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Postwachstum/Ökonomie und Gesellschaft

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Definition Postwachstum: Postwachstumsökonomie, PostwachstumsgesellschaftBearbeiten

 

WachstumBearbeiten

Gemäß Wirtschaftslexikon bezeichnet der Begriff Wachstum eine allgemeine Zunahme der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Der am häufigsten zu deren Bemessung herangezogene Indikator ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP), somit ist eine Steigerung der inländischen Produktion, bzw. des im Inland erzielten Einkommens, begriffsprägend (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon). Allerdings wird nicht nur am Indikator des BIP selbst, sondern an der allgemeinen Orientierung am wirtschaftlichen Wachstum zunehmenst Kritik geübt.

"Am Wachstum scheiden sich die Geister. Politiker fordern mehr davon, Ökologen kritisieren es. Den einen gilt es als Garant für Wohlstand, Arbeitsplätze und überhaupt dafür, dass es der Gesellschaft gut geht. Die anderen sehen Wachstum als Problem, das dem Klima schadet, die Menschen zur Konsumsucht verführt und ihrem Leben die Ruhe und das Gleichgewicht nimmt. Aber was ist Wachstum eigentlich genau? Woraus besteht es? Sprechen Gegner und Befürworter überhaupt über das gleiche? Und gibt es Möglichkeiten zur Versöhnung? Oder ist die Idee vom grünen, nachhaltigen Wachstum in Wirklichkeit eine Illusion und ein Widerspruch in sich?" (vgl. http://enorm-magazin.de/wachstum-was-soll-das).

PostwachstumBearbeiten

Basierend auf einer Negation eines gesellschaftlichen Systems, in welchem sich Gesellschaft über wirtschaftliches Wachstum reproduziert und als ursächlich für den steigenden Verbrauch natürlicher Ressourcen identifiziert wird, wird unter einer Postwachstumsgesellschaft eine Gesellschaft verstanden, die sich mit einer schrumpfenden Wirtschaft (degrowth) beziehungsweise einer starken Reduktion des Verbrauchs natürlicher Ressourcen reproduizert (vgl. Blaschke 2012: 1).

Hierbei geht es nicht allein um eine Transformation einer auf Wachstum beruhenden Ökonomie hin zu einer Postwachstumsökonomie, vielmehr geht es um einen umfassenden strukturellen Wandel der Gesellschaft auch im Hinblick auf Ökologie, das heißt der Beziehungen zwischen Organismus und natürlicher/sozialer Umwelt, als auch Ökumene, den Beziehungen zwischen Menschen. Ökonomische Fragen des wirtschaftlichen Haushalts sind als in ökologische und ökumenische Fragen eingebunden zu verstehen, alle drei Elemente zusammen bilden den Oikos (vgl. Blaschke 2008).

Historischer Hintergrund

Seit 1992 erlebte die Welt eine Reihe von Finanz- und Wirtschaftskrisen: in Asien (1997/1998), in Argentinien 1998/2001, im März 2000 platzte die Blase der New Economy, und im September 2008 begann mit der Pleite von Lehmann Brothers die größte Finanz- und Wirtschaftskrise nach dem 2. Weltkrieg. Mit der verheerenden Staatsschuldenkrise, in der viele Länder Europas stecken, erreichte die Instabilität der Finanzmärkte einen neuen Höhepunkt. «Hilfspakete», Schutzschirme und Billigkredite der öffentlichen Hand in schwindelerregenden Milliardenhöhen sollen Großbanken und nun auch Staaten vor der Pleite retten. Die Deregulierung der Finanzmärkte erlaubte es den Finanzmarktakteuren, mit immer neuen Finanzmarktprodukten, die jeglicher Kontrolle und Aufsicht entzogen waren (und bis heute teilweise sind), Gewinne in traumhaften Höhen zu machen.

Doch die Zustände auf den Finanzmärkten und die verschiedenen Ökologie- und Sozialkrisen haben eine Renaissance der Kapitalismus-und Wachstumskritik hervorgerufen. Der Ruf nach einem anderen ökonomischen Paradigma wird laut, die Forderung nach neuen Wohlstandsmodellen undanderen Lebensstilen sind nicht nur Themen in gesellschaftlichen Nischen oder akademischen Kreisen. Es zeigt sich, dass die Fundamentalkritik am Produktions- und Konsummodell der Industriegesellschaft zunimmt und die Suche nach Alternativen wieder Konjunktur hat (vgl. Heinrich-Böll -Stiftung, S.22).

Konkurrenzprinzip als wesentlicher WachstumstreiberBearbeiten

Der Oberbegriff Postwachstum wird u.a. in verschiedenen antikapitalistischen Ansätzen um Solidarische Ökonomie, Commons, Kommunismus (u.a. Demirovic, Exner) diskutiert. So geht es vor allen um die Argumentation für eine Gesellschaft, deren Ziel nicht Wirtschaftswachstum ist. Maren Streibel glaubt, dass das Konkurrenzprinzip einen wesentlichen Wachstumstreiber darstellt. Die Idee ist verkürzt, dass Menschen innerhalb einer Postwachstumsgesellschaft nicht mehr über (ihr) Eigentum in einem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen (vgl. Streibel 2013).

"Der Konkurrenzvorteil der einen würde nicht mehr wachsen, wodurch ein Grund für Ausbeutung der anderen wegfiele. Ohne Konkurrenz fehlt eine Basis für Wachstumszwang und Umverteilung von unten nach oben.  Dies meint also eine Gesellschaft, in der die dichotomen Eigentumsverhältnisse von Besitzenden und Besitzlosen nicht diese Dichotomie durch Umverteilung von „unten nach oben“ wachsen lassen, sondern in der es diese Dichotomie erst gar nicht gibt".

(Streibel 2013)

Wegbereiter einer Postwachstumsökonomie- und GesellschaftBearbeiten

Der Club of Rome - 'The Limits to Growth' ('Die Grenzen des Wachstums')Bearbeiten

Der Club of Rome ist eine weltweite Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik. Er wurde 1968 von dem FIAT-Manager Aurelio Peccei und dem OECD-Generaldirektor Alexander King in Rom ins Leben gerufen, mit dem Ziel, sich für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft der Menschheit einzusetzen (http://www.clubofrome.de/). Die Studie 'The Limits to Growth' ('Die Grenzen des Wachstums') des Club of Rome wurde nach ihrem Erscheinen im Jahr 1972 zu einem Inbegriff der Zeitenwende. Sie stellte das Grundprinzip der amerikanischen Wirtschaftsideologie - den Kapitalismus mit seinem unstillbaren Streben nach Wachstum - in Frage. »Die absoluten Wachstumsgrenzen der Erde werden im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht, wenn es der Menschheit nicht gelingt, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren«, lautete seine zentrale These.

Durch den Wertewandel der Achtundsechziger wurde zunehmend über die Umwelt nachgedacht, und auch Nachrichten über durch enormes Bevölkerungswachstum ausgelöste Hungersnöte in der Dritten Welt verstärkten dies. So war die These für viele Menschen plausibel, nicht zuletzt auch durch die Ölkrise 1973. Der „Club of Rome“ bekam den Friedenspreis des deutschen Buchhandels für seinen in Auftrag gegebenen Bericht und der Gedanke von Wirtschaftswachstum als Gefahr wurde populärer.

In Deutschland gilt „Die Grenzen des Wachstums“ als  Beginn der Umweltbewegung und Gründungsmoment der Grünen (vgl. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/grenzen-des-wachstums-die-logik-des-immer-mehr-11671105.html).

Auf Kritik stieß der Club of Rome unter anderem für durch Einsparungen entstandene drastische Vereinfachungen in der Datenaufbereitung bei der Durchführung des Projekts, durch welche eine Negierung von Aussagekraft eingeräumt wurde. Dieses sollte zuerst von dem Ökonomen und Zukunftsforscher Hasan Ozbekhan ausgeführt werden, wurde dann jedoch an das Team von Dennis Meadows vom Massachusetts Institute of Technology zu vergeben. Dennoch blieb der gewaltige Anstieg der Ressourcenpreise innerhalb der Ölkrise in der gesellschaftlichen Wahrnehmung ein schwerwiegender Indikator für die Richtigkeit der Prognose (vgl. http://www.zeit.de/2012/48/Die-Grenzen-des-Wachstums-Wirtschaft-Prognosen).

Am 7. Mai 2012 veröffentlichte der Club of Rome auf der WWF-Jahreskonferenz in Rotterdam seinen Bericht 2052 – A Global Forecast for the Next Forty Years ("2052 - Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre"). Darin trifft Club of Rome Mitglied Jorgen Randers zusammen mit weiteren Autoren ein düsteres Bild der Zukunft im Jahr 2052.

Kolleg Postwachstumsgesellschaften der Friedrich-Schiller-Universität JenaBearbeiten

[Postwachstumsgesellschaften Friedfrich Schiller Universität Jena]
"Wie wollen wir leben? - Eine andere Welt denken und handeln..." - Prof. Klaus Doerre u.a. (4 7)13:05

"Wie wollen wir leben? - Eine andere Welt denken und handeln..." - Prof. Klaus Doerre u.a. (4 7)


Die DFG-KollegforscherInnengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. Dynamik und (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“–kurz: „Kolleg Postwachstumsgesellschaften“–setzt an der soziologischen Diagnose multipler gesellschaftlicher Umbruchs-und Krisenphänomene an,die in ihrer Gesamtheit das überkommene Wachstumsregime moderner Gesellschaften in Frage stellen.

Dabei wird differenziert zwischen Wachstum oder Beschleunigung zur Status-quo-Veränderung, im Gegensatz zu Wachstum und Beschleunigung zur Status-quo-Erhaltung. Während sich ersteres als notwendig und wünschenswert erweist, ist letzterers als Systemfehler anzusehen. Betont wird, dass der verwendete Plural Postwachstumsgesellschaften darauf verweist, dass verschiedene gesellschaftliche Formationen denkbar sind, sofern sie nicht weiterhin eine Form der Stabilisierung darstellen, die auf stetiges Wachstum angewiesen ist (vgl. Rosa 2013).    

Working Papers:

http://www.kolleg-postwachstum.de/Ver%C3%B6ffentlichungen/Working+Papers.html


Maria Markantonatou (05/2013): From The Limits of Growth to Degrowth

Exzerpt: "Das Working Paper diskutiert zwei Diskurse der Wachstumskritik, die jeweils während
der Krise des Keynesianischen Wachstumsmodells in den 1970ern und während der gegenwärtigen Wirtschaftskrise entstanden sind. Es analysiert,wie diese Diskurse im Kontext der Krise mit Fragen von Arbeit, Bevölkerung und Gesellschaft umgehen. Dafür betrachtet das Papier die Debatten, die sich um die Veröffentlichung von The Limits to Growth (Grenzen des Wachstums, Meadows et al. 1974) entwickelten sowie um verschiedene Veröffentlichungen von Autoren, die sich der ‚degrowth‘- Perspektive verpflichtet fühlen, die in der gegenwärtigen Krise an Bedeutung gewonnen hat. Die Autorin argumentiert, dass diese Debatten die soziologisch relevanten Fragen von Arbeit, Bevölkerung und Gesellschaft, die in den Wachstumskritiken verhandelt werden, herunterspielen. Das Working Paper konstatiert eine neuerliche Wiederbelebung Malthusianischer Argumente, diskutiert spezifische Vorschläge der Befürworter beider Diskurse durch Foucaults Perspektive des biopolitischen Bevölkerungsmanagements und zeigt die Nähe dieser Vorschläge zur breiteren Agenda des ‚Good Governance‘. Das Papier diskutiert weiterhin, warum diese Diskurse der Wachstumskritik in Krisenzeiten an Bedeutung gewinnen und warum sie mehr oder weniger kompatibel waren mit den Transformationen, die in diesen Krisen vorangetrieben wurden."

Essays:

http://www.kolleg-postwachstum.de/Ver%C3%B6ffentlichungen/Essays.html

Dr. Elisabeth von Thadden:  Auf Neuem Terrain - Wie lassen sich die ökologischen Akteure des Übergangs beschreiben?

siehe auch ANT

Interviews:

http://www.kolleg-postwachstum.de/Ver%C3%B6ffentlichungen/Interviews.html


Serge Latouche - Degrowth / WachstumsrücknahmeBearbeiten

Serge Latouche gilt mit der Begriffsprägung "décroissance" als Begründer der zivilgesellschaftlichen "degrowth" Bewegung. Gemeint ist eine Produktions- und Komsumverringerung, folglich auch des Bruttoinlandsproduktes, um damit eine Steigerung sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und generellem Wohlbefinden zu erreichen.

Es wird auch von "Gesundschrumpfen" der Wirtschaft gesprochen, Bezug nehmend auf ein Leben der Menschen über ihre Verhältnisse und eine Überstrapazierung ökologischer Systeme. Dieser Wachstumsrückgang ist vor allem deshalb unbedingt notwendig, da die Ökosysteme und natürliche Ressourcen nur begrenzt belastbar sind. Entgegen der weitläufigen Meinung von einer gefühlten Einschränkung, soll hierdurch noch das Wohlbefinden der Menschen durch eine Entfernung vom materiellen Überfluss gesteigert werden, da überflüssige Aufgaben und Arbeitstress wegfallen würden.

Eingebettet ist die Degrowth- Debatte in einem wirtschaftskritischen Diskurs, welchem die These zugrunde liegt, dass  Wachstum weder ein Lösungsweg für soziale, noch für ökologische Probleme ist, sondern in Gegenteil selbst als Problem anzusehen ist. Alleinige Steigerung von Ressorcen- und Energieeffizienz seien wegen der Rebound-Effekte nicht ausreichend. Neben der Kritik an neoliberaler Ökonomie, nimmt die Degrowth-Bewegung damit auch eine kritische Haltung gegenüber nachhaltiger Entwicklung ein, da jede Form von Wachstum die Aufrechterhaltung des Status Quo legitimiere. Dies ist durch die Unvereinbarkeit von Bruttoinlandsproduktwachstum und Renaturierung auf einem nachhaltigem Niveau begründet.

Beginn der Debatte war die erste internationale Konferenz in Paris im Jahr 2008, welche den Begriff "degrowth" wesentlich prägte. Besonders in Frankreich, Spanien ("decrecimiento"), Italien ("decrescita") und in Deutschland unter dem Begriff "Postwachstum" ist die Bewegung sehr aktiv. Eine teilweise Institutionalisierung erfährt die Bewegung durch akademische Vereinigungen, welche sich forscherisch mit dem Thema Degrowth beschäftigt.

Ein weiterer von Latouch geprägter Begriff ist die Wachstumsrücknahme. Wachstumsrücknahme im Süden setzt voraus, dass wir versuchen, einen "Circulus virtuosus" in Gang zu setzen. Er lässt sich mit acht Begriffen kennzeichnen: neu bewerten, umdenken, umstrukturieren, lokalisieren, umverteilen, reduzieren, wiederverwenden, recyceln. Ist dieser "tugendhafte Kreislauf" erst einmal in Gang gebracht, ist es möglich, die wirtschaftliche und kulturelle Abhängigkeit des Südens vom Norden zu beenden und an eine historische Entwicklung anzuknüpfen, die durch Kolonisation, Entwicklung und Globalisierung unterbrochen wurde. Es gilt, eine eigenständige kulturelle Identität herauszubilden, in Vergessenheit geratene landesspezifische Produkte, wieder einzuführen und die entsprechenden "antiökonomischen" Werte zu pflegen sowie die traditionellen Techniken und Fertigkeiten neu zu entwickeln. Damit entwickelt Latouche ein wachstumskritischen Erklärungs- und Lösungsansatz der Entgegenwirkung von globaler sozialer Ungleichheit (vgl. Minuswachstum: Die falsche Kritik der Alternativökonomen).

Niko Paech - Befreiung vom ÜberflussBearbeiten

"Befreiung vom Überfluss", Teil 1 Vortrag Niko Paech-241:45

"Befreiung vom Überfluss", Teil 1 Vortrag Niko Paech-2

Niko Paech befindet die gesellschaftliche Debatte um Freiheit, wahrgenommen als Wohlbefinden und materiellem Wohlstand für eine "Gespenster Debatte". Er fordert ein neues Kulturmodell, ohne welches eine Zukunft nicht mehr möglich sei. Dieses basiert auf einer Reduktion an materieller Selbstverwirklichung, wobei Reduktion eben nicht mit Verzicht gleich zu setzen sei. Diese Reduktion solle einzig und allein zum Selbstschutz erfolgen, eine reduktive Moderne geschaffen werden, "by design or by desaster".

Paech führt aus, dass eine weitere Steigerung des BIP nichts bringt, da die Vermögensungleichheit dennoch weiter zugenommen hat. In Verbindung damit führt er aus, dass die Anzahl an Burn-Out-Patienten, die Einnahme von Anti-Depressiva und das Vorkommen von ADHS sich verdoppelt haben. Förderungstendenzen hierfür seien in strukturellen Prozessen wie dem Preisdumping und der ununterbrochenen Verfügbarkeit des Menschen, sowie im Massenkonsum generell, zu sehen. Arme sind hierbei die Verlierer des Strukturwandels.

Versuche wie die unbeherrschbare Finanzkrise durch Subventionen zu beheben, haben nur zu einer Verschuldung der "europäischen Wachstumsmaschine" geführt.

Paech betont, dass technischer Fortschritt beziehungsweise Innovation nicht mit grünem Wachstum gleich zu setzen sei. Immer noch sind die CO2 Emissionswerte je Person zu hoch, die derzeitigen 11t/Person müsste auf 2,7t/Person reduziert werden, um die Schädigung der Ökosphere einzugrenzen. So stellt er die Energiewende gegen eine Zerstörung von Landschaften. Es besteht demnach eine Notwendigkeit an neuen erneuerbaren Energien, wobei Energie nicht nur aus Elektrizität besteht. In Deutschland beträgt der Prozentsatz an erneuerbaren Energien derzeit bei 11%, Braun/ Steinkohle seien jedoch immer noch steigend.Das Credo Grünes Wachstum stellt sich für Paech nur als Mythos dar, denn tatsächlich verursacht die Produktion neuer Produkte ökologische Schäden/Spuren. Eine BIP Steigerung bedeutet Einkommensteigerung, die wiederum eine Steigerung der Kaufkraft und somit mehr Produktion bedeutet (so z.B. Smartphones, Flachbildschirme, Autos usw.). Dabei rechnet er bei 1€ zirka 5Kilo CO2 auf.Strategien der De-Industrialisierung und De-Globalisierung gelten als anti-modern und unfortschrittlich, obwohl eine Reduktion von materiellem Wohlstand suffizient wäre. Paech schlägt daher neue Versorgungsmuster vor:

(
Screenshot 2014-06-09 21.38.03.png
34:58)











Er plädiert hiermit für einen Abschied von der 40h Woche, für dasSchaffen einer Balance und das Wahrnehmen von Zeit als Ressource. Vernetzung als soziales Kapital, Entmonetarisierte Tauschvorgänge und Gemeinschaftsnutzungsprojekte können fruchtbare Lösungsansätze darstellen, um ein neues Wohlstandsmodell herzustellen, bei welchem weniger Menschen aus dem Raster fallen, weniger Anti-Depressiva benötigt und eine echte Freiheit entstehen würde (urbane Subsitenz).

Stadtkonzepte in der Postwachstumsgesellschaft Bearbeiten

Transition Town

Transition-Town- Initiativen (zu deutsch: "Stadt im Übergang") gehen von der Beobachtung aus, dass die nationale und internationale Politik nicht entsprechend auf die Herausforderungen des Klimawandels und des bevorstehenden globalen Ölfördermaximums (Peak Oil) reagiert. Daher müssen die Kommunen von sich aus mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren, und zwar mittels Transition Towns als Gemeinschaftsprojekten. Hierzu gehören u. a. Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion von fossilen Energieträgern sowie zur Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Gestaltungsprinzipien des Permakultur-Konzepts, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen ähnlich effizient und resilient zu funktionieren wie natürliche Ökosysteme (vgl. Brangwyn/ Hopkins 2008).

Was ist Transition? (engl. OmdU)-008:17

Was ist Transition? (engl. OmdU)-0

Der Transition-Town-Ansatz ist explizit wachstumskritisch, aber gerade eines seiner Prinzipien lautet sogar, dass es keine festen Antworten von Transition Town für Gesellschaftsprobleme gibt.

Dieser Ansatz passt gut in das Konzept der Smart City, auf einer hohen partizipativen aber eher informellen Ebene - Die Idee von Transition-Town ist im Grunde eine Weiterentwicklung des Permakultur-Konzepts. "Permakultur ist das Schaffen von kleinen Paradiesen hier auf der Erde" - so die kompakte Definition des Australiers Bill Mollison, der zusammen mit David Holmgren als Begründer der Permakultur (von Permanente Agrikultur ) gilt. Es geht vorrangig um die Rückbesinnung auf lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe und den Umgang mit dem Klimawandel. Wenn man sich die [Kategorien] des "Smart City" Konzepts anschaut, so findet man hier ganz ähnliche Ansätze wieder, allerdings setzt die Smart City ausgehend von diesen Kategorien immer noch auf Produktivität. Zu hinterfragen ist auch, ob sich "Green-Energy/ Buildings/ Urban Planning" tatsächlich auf Ressourcen schonende Kreisläufe beziehen oder nur als weiteres Label fungieren. Die Transition Town Idee ist zum einen ein Weg ein Smart City Konzept "Bottom Up" anzugehen ohne lediglich ein Marketingsubjekt für eine Stadt darzustellen und zum anderen nicht nur technische Innovation zu forcieren.

Transition Town als ein Weg in die Postwachstumsgesellschaft

Masterarbeit zum Thema Stadt der Postwachstumsgesellschaft

siehe auch: Gartenstädte Historische Zukunftsvisionen / Utopie und gebaute Stadt, Smart Growth/New Urbanism (Nachbarschaft), Partizipation und Commons


Weiterführende Fragen/ AnmerkungenBearbeiten

"Was in den grundsätzlichen Debatten um das Wachstum übersehen wird, ist, dass es die entwickelten Volkswirtschaften trotz aller Bemühungen ohnehin kaum noch schaffen, dauerhaft mittlere oder gar große Wachstumsraten zu erzielen. Sowohl deshalb als auch aufgrund der zwiespältigen Ökobilanz des klassischen Wirtschaftswachstums (...) versuchen verschiedene Organisation schon seit einiger Zeit, neue Kennzahlen zu etablieren, die besser als das Bruttoinlandsprodukt in der Lage sind, Fortschritt, Wohlstand und Lebensqualität von Gesellschaften zu messen. Zu ihnen gehören zum Beispiel der Better Life Index der OECD, der Human Development Index der Vereinten Nationen und der Happy-Planet-Index. Auch der deutsche Bundestag hat zu diesem Zweck eine eigene Enquete-Kommission eingerichtet, die im Frühjahr 2013 ihren Schlussbericht vorgelegt hat.

In ihnen wird nicht mehr allein das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gemessen, sondern auch die Entwicklung von Indikatoren wie Gesundheit, subjektives Wohlbefinden, Luftverschmutzung, Lebenserwartung und viele andere. Damit wird die Debatte erst richtig kompliziert, denn jeder Index erfasst unterschiedliche Faktoren und gewichtet sie in einem eigenen Verhältnis. Andererseits wird die Debatte um das Wachstum so aber auch auf die nächste Stufe gehoben. Denn mit der Diskussion über solche Modelle und die komplexen gesellschaftlichen Zusammenhänge, die ihnen zu Grunde liegen, müssen wir die einzelnen Bestandteile von Wirtschaftswachstum und gesellschaftlicher Entwicklung differenziert betrachten. Damit ebbt zwar das Wachstums selbst nicht ab, womöglich aber der Streit um einen sehr aufgeladenen Begriff." (http://enorm-magazin.de/wachstum-was-soll-das)

Sollte eine Smart City, betrachten wir die Argumente von Niko Paech, nicht eher auf Partizipation und Solidarität beruhen und nicht weiter in Richtung Wirtschaftswachstum gehen? Geht es nicht eher um Lebensqualität für Alle und nicht nur für diejenigen, denen es sowieso zumindest wirtschaftlich gut geht. Müssen wir nicht alle versuchen weniger neu produzierte Luxusgüter zu konsumieren und den Anspruch alles zu jederzeit zur Verfügung zu haben überdenken?

Case Study BerlinBearbeiten

Transition Town Berlin-KreuzbergBearbeiten

Kiezwandler

"In Berlin gibt es bereits seit dem Spätsommer 2008 eine Gruppe von Menschen die sich in ihrem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bzw. in den Kiezen rund um den Görlitzer Park in Kreuzberg SO36 für eine nachhaltige und resiliente Lebensweise und Kiezkultur stark macht. Resilienz bedeutet dabei so viel wie die Widerstandsfähigkeit einer lokalen Gesellschaft gegenüber externen Störungen, so wie z.B. dem Klimawandel bzw. einem möglichen Versorgungsdefizit ausgelöst durch den Erdölmangel.

Man trifft sich wöchentlich, lernt die Nachbarn aus dem eigenen Kiez kennen, entwickelt gemeinsam positive Visionen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, vernetzt sich mit bereits vorhandenen Initiativen, richtet Veranstaltungen aus, startet kleine und große Projekte, isst und feiert zusammen. So entsteht also ein farbenfrohes Puzzle, zu dem jeder sein Teil beitragen kann. Gemeinschaftlich – wir sitzen alle in einem Boot und darum geht es, denn auch lokale Unternehmen und die lokale Politik sollen miteinbezogen werden - entsteht so ein EnergieWende-AktionsPlan, also ein alternativer Stadtentwicklungsplan "von unten" bei dem der Klimawandel und das Peak Oil-Problem nie aus den Augen verloren gehen."

Smartes Wohnen: Van Bo Le-Mentzel, HartzIV-Möbel - Kontruieren statt konsumieren:Bearbeiten

Handwerk und Möbel für Alle - Arte Metropolis vom 23.04.2011-006:18

Handwerk und Möbel für Alle - Arte Metropolis vom 23.04.2011-0

Der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel veröffentlicht Baupläne unter einer Creative Commons Lizenz, mit der jeder seine eigenen Möbel und sogar ein 1qm Haus günstig selbst bauen kann. Die Philosophie dahinter: "Konstruieren statt Konsumieren", sowie das Aufstellen von Möbeln bzw. dem eigenen Haus wo immer gewollt.


Inspirationsquellen für sein Konzept ist u.a. das Bauhaus und die niederländische Künstlergruppe De Stijl. Ein Paradebeispiel aus der Serie der HartzIV-Möbel ist der 24 Euro Sessel:

Smartes Bauen: 100% Postwachstum auf dem Tempelhofer FeldBearbeiten

Jüngstes Beispiel für den Postwachstumsgedanken ist der Volksentscheid THF 100% bzw. der darin enthaltene Zusammenhang von Wohnungsneubau und von Sanierung alten Baubestands und damit ökologischer Handelungsweise, so die Meinung von Daniel Fuhrhop:

"Wir brauchen auch beim Bauen kein Wachstum mehr. Das ist die Botschaft des Slogans „Verbietet das Bauen“: Neubau ist nicht mehr zeitgemäß und löst nicht unsere Probleme, sondern schafft neue.

Dies mag vielen heute noch zu radikal erscheinen, weil jahrzehntelang von allen Parteien Bauen als Dogma vertreten wurde, ganz so wie die dogmatische Beschwörung des Wachstums. Doch bei genauer Betrachtung spricht vieles gegen Neubau: Er ist unökonomisch, weil häufig aus Prestigegründen neue Projekte propagiert und schöngerechnet werden, anstatt kostengünstig die vorhandenen Häuser zu nutzen und sie zu sanieren. Neubau ist unsozial, denn er ist teuer und verteuert durch sein Mietniveau benachbarte Altbauten gleich mit. Schließlich aber ist Neubau unökologisch, sogar bei scheinbar ökologischen „Null-Energie-Häusern“: Selbst die müssen erstmal gebaut werden, und dafür ist selbstverständlich Energie nötig"  (vgl. http://blog.postwachstum.de/100-postwachstum-auf-dem-tempelhofer-feld-20140521)

Weitere Praxisbeispiele

Car/Bike Sharing: http://de.smartcityberlin.wikia.com/wiki/Akteur-Netzwerk-Theorie_//_Technologie_und_Internet

BibliographieBearbeiten

  • Blaschke, Ronald (2008): Oikos und Grundeinkommen. Ansprüche an Transformation und Emanzipation, in: Biedenkopf, Kurt/ Dahrendorf, Ralf/ Fromm, Erich (Hg.): Klimawandel und Grundeinkommen. Die nicht zufällige Gleichzeitigkeit beider Themen und ein sozialökologisches Experiment. München, S. 105 - 118.

  • Blascke, Ronald (2012): In welcher Beziehung steht das bedingungslose Grundeinkommen zur Postwachstumsgesellschaft?. Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg.

  • Brangwyn, Ben/ Hopkins, Rob (2008): Transitions Initiativen - Ein Leitfaden. URL: http://api.ning.com/files/kwH2JyLKYfajKd5*QD-F1DQ6R**nAT14yrVbj52tlX1DzUgwU822IMpfovkHr0ECbEqy-6NaG*UiG-h1a2CxjxacmrF4msic/TransitionInitiativenLeitfadenPrimerV1_4Juni2011.pdf.

  • Braunmühl, Claudia von (2011):Demokratische Wege in die Postwachstumsgesellschaft, Standpunkte 17/2011, Rosa Luxemburg Stiftung.

  • Ferrao, Paulo/ Fernandez, John E (2013).: Sustainable Urban Metabolism. Mit Pr; Auflage 1.

  • Latouche, Serge (2004): "Minuswachstum: Die falsche Kritik der Alternativökonomen", Le Monde Diplomatique, deutsche Ausgabe.

  • Meadows, Dennis (1972): Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.

  • Nektarios Chrysoulakis (Hg.), Eduardo Castro (Hg.), Eddy Moors (Hg.) (2014): Understanding Urban Metabolism. Routledge Chapman & Hall.
  • Nüsslein-Volhard, Christiane (Hg.) (2008): Wachstum – Eskalation, Steuerung und Grenzen, Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturschaft und Ärzte (125. Versammlung, 2008).

  • Oltmans, Willem L. (1974) : Die Grenzen des Wachstums - Pro und Contra. Rowohlt Taschenbuchverlag.
  • Paech, Niko: Befreiung vom Überfluss (2012): Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. oekom verlag.
  • Springer Gabler Verlag (Hg.): Gabler Wirtschaftslexikon. Stichwort: Wachstum. URL:
    http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54614/wachstum-v7.html.
  • Streibel, Maren (2013): Transition Town als ein Weg in die Postwachstumsgesellschaft. URL: http://blog.postwachstum.de/postwachstum-und-transition-town-20131007.
  • Unmüßig, Barbara/ Sachs, Wlfgang/ Fatheuer, Thomas (2012): Kritik der grünen Ökonomie -Impulse für eine sozial und ökologisch gerechte Zukunft, in: Böll.Thema 22/2012.
  • Van DIeren, Wouter (1995): Mit der Natur rechnen. Der neue Club-of-Rome-Bericht: vom Bruttosozialprodukt zum Ökosozialprodukt. Birkhäuser Verlag, Basel.


weiterführende Links:Bearbeiten

Forschungseinrichtungen:

http://kolleg-postwachstum.de/

http://www.urbanmetabolism.org/

Artikel:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/oekonomie-und-oekologie-gruenes-wachstum-gibt-es-nicht-1.1865075

http://enorm-magazin.de/wachstum-was-soll-das

http://www.zeit.de/2012/49/Wachstumskritiker-Oekonom-Niko-Paech

http://www.deutschlandfunk.de/postwachstumsgesellschaften-schwerpunktthema-soziologen-auf.1148.de.html?dram:article_id=270393

http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/degrowth_1849.htm

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/grenzen-des-wachstums-die-logik-des-immer-mehr-11671105.html

http://www.zeit.de/2012/48/Die-Grenzen-des-Wachstums-Wirtschaft-Prognosen

Blogs/Webseiten:

http://www.zwischennutzungsagentur.de/front_content.php?idcat=93

http://blog.postwachstum.de/

http://www.clubofrome.de/

Videos:

"Befreiung vom Überfluss", Teil 1: Vortrag Niko Paech

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