopierer zugreifen. Durch die inhaltliche und physische Nähe der Mieter etwickeln sich so auch Netzwerke und Projekte. Co-Working-Spaces oder Hubs können auch als Ausdruck einer neuen "Sharingkultur" in Städten beschrieben werden (siehe "Zivilgesellschaft").

"In der Tat hat die Digitalisierung unsere Arbeitswelt tiefgreifend verändert.(...) Coworking wird mit gemeinschaftlich orientierten Werten wie Zusammenarbeit, Offenheit, Gemeinschaft, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht. Das Teilen von Informationen, Infrastrukturen, Wissen, Fähigkeiten und Ressourcen gehört zu einem immer wieder bemühten Motiv in Selbstbeschreibungen von Betreibern und Nutzern dieser Gemeinschaftsbüros. Coworking kann aber auch auf andere (Lebens-)Bereiche übertragen werden. Soeben hat in London der erste Coworking Space mit integriertem Kindergarten (coplaying) eröffnet, und Daimler Chrysler entwickelt sein neues Carsharing-Projekt (car2go) aus einem Gemeinschaftsbüro heraus.(...) Verknüpfung von Gemeinschaft, Raum und der Entstehung neuer Ideen. Aufgrund der räumlichen Verdichtung verschiedener Arbeits-, Praxis- und Wissenskulturen könnten Coworking Spaces für ein neues Innovationsmodell durch inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit und kollaborative Problemlösungsansätze stehen." Aus Dr. Janet Merkel (2012): Auf der Suche nach Austausch - Digitale Nomaden und Coworking Spaces

Über die Einwirkungen großer multinationaler Konzerne auf Städte, schreibt Jens Libbe (Deutsches Institut für Urbanistik, Standpunkt 2/2014): "Problematisch sind die Bemühungen nationaler Normungsorganisationen zur Durchsetzung von Standards der Smart City. Hier werden mehr oder weniger unverblümt Interessen global tätiger Konzerne verfolgt. Auf die nach der Begründung für diese Aktivitäten wird vonseiten der treibenden Akteure auf internationale Bemühungen zur Normenharmonisierung verwiesen. Deren Ziel sei es, Hemmnisse im internationalen Wettbewerb zu beseitigen und die Übertragbarkeit technologischer Neuerungen auf andere Länder sicherzustellen. Die angestrebte Normungs-Roadmap ist auf die Machbarkeit von Technologien aufgerichtet. Städte werden dabei allein als Marktplatz der Technologieanwendung begriffen. [...] Die Intention der Implementierung scheinbar freiwilliger Standards droht dabei letztlich die Interessen der in den Städten lebenden Menschen zu verfehlen, zumal die breite Öffentlichkeit über diese Aktivitäten kaum Bescheid weiß." (difu )

Für eine Teil: Die Smart City als Common begreifen 

Klimwandel & NachhaltigkeitBearbeiten

Der Klimawandel  und die Grenzen des Wachstums sind Themen, die die Menschheit heute herausfordern und zu einem radikalen Umdenken zwingen. Dabei spielen Städte eine herausragende Rolle: einerseits verstärken sie den Klimawandel im besonderen Maße, andererseits sind sie Motor von Innovationen und entscheidend für den nötigen Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung, also einer Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Bedürfnisse späterer Generationen zu gefährden.

Seit den 1990er Jahren bestimmt Nachhaltige Entwicklung den Stadtentwicklungsdiskurs. Auf zahlreichen Konferenzen (z.B. Rio-Konferenz 1992) wurden verbindliche und unverbindliche Ziele definiert und Abkommen unterzeichnet.

Das Konzept der Nachhaltigen Stadt basiert vor allem auf einer ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Betrachtungsweise. Ziele einer nachhaltigen Stadt bzw. Stadtentwicklung und Stadtpolitik können dabei sein: nachhaltige Nutzung erneuerbarer Ressourcen und minimale Nutzung nicht-erneuerbarer Ressourcen (ökologische Dimension); Betonung einer regionalen Kreislaufwirtschaft, minimale Transportintensität und z.B. eine Innovationspolitik mit dem Fokus auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise (ökonomische Dimension); multikulturelles Zusammenleben, Mitverantwortung und demokratische Partizipation der Bevölkerung (sozio-kulturelle Dimension). Darüber hinaus existieren Themen, die diese drei Dimensionen umfassen, so z.B. das begrenzte Wachstum von Städten (Alisch 2001).

Smart City Visionen enthalten zusätzlich oft Ideen für regionale Warenzyklen, basierend auf der Prämisse, das Dinge dort produziert werden sollten, wo sie verbraucht werden. Beispiele aus dem Bereich Energie ist die Solartermie (zur lokalen Erzäugung von Heißwasser), Photovoltaik (Solarzellen zur Stromproduktion) oder Erdwärme (zum Wärmen von Gebäuden). Im Bereich der Lebensmittel wird beispielsweise mit urbanen Dach- und Fassadengärten experimentiert. Durch die lokale Produktion von Gütern soll nciht nur Energie eingespart werden, sondern sie ist auch unter Gesichtspunkten der Resilienz und des Bewusstseins für diese Güter sinnvoll.

Grundsätzlich ist zu hinterfragen, ob dieses 3-Säulen-Modell tatsächlich ausreicht, um Nachhaltigkeit zu fassen, oder ob dieses nicht erweitert werden sollte. Schuster sieht eine Kultur der Nachhaltigkeit als essentiell, um politische Maßnahmen erfolgreich und langfristig zu implementieren. So soll eine Gesellschaft entstehen, deren Werte und Handeln von Nachhaltigkeit geprägt sind (Schuster 2013).

Der Diskurs um Smart City basiert zu weiten Teilen auf Themen, die im Zuge des Diskurses um Nachhaltigkeit und Nachhaltige Stadt formuliert und in den letzten Jahrzehnten umgesetzt wurden. Themenfelder, die ursprünglich nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit etabliert wurden , werden nun innerhalb des Smart City Diskurses mit übergreifenden Themen  und den entsprechenden Interessensvertretern aus Forschung, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft vernetzt und schließlich in der Stadt praktisch umgesetzt.

Vor dem Hintergrund verschiedener Dimensionen des Lebensraums Stadt stellt sich die Frage, wie und wo sich Nachhaltigkeitsprinzipien im aktuellen Smart City Diskurs wiederfinden, ob die Smart City als eine Erweiterung der nachhaltigen und resilienten Stadt verstanden werden kann oder sie wichtige Aspekte ausklammert.

Die in den USA verbreitete Smart Growth Bewegung ist aus dem Umfeld der Ökologie- und Nachhaltigkeitsbewegung entstanden. Es geht den Organisationen vordergründig um eine flächensparende und naturraumschützende Siedlungsentwicklung, teilweise wird die U.S. Environmental Protection Agency (EPA), die oberste Umweltbehörde der USA eng in die Projekte mit einbezogen.

Siehe Infrastruktur als gemeinschaftliches Eigentum - "Commons"

MobilitätBearbeiten

"Smart Mobility" wird als ein Angebot definiert, das eine „energieeffiziente“, „emissionsarme“, „sichere“, „komfortable“ und „kostengünstige“ Mobilität ermöglicht und das vom VerkehrsteilnehmerInnen intelligent genutzt wird. 

Dabei geht es nicht um neue Infrastruktur sondern vielmehr um die Optimierung der Nutzung der vorhandenen Angebote durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien." (Wolter, Smart Mobility https://www.uni-due.d

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e/imperia/md/content/iam/track2_abstract_wolter.pdf   )

Öffentliche Transportsysteme und Verkehrsmanagement finden sich in allen wichtigen wissenschaftlichen Definitionen der Smart City. Dabei geht es meistens um die Integration von neuen Technologien zur Verkehrsmanagement in Echtzeit. Wichtig ist hierbei die technische Bereitstellung von Diensten und Informationen für alle Stakeholdergruppen: BürgerInnen, PendlerInnen, Verwaltung, private Akteure, WissenschaftlerInnen. 

Beispielhaft die die Verkehrskontrolle mittels Videokameras und die Möglichkeit der zeitnahe Reaktion auf Staus oder Unfälle. Um NutzerInnen des öffentlichen Personennahverkehrs Vorteile zu verschaffen sind Städte dazu übergegangen die Verkehrsmittel per GPS zu überwachen und die Positionen in Smartphone Apps zusammen mit Informationen über Verspätungen und ggf. alternative Routen zugänglich zu machen. Smarte Ampelsteuerungen regeln der Verkehr so, dass öffentliche Verkehrsmittel erkannt werden und Vorrang vor individuellen Kraftfahrzeugen bekommen. Tickets werden über das Smartphone gekauft, wobei immer der für die NutzerInnen beste Tarif gewählt wird. Informationen zum Verkehrsfluss können über die Positionierung von Smartphones abgeleitet werden und in Apps dargestellt werden. So entstehen Echtzeitinformationen über Staus.

Theorien, Zugänge, KonzepteBearbeiten

Akteur-Network-TheoryBearbeiten

Die Smart City theoretisch zu erfassen stellt eine Herausforderung dar, da Technik und Gesellschaft immer dichter miteinander verwoben sind und dadurch in hohem Maße Hybridität gegeben ist. Die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) kann als ein analytischer Zugriff fungieren, der dieses Problem aufbricht, da sie nicht mehr vom Dualismus Technik – Gesellschaft ausgeht, sondern Akteurs-Netzwerke untersucht, in denen menschliche und nicht-menschliche Akteure (Aktanten) gleichwertig miteinander agieren. Es handelt sich um eine beschreibend, analytische Methode, unter deren zur Hilfenahme der Ist-Zustand von Städten und der Idee der Smart City kritisch hinterfragt werden kann.

Urban CommonsBearbeiten

Begreift man die "Smart City" als Common , müssen alle planerischen- und verwaltungstechnischen Entscheidungen sowie Nutzungen der Stadt als gemeinsamer Aushandlungsprozess all derer verstanden werden, die die Stadt selber nutzen und produzieren, da all dies Angelegenheiten sind, "die für ihr unmittelbares Lebensumfeld von Bedeutung sind“ (vgl. ebd. Exner/Kratzwald 2012: 25). Die BewohnerInnen einer Smart City sind also als "Commoner" zu begreifen, die die Stadt selbstorganisiert nach eigenen Regeln, im Sinne des Allgemeinwohls verwalten. Die Entscheidungen, die das Common betreffen, werden hierbei gemeinschaftlich selbstorganisiert und auf Konsens basierend getroffen. Diese Entscheidungen können sich dabei sowohl praktisch auf die Bewirtschaftung und Nutzung des Commons beziehen, jedoch auch auf die konkrete Organisierungsform, wie etwa Regeln, Sanktionen oder Ausschlusskriterien. Inwiefern Menschen von der Nutzung verschiedener Commons ausgeschlossen werden und welchen Regeln und Kriterien solch ein Ausschluss unterliegt, ist auch in der Debatte um die Funktionsweise von Commons nicht abschließend geklärt.

Green EconomyBearbeiten

Die Debatte um die grüne Ökonomie wird bislang eher von Umweltbewegten und grünen Parteien geführt, wird sie nun als Konzept von der EU, der OECD, einzelnen UN-Organisationen, von Think Tanks, Universitäten und von Teilen der Wirtschaft selbst aufgegriffen. Der Ausgangspunkt aller Überlegungen zur grünen Ökonomie ist der drohende Klimawandel und die Verknappung der Ressourcen («Peak Oil», «Peak Water», «Peak Land»). Die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft – möglichst im Zwei-Grad- Korridor mit massiven Investitionen in die Ressourceneffizienz und erneuerbaren Energien – wird von allen Protagonisten einer grünen Ökonomie als Ziele markiert. Für alle ist «Business as usual» keine Option.

Diese Gemeinsamkeiten differenzieren sich allerdings schnell aus. Das zeigt sich schon an den diversen Begriffen, die im Umlauf sind und bereits für konzeptionelle Verwirrung sorgen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, UNEP, spricht von grüner Ökonomie («Green Economy»), die OECD und die Weltbank mal von umweltverträglichem, mal von grünem Wachstum. Dann ist von einem «Ergrünen der Wirtschaft» die Rede, und der «Green New Deal», 2008 im Kontext der Weltwirtschaftskrise vor allem von UNEP in die Debatte gebracht, um «grünere» Konjunkturpakete anzuregen, hat zwar international an Strahlkraft verloren, ist aber immer noch in der Diskussion, vor allem seitens der deutschen und europäischen Grünen. Zudem werden große technologische Hoffnungen auf die Bioökonomie gesetzt, die den Weg weisen soll von einer erdöl- hin zu einer bio-basierten Wirtschaft.

Share Economy Bearbeiten

Die Zeit des Eigentums, so lautet die Parole die immer lauter wird, neigt sich dem Ende zu. In Zukunft werden wir die Dinge miteinander teilen, was vor allem dadurch möglich wird, dass das Internet die Kosten dieser Transaktionen auf ein rentables Niveau senkt. Und jeder, Geber- und NehmerInnen und vor allem die Umwelt, werden am Ende davon profitieren. Der Trend zum Teilen hat viele Namen, Ökonomen nennen ihn Sharing Economy, Idealisten Collaborative Consumption oder Kokonsum. Die amerikanische Autorin Rachel Botsman, die in ihrem Buch „What’s Mine Is Yours: The Rise of Collaborative Consumption“ die Revolution der geteilten Güter ausgerufen hat, hält kollaborativen Konsum für die Lösung von Weltproblemen von Umweltverschmutzung bis zum allgemein herrschenden Misstrauen.

Heftige Kritik am Konzept der Share Eonomy übt Harald Staun in einem Artikel veröffentlicht im Feulliton der FAZ: "Shareeconomy - Der Terror des Teilens" (22.12.2013). Hier einige seiner recht radikalen Thesen: - "Dass es ums Teilen geht, ist die große Lüge der Sharing Economy. Es geht um Tausch."

- "Die Sharing Economy ist nichts anderes als die totale Dienstleistungsgesellschaft."

- "Das war schon immer der Trick des Kapitalismus: Uns zu verkaufen, was es vorher umsonst gab. Jetzt hat er die neueste Marktlücke entdeckt: den Kommunismus. Die Idee des kollaborativen Konsums bleibt innerhalb der kapitalistischen Logik."

- "Die Auswirkungen auf den großstädtischen Straßenverkehr sind dabei genauso wenig abzusehen wie die ökonomischen Effekte; nur mit einer gerechteren Welt werden sie nicht viel zu tun haben."

- "Die Informationstechnik von erschließt Lebensbereiche erschließt, die bisher für eine Kommerzialisierung uninteressant waren. Das ist keine Rückkehr der Commons, es ist ihr Ende."

- "Wenn die Dinge nichts mehr wert sind, ist Logistik alles."

Postwachstumsgesellschaft Bearbeiten

Auf den ersten Blick kann ein Zusammenhang zwischen Smart City und einer Postwachstumsgesellschaft gezogen werden. So umfasst eine Postwachstumsgesellschaft neben Ökonomie, eben auch Ökologie und Ökumene, sowie eine Smart City unter anderem und im besten Falle eine Smart Economy, Smart Environment und Smart People beinhalten. So kann leicht der Eindruck entstehen, das eine Smart City die konkrete physische Ausführung einer Postwachstumsgesellschaft sei. Jedoch muss hier differenziert werden, denn vielfach ist Smart City nicht mehr als ein Label, eine Marketingstrategie, die nichts anderes zum Ziel hat, als Städte konkurrenzfähig zu machen um wirtschaftliches Wachstum zu generieren, welches konträr zu Postwachstum steht.

Smart City ist ein Konzept das auf einem gewissen Konkurrenzprinzip der Städte beruht - es geht auch hier meist um ökonomisches Wachstum (siehe Rebound-Effekt) - ist also industriegesteuert. Wie kann das Modell der Postwachstumsgesellschaft/ökonomie dazu beitragen, dass es nicht nur um ein aufgesetztes Label und Konkurrenz der Städte geht sondern um ein wirklich nachhaltiges Konzept, das sowohl ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich zum Umdenken bewegt - weg von einer immer noch konsumorientierten Wachstumsgesellschaft, die den Klimawandel negativ beeinflusst. In diesem Sinne bieten viele als Teil von Smart City deklarierte Strategien und Konzepte nur oberflächlich einen Anknüpfungspunkt an eine Postwachstumsgesellschaft, während sie tatsächlich damit nur weiterhin einer Wachstumslogik unterliegen.

Cradle to Cradle Bearbeiten

Der perfekte Kreislauf ist die Vision und das Ziel von Michael Braungart. Der Chemiker entwickelte zusammen mit dem us-amerikanischen Architekten William McDonough im Jahr 2002 ein Konzept, um diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Cradle to cradle – von der Wiege in die Wiege – orientiert sich dabei an der Natur. Denn biologische Kreisläufe lassen keinen Abfall zurück.

Urban MetabolismBearbeiten

Unter "urban metabolism" werden Studien über Material- und Energieflüsse verstanden, die bei sozioökonomischen urbanen Aktivitäten, sowie regionalen und globalen biochemischen Prozessen entstehen. Dabei geht es um die Charakterisierung dieser Flüsse und deren Beziehung zwischen anthropologischen urbanen Aktivitäten und natürlichen Prozessen beziehungsweise Zyklen, die das Verhalten städtischer Produktion und städtischem Konsums definieren. In diesem Sinne ist "urban metabolism" multidisziplinär ausgelegt und hat das Ziel Einsicht in städtische "Verhaltensweisen" zu bieten, mit deren Hilfe effektive Vorschläge für eine menschlich und ökologisch verantwortliche Zukunft in physischer Form einer Smart City zu entwickeln (vgl. Fernández 2014). Eben diese Verbindung von Ökonomie, Ökologie und Ökumene ist es, was den inhaltichen Anknüpfungspunkt an ein Modell der Postwachstumsgesellschaft darstellt.

- Rebound-Effekt

- DIY

- Circular Economy/Kreislaufwirtschaft (David W. Pearce)

Historische ZukunftsvisionenBearbeiten

Im Zuge der Industrialisierung und der immer weiter chaotisch wachsenden Städte wurden seit dem 19. Jahrhundert umfassende Stadtentwürfe und -visionen erarbeitet, die versuchten, auf die räumliche Ordnung und gesellschaftliche Organisation der Stadt Einfluss zu nehmen, um bessere Lebensverhältnisse zu schaffen und eine bessere Welt zu kreieren. Zukunftsvisionen betrachten die Moderne ihrer Zeit, in welcher sie erstellt wurden und versuchen, gegenwärtige Probleme zu lösen sowie den technologischen Stand einzubeziehen. Die heutige Stadt wird durch die Geschichte verstanden, um die Stadt der Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten. Angesichts dessen kann die Betrachtung historischer Zukunftsvisionen einen Zugang zur Smart City bieten, um aktuelle Konzepte, Ideen und Entwicklungstendenzen zu verstehen.

BibliographieBearbeiten

Alisch, Monika (Hrsg.) – Sozial – Gesund – Nachhaltig, Vom Leitbild zu verträglichen Entscheidungen in der Stadt des 21. Jahrhunderts, 2001 bei Leske+Budrich, Opladen, S. 72/73

Schuster, Wolfgang - Nachhaltige Städte - Lebensräume der Zukunft. 2013 bei oeko, S. 15-16

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Street smart!: cities of the ancient world Runestone Press. Geography DeptLerner Pub Group, 01.10.1994 - 96 Seiten

The Desirable Future of Innovative Cities Voula MegaLAP Lambert Academic Publishing, 2011 - 128 Seiten 

From Intelligent to Smart Cities Mark Deakin, Husam Al WaerRoutledge, 2012 - 89 Seiten 

The Technopolis Phenomenon: Smart Cities, Fast Systems, Global Networks [1]David V. Gibson, George Kozmetsky, Raymond W. SmilorRowman & Littlefield, 01.01.1992 - 216 Seiten 

Future Cities: Designing Better, Smarter, More Sustainable and Secure Cities Joseph N. Pelton, Indu Bhushan SinghIntelligent Community Forum, 2009 - 138 Seiten 

Information Technology in Urban Places: A Theoretical Framework for the Development of IT Applied in the Space Renato Cesar Ferreira de SouzaLambert Academic Publishing, 2010 - 324 Seiten 

Serve City: Interaktiver Urbanismus Regina SonnabendDistributed Art Pub Incorporated, 2003 - 152 Seiten  

Donnelly, Ian Abott; Harrison, Colin: A Theory of Smart Cities, 2011, in Proceedings of the 55th Annual Meeting of the ISSS - 2011, Hull, UK, Proceedings of the 55th Annual Meeting of the ISSS, abgerufen am 10.06.2014 unter http://journals.isss.org/index.php/proceedings55th/article/view/1703

Sassen, Saskia: Urbanising Technology, in Burdett, Ricky et al: The electric age, 2012a

Sassen, Saskia: Talking back to your intelligent city, 2012b http://voices.mckinseyonsociety.com/talking-back-to-your-intelligent-city/

Arribas, Daniel, Kourtit, Karima, Nijkamp, Peter: Smart Cities in perspective. A comparative European study by means of self-organizing maps. In: Innovation. The European Journal of Social Science Research Vol. 25, No. 2 (Juni 2012). S. 229-246. Hartmann, Jens: Siemens errichtet spektakulären Glaspalast in London, in Die Welt, 19.09.2012, abzurufen unter http://www.welt.de/wirtschaft/article109339056/Siemens-errichtet-spektakulaeren-Glaspalast-in-London.html (Stand, 5.6.2014)

Jens Libbe: Difu-Berichte 2/2014 - Standpunkt: Smart City: Herausforderung für die Stadtentwicklung

Patrick Dax: futurezone.at - Der große "Smart City"-Schwindel

http://www.smartcity.tu-berlin.de/smart-city-definition-an-der-tu-berlin-smart-city-platform/

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