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Der Klimawandel  und die Grenzen des Wachstums sind Themen, die die Menschheit heute herausfordern und zu einem radikalen Umdenken zwingen. Dabei spielen Städte eine herausragende Rolle: einerseits verstärken sie den Klimawandel im besonderen Maße, andererseits sind sie Motor von Innovationen und entscheidend für den nötigen Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung, also einer Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Bedürfnisse späterer Generationen zu gefährden.

Seit den 1990er Jahren bestimmt Nachhaltige Entwicklung den Stadtentwicklungsdiskurs. Auf zahlreichen Konferenzen (z.B. Rio-Konferenz 1992) wurden verbindliche und unverbindliche Ziele definiert und Abkommen unterzeichnet. Viel neuer hingegen ist die Idee der Smart City, für die es aber noch keine klare Definition gibt und die daher unter einer problematischen Schwammigkeit leidet.

Alberto Vanolo bezeichnet Nachhaltigkeit als ein Leitmotiv der Smart City (Vgl. Vanolo, 2013, S.3). Für ein ausgeprägtes Verständnis der Smart City erscheint es folglich sinnvoll, einen Blick in die Entwicklung des Nachhaltigkeitsdiskurses zu werfen, zu fragen, welche Akteure hinter diesen Entwicklung stehen und welche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zur Idee der Smart City bestehen.

Nachhaltigkeit und Nachhaltige StadtBearbeiten

Begriffsgenese, Akteure, MaßnahmenBearbeiten

Seit dem 19. Jahrhundert, mit dem Einsetzen der  Industrialisierung  und Modernisierung , gibt es ausgeprägte Debatten über die Beziehung des Menschen gegenüber seiner Umwelt und der Natur. Seit dem beschäftigen sich Wissenschaftler und Schriftsteller mit der Bedeutung und Umdeutung des natürlichen Raumes. So gibt es bereits im 19. Jahrhundert Schriftsteller wie Ralph Waldo Emerson  („Nature“) und Henry David Thoreau  („Walden“, „Life in the Woods“), die unser heutiges Verständnis von Nachhaltigkeit grundlegend prägen und sich schon damals, wie etwa George Perkins Marsh („Man and Nature“, „Physical Geography as modified by Human Action“), für einen besseren Umgang mit natürlichen Ressourcen einsetzen. Mit der fortschreitenden Industrialisierung der Städte entstehen auch stadtbezogene Konzepte, wie jene von Ebenezer Howard oder Patrick Geddes , die einen städteplanerischen Bezug von Natur und Stadt formulieren.

Der Begriff Nachhaltigkeit wurde 1713 erstmals von Hans Carl von Carlowitz im Zusammenhang mit einer drohenden Rohstoffkrise verwendet. In seinem Werk "Sylvicultura oeconomica" formulierte er den Grundsatz, dass nur soviel Holz gefällt werden dürfe, wie auch wieder nachwachsen könne.[1]

Grundstein für den gegenwärtigen Diskurs über Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung bildet aber die Definition des Brundtland-Berichtsder Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen von 1987. Diese besagt, dass Nachhaltige Entwicklung eine Entwicklung sei, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedige, ohne die Bedürfnisse späterer Generationen zu gefährden.[2]

Auf der fünf Jahre späteren UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (Rio-Konferenz 1992) wurde Nachhaltige Entwicklung als internationales Leitbild beschlossen und in der Agenda 21 konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Aus der Rio-Konferenz ergab sich eine Vielzahl von Folgekonferenzen und Abkommen.

Die Aalborg Charta, die 1994 bei der Europäischen Konferenz über zukunftsbeständige Städte und Gemeinden verabschiedet wurde, thematisiert die für Nachhaltige Entwicklung wichtige Rolle der Kommunen und Städte und kann als Konkretisierung einer lokalen Agenda 21 gesehen werden. Rund 3000 lokale und regionale Verwaltungen aus mehr als 40 Ländern haben diese seitdem unterzeichnet und möchten auf lokaler Ebene die Leitlinien der Agenda 21 umsetzen. Zehn Jahre später fand die Europäischen Konferenz über zukunftsbeständige Städte und Gemeinden erneut in Aalborg statt und brachte die Aalborg Commitments hervor. Diese entstanden mit dem Ziel, ein Rahmenwerkzeug zu entwickeln, mit dem Nachhaltigkeit auf lokaler und kommunaler Ebene implementiert werden könne.[3]

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wurde 2007 die „ LEIPZIG CHARTA zur nachhaltigen, europäischen Stadt" verabschiedet. Sie formuliert einen Wechsel in der Stadtentwicklungspolitik hin zu einer integrierten Stadtentwicklung und besagt unter anderem, dass „alle Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung gleichzeitig und gleichgewichtig zu berücksichtigen (sind). Hierzu zählen wirtschaftliche Prosperität, sozialer Ausgleich und gesunde Umwelt“[4]. Sie greift damit das

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Drei Säulen der Nachhaltigkeit: Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und sozialer Fortschritt Quelle: arte.tv

Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit[1] auf, welches drei Dimensionen von Nachhaltigkeit, die ökologische, ökonomische und soziale Dimension, beschreibt.

Auf nationaler Ebene wurde 2001 der Rat der Nachhaltigkeit einberufen. Der aus 15 Personen des öffentlichen Lebens bestehende Rat berät die Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit und hilft bei der Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Außerdem soll er das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit stärken.[5]

Im Rahmen des 2010 von der EU gegründeten  Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) entstand die Initiative Climate KIC. Ziel von Climate KIC ist es, private, öffentliche und akademische  Akteure zusammenzubringen, um Technologien gegen den Klimawandel und dessen Effekte zu entwickeln und Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu fördern. (Vgl. http://www.climate-kic.org/about/, abgerufen am 13.06.2014)

Gegenwärtig soll durch das EU-Programm Horizon 2020  Nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Horizon 2020 ist ein mit knapp 80 Billionen Euro gefördertes EU- Programm, das zwischen 2014 und 2020 Forschung und Innovation in der EU fördern soll. Das Ziel soll sein, die EU auf globaler Ebene wettbewerbsfähiger zu machen und die Ziele der europäischen Wachstumstrategie, also smarter, nachhaltiger und integrativer Wachstum, zu erreichen (Vgl. http://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/en/what-horizon-2020, abgerufen am 13.06.2014).

Nachhaltige Stadt & Stadtentwicklung

Das Konzept der Nachhaltigen Stadt basiert vor allem auf einer ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Betrachtungsweise. Ziele einer nachhaltigen Stadt bzw. Stadtentwicklung und Stadtpolitik können dabei sein: nachhaltige Nutzung erneuerbarer Ressourcen und minimale Nutzung nicht-erneuerbarer Ressourcen (ökologische Dimension); Betonung einer regionalen Kreislaufwirtschaft, minimale Transportintensität und z.B. eine Innovationspolitik mit dem Fokus auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise (ökonomische Dimension); multikulturelles Zusammenleben, Mitverantwortung und demokratische Partizipation der Bevölkerung (sozio-kulturelle Dimension). Darüber hinaus existieren Themen, die diese drei Dimensionen umfassen, so z.B. das begrenzte Wachstum von Städten.[6]

Grundsätzlich ist zu hinterfragen, ob dieses 3-Säulen-Modell tatsächlich ausreicht, um Nachhaltigkeit zu fassen, oder ob dieses nicht erweitert werden sollte. Schuster sieht eine Kultur der Nachhaltigkeit als essentiell, um politische Maßnahmen erfolgreich und langfristig zu implementieren. So soll eine Gesellschaft entstehen, deren Werte und Handeln von Nachhaltigkeit geprägt sind.[8]

Eine Maßnahme hin zu einer Kultur der Nachhaltigkeit ist z.B. die Bildungsoffensive Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die im Rahmen des Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg (2002) der Vereinten Nationen als Dekadeprojekt ausgerufen wurde.

In der Debatte um Nachhaltigkeit und Nachhaltige Stadt fand in den letzten Jahrzehnten durch Gesellschaft, Wirtschaft, Forschung und Politik eine Betonung zahlreicher Themengebiete statt, so z.B.:

- Öffentliche und private Transports- und Verkehrsinfrastruktur: z.B. Ausbau öffentlicher Bus- und Bahnnetze, Fahrradwege oder Elektromobilität in der Automobilindustrie

- Ökologisches und nachhaltiges Bauen von Gebäuden: z.B. Energetische Sanierung von Wohnhäusern

- Produktion und Konsum von Energie: z.B. Wechsel hinzu sauberer und dezentral organisierter Energieversorgung, Ausbau erneuerbarer Energien mit Hilfe des Energieeinspargesetz (EnEG) bzw. der Energieeinsparverordnung (ENEV) durch die Förderung von Wind-, Solar-, Bioenergie und Brennstoffzelle

- Soziale Gerechtigkeit und Solidarität: z.B. Berücksichtigung marginalisierter Gruppen und vernachlässigter Strukturen wie urbaner Randgebiete und Kleinstädte

- Öffentliche Beteiligung: z.B. die zunehmende Beteiligung von Bürgern an öffentlichen Entscheidungsprozesse, sowohl über Wahlen, als auch durch Eigeninitiative (Proteste, Bürgerbewegungen, etc.)

- Regeneration versus Wachstum: z.B. nachhaltige Stadtentwicklung als Erneuerung bestehender Strukturen oder die Ausschöpfung ungenutzter Potentiale gegenüber der einer weiteren Expansion von Stadt (Smart Growth/New Urbanism)

- Institutionen, Rechte und Pflichten: z.B. Dezentralisierung bestehender Strukturen und die zunehmende Zusammenarbeit von öffentlichen, privaten, zivilen, und freiwilligen Institutionen

- Ökologische Integrität: z.B. Bewusstsein für die Bedeutung von Ökosystemen zur Erhaltung der menschlichen Lebensgrundlage, auch Ökosystemgesundheit

- Biodiversität : z.B. Schutz von Arten und Ökosystemen, auch im städtischen Kontext

- Wettbewerb und Attraktivität nachhaltiger Städte: z.B. Nachhaltigkeitsindikatoren von Städten und die Nachhaltige Stadt als Vermarktungsinstrument [7]

Anwendungsbeispiele Bearbeiten

Mit offenen Karten - Nachhaltige Stadtentwicklung-011:00

Mit offenen Karten - Nachhaltige Stadtentwicklung-0

Angestoßen von der lokalen Agenda 21 haben viele Städte und Kommunen ihre Entwicklungsstrategie verändert und nachhaltigen Kriterien angepasst. Dabei sind Pläne / Umsetzungen für gesamte Regionen, Städte als auch zu einzelnen Stadtteilen entstanden.

Die folgende Auswahl soll einen kleinen Eindruck von Umsetzungen geben, ohne diese dabei zu bewerten. Bei einer weitergehenden Beschäftigung kann und sollte hier kritisch hinterfragt werden, welche Kriterien angesetzt wurden um Nachhaltigkeit zu messen und wer diese festgesetzt hat. Vor allem in der praktischen Umsetzung von als nachhaltig bezeichneten Plänen ist kritisch zu hinterfragen, ob diese tatsächlich die Mehrdimensionalität von Nachhaltigkeit berücksichtigt haben. So können Projekte zwar ökologisch und ökonomisch nachhaltig sein, aber die soziale Ebene vernachlässigen (Bsp.: BedZED in Sutton / England) oder aber das Prädikat „nachhaltig“ als reine PR-Maßnahme instrumentalisieren.

- BedZED – ein Quartier im Süden Londons, das nach einer Null-Emissionen-Strategie geplant wurde

- Eco-City Augustenborg – ein Aufwertungsprogramm, das den Stadtteil Augustenborg in der schwedischen Stadt Malmö sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltiger gestalten soll

- Curitiba -  eine Stadt im Süden Brasiliens, die als Modellstadt für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Entwicklung bezeichnet wird

- Akteure: Berlin - z.B. Supermarkt ohne Verpackung: Orginal Unverpackt, Tenntstadt Berlin

Nachhaltigkeit / Resilienz der Smart City Bearbeiten

Der Diskurs um Smart City basiert zu weiten Teilen auf Themen, die im Zuge des Diskurses um Nachhaltigkeit und Nachhaltige Stadt formuliert und in den letzten Jahrzehnten umgesetzt wurden. Themenfelder, die ursprünglich nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit etabliert wurden, werden nun innerhalb des Smart City Diskurses mit übergreifenden Themen und den entsprechenden Interessensvertretern aus Forschung, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft vernetzt und schließlich in der Stadt praktisch umgesetzt.

So haben sich vor allem Themen etabliert, die im Diskurs um Nachhaltigkeit und Nachhaltige Stadt nur am Rande thematisiert werden und nun innerhalb der Smart City eine verstärkte Betonung finden, so z.B. Urban Commons und Teilhabe und Partizipation.

Vor dem Hintergrund verschiedener Dimensionen des Lebensraums Stadt stellt sich die Frage, wie und wo sich Nachhaltigkeitsprinzipien im aktuellen Smart City Diskurs wiederfinden, ob die Smart City als eine Erweiterung der nachhaltigen und resilienten Stadt verstanden werden kann oder sie wichtige Aspekte ausklammert.

ZiviligesellschaftBearbeiten

In der Smart City nimmt die Zivilgesellschaft eine ganz entscheidende Rolle ein. Sie kann gleichzeitig Antreiber und Hindernis für eine nachhaltige Stadtentwicklung sein. Denn erst wenn das Bewusstsein für eine nachhaltige Lebensweise in der Gesellschaft besteht, sich eine Nachhaltigkeitskultur entwickelt hat, lassen sich erfolgreich Maßnahmen „von oben“ implementieren bzw. entstehen „von unten“. In  letzterem steckt viel Potential, denn indem sich Menschen für ihre Stadt und Lebensraum verantwortlich fühlen, gestalten sie diesen und setzen sich für ihn ein. Dieses Engagement wird an vielen Orten in der Stadt sichtbar, etwa in der Umnutzung von Brachen durch die Anpflanzung von Obst und Gemüse (Urban Gardening) oder der Errichtung von informellen bzw. „von unten“ gestalteten Erholungsgebieten (beispielsweise das frühere Gelände des Gleisdreiecks, bevor es in einen formellen und „von oben“ geplanter Park umgewandelt wurde).

Wichtig ist auch die Macht, die aus der Zivilgesellschaft hervor geht, etwa durch bewusstes Konsumverhalten und BürgerInneninitiativen (Bsp.: 100 %Tempelhofer Feld). Hier spielen smarte Technologien eine wichtige Rolle, da sie zur Verbreitung und Organisation genutzt werden können.

Die Kehrseite einer Nachhaltigkeitskultur zeigt sich in der „Smartmentality“ der Smart City, also dem Anspruch an die Zivilgesellschaft, bestimmte Kompetenzen zu entwickeln und zur Verantwortung gezogen werden zu können. Diese beruhen auf einer nachhaltigen Lebensweise, die durch die Nutzung smarter Technologie gesichert werden soll. Die BewohnerIn der Smart City muss den Willen zur Anpassungsfähigkeit an die Bedingungen der Smart City, und den Willen diese umzusetzen, aufweisen. Problematisch ist, dass dadurch diejenigen, die andere Vorstellungen haben oder nicht die Ressourcen besitzen sich der Technologien zu bedienen, aus der Smart City ausgeschlossen werden (vgl. Vanolo, 2013, S. 11). Hier zeigt sich die Vernachlässigung der sozialen Dimension der Nachhaltigkeit in der Smart City. Besonders deutlich wird dies, wenn nicht-smartes Verhalten illegalisiert wird, wie es auch heute schon unter dem Paradigma der Nachhaltigkeit geschieht (Bsp. das Verbot von Autos ohne Umweltplakette in der Stadt). Außerdem kann durch die Technologisierung des Alltags Kontrolle auf private Räume ausgeweitet werden. Problematisch ist auch das Paradigma des grünen Konsums und Lebensweise, dass im Extremfall als Form der sozialen Kontrolle fungiert und das Privateste durchdringt (vgl. Vanolo, 2013, S. 12).

WirtschaftBearbeiten

Das wirtschafliche Leben und Handeln in der Smart City orientiert sich an den Kerngedanken der Ökonomischen Nachhaltigkeit . Die Wirtschaft der Smart City ist dabei in hohem Maße interdisziplinär vernetzt. Einen Teil des vernetzten Wirtschaftssystems in der Smart City bildet der Energiesektor. Die Energieversorgung der Smart City soll, ähnlich der Nachhaltigen Stadt, überwiegend über dezentral organisierte, erneuebare Energieressourcen sichergestellt werden. Dezentral bedeutet hier auf regionaler bzw. städtischer Ebene. Auch wenn die grundlegende Energieversorgung größtenteils von öffentlichen Institutionen sichergestellt werden soll, so nehmen Beteiligungen privater Investoren, wie Bauern oder HausbesitzerInnen, an der eigenen oder gemeinschaftlichen Energieversorgung zu. Gewonnene, aber nicht unmittelbar benötigte Energie, erzeugt durch z.B. Photovoltaik- oder Windkraftanlagen, wird in öffentliche Netze eingespeist werden. Politische Rahmenbedingungen wie der Ausbau erneuerbarer Energien und die Energiewende in Deutschland oder Subventionen auf Ebene der Europäischen Union sind wesentlich für die Umsetzung der Smart City Idee, setzen auf der anderen Seite einen Schwerpunkt auf bestimmte wirtschaftliche Sektoren und klammern somit andere Sektoren aus.

Ein weiteres Beispiel für die Dimension der ökonomischen Nachhaltigkeit in der Smart City ist die ökologische und energieeffiziente Bauweise von Wohnhäusern. Konzepte zu energieeffizienten oder gar CO2-neutralen Gebäuden existierten bereits vor der Idee der Smart City. Innerhalb der Smart City wird das ökologische Bauen nun um den Aspekt der Gebäudeausstattung erweitert. Es geht also primär nicht mehr nur um das energieeffiziente, ökologische Gebäude, sondern auch um seine technische Innenausstattung und wie diese dem Bewohner des Hauses dienlich sein kann und wie die Daten, die mit der Nutzung der Technologien produziert werden, für Institutionen verwertbar gemacht werden. Angefangen von intelligenten Küchengeräten, wie Kühlschränke, die selbstständig Bestellungen im Internet aufgeben, sobald entsprechende Nahrungsmittel aufgebraucht sind, bis hin zu einer Vernetzung des Wohnhauses nicht nur mit dem Internet, sondern z.B. auch mit Energieversogern, die aktiv auf die Verbräuche der Haushalte reagieren können um somit die vorhandenen Energieressourcen optimal nutzen zu können (siehe auch Smart Home). Neben potentiellen Vorteilen für das tägliche Leben der Hausbewohner, bringt diese umfassende Form der Vernetzung und des Datenaustauschs potentielle Risiken mit sich. Nutzer dieser Technologien sollten hinterfragen wem, welche Daten wann und wo zugänglich gemacht werden. Wie oben beschrieben, schafft es die Smart City hier, ein Konzept aus dem Diskurs um Nachhaltige Stadtentwicklung herauszulösen, mit neuen, in diesem Fall technologischen Konzepten zu verbinden und im Anschluss in die Idee der Smart City zu integrieren.

In diesem Zusammenhang wird die Smart City häufig als Geschäftsmodell bezeichnet, welches lediglich privatwirtschaftlichen Unternehmen und deren Interessen diene. Unter anderem Industriekonzerne scheinen vermehrt darauf zu setzen Produkte im Kontext der Smart CIty Idee zu vermarkten. Aber auch Städte selbst grenzen sich mit Hilfe des Smart City-Labels gegenüber anderen Städten ab.

Die Idee einer nachhatligen Ökonomie der Smart City gerät dann in Kritik, wenn verstärkt bestimmte Wirtschftssektoren von der Smart City Idee erfasst werden und andere ausgeklammert bleiben und wenn entweder politische oder privatwirtschaftliche Akteuren einseitig ihre Interessen durchsetzen.

Die historischen Wurzeln der ökonomische Dimension der Smart City werden umfassender unter Postwachstum / Ökonomie und Gesellschaft ausgeführt.

GovernanceBearbeiten

In der Smart CIty werden politische Prozesse und Entscheidungen und deren bürokratische Umsetzung unter der Prämisse der Nachhaltigkeit getroffen. Als Beispiel kann hierbei die Nutzung innerstädtischer Flächen wie ehemaliger Militäranlagen, Schlachthöfe oder Bahnhofgelände angeführt werden, welche im Zuge nachhaltiger Nutzungskonzepte gedacht werden. Die nachhaltige Denkweise umschließt dabei sowohl die öffentliche Bauleitplanung, als auch die Errichtung der neuen Strukturen, wie z.B. von Wohnhäusern. Die Baufelder eines zukünftigen Wohngebiets können so z.B. flexibel, ressourcenschonend und den Bedürfnissen der zukünftigen BewohnerInnen entsprechend beplant und bereits im Voraus für eine abweichende Nachnutzung erschlossen werden.

Politische Entscheidungsprozesse sind dabei in hohem Maße von der Zusammenarbeit öffentlicher, privater, ziviler und freiwilliger Institutionen und Vertreter geprägt. Diese Form der Entscheidungsbildung ist insofern nachhaltig, als dass die politischen Vertreter versuchen alle weiteren Interessensvertreter angemessen einzubinden und durch aktive Kommunikation und Beteiligung eine zeitgemäße Form des Regierens zu schaffen.

Einen umfassandere Ausarbeitung zum Thema steht unter Urban Commons / Partizipation und Teilhabe zur Verfügung.

Umwelt Bearbeiten

Städte sind für 80 % des Treibhausgasausstoßes verantwortlich und damit ein großer Teil des Klimaproblems. Gleichzeitig sind sie im besonderen Maße von den Folgen betroffen: Hitzewellen, Luftverschmutzung, Hochwasser, Stürme, Krankheiten um nur ein paar der Probleme zu nennen. (vgl. Tang, 2009, S. ix) Die dort herrschende hohe Dichte an Menschen, Ressourcen, und ökonomischen Aktivitäten macht sie im besonderen Maße anfällig gegenüber Störungen jedweder Art (z.B. sozio-ökonomischer Wandel, Klimawandel,politische Machtwechsel).
Doch Städte bzw. urbane Zentren können auch Teil der Lösung sein. Nachhaltige und resiliente Infrastrukturen lassen sich dort leichter umsetzen und durch die Vorreiterrolle von Städten kann auch ein gesamt-gesellschaftlicher Wandel ausgelöst werden.
Die Smart City Idee dockt hier an und verheißt auf Klimaprobleme Antworten geben zu können. Beispielhaft hierfür steht etwa der EUREFF-Campus in Berlin-Schöneberg. Dieser beschreibt sich selbst als Visionär einer „intelligenten Stadt“, die „ökologisch und ökonomisch nachhaltige Lösungen“ anbietet (siehe: http://www.eurefcampus.de/de/euref-campus/vision/). Durch die Technologien, die innerhalb der Smart City implementiert werden, sollen auch die CO2-Emissionen verringert bzw. komplett neutralisiert und Energieeffizienz erhöht werden. Beispielhaft hierfür ist die Smart Grid-Technologie, ein intelligentes Stromnetz, sowie CO2-neutrale Mobilitätslösungen (z.B. Elektromobilität).

Als weiteres Praxisbeispiel dient außerdem die Berliner Stadtreinigung (BSR). Als städtischer Dienstleister hat sie ihre Abfall-Sammel-Fahrzeuge bisher zur Hälfte auf schadstoffarmen Diesel- und Erdgasantrieb umgestellt. Langfristig sollen nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Brennstoffzelle und Hybridantrieb im Einsatz sein. Zudem wird im Sinne einer Kreislaufwirtschaft mit einer eigenen Vergärungsanlage aus Bioabfällen klimaneutrales Biogas gewonnen.

MobilitätBearbeiten

Teil der Debatte um eine Nachhaltige Stadtentwicklung ist dasThemenfeld der Nachhaltigen Mobilität. Thematische Schwerpunkte sind hierbei die umwelt- und ressourcenfreundliche Mobilität mit Schwerpunkten wie z.B. Klimaschutz, Schadstoff- und Lärmemission. Neben diesen Punkten ist die Mobilität in der Smart City von einem gut ausgebauten ÖPNV-Verkehrssystem gekennzeichnet, welches möglichst für eine breite Masse der Stadtbewohner vorgesehen ist.  Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel findet im Zusammenhang mit dem Stadtplanungsideal Stadt der kurzen Wege in der Smart City einen neuen Ausdruck (mehr hierzu unter Smart Growth / New Urbanism ). Gut ausgebaute Fahrradwege sind somit Teil der Smart City. 

Auch bei Verkehrssystemen und der Verkehrsinfrastruktur im allgemeinen, weißt Mobilität in der Smart CIty einen hohen Grad an Integration und Vernetzung mit anderen Bereichen auf. So lässt sich der Bereich der Elektromobilität nicht ohne den Ausbau der regenerativen Energieversorgung denken. Diese Verbindung schlägt sich auch im Stadtbild nieder. So sehen wir bereits heute neuartige Zapfsäulen an denen Strom anstelle von Benzin "getankt" wird. Weiterhin prägen Innovationen im Individualverkehr wie Carsharing -Syteme das Stadtbild. Auch diese Systeme zeichnen sich durch eine starke Vernetzung mit anderen Bereichen, wie der Informations- und Telekommunikationstechnik, aus, Mobilität in der Smart City ist somit auf der einen Seite hoch technologisiert, auf der anderen Seite werden traditionelle Fortbewegungsmittel wie das Fahrrad betont, um so einem umwelt- und ressourcenschonenden Mobilitätsidee gerecht zu werden. 

Speziell in Großstädten wird die Realisierung von Mobilitätskonzepten der Smart City im Spannungsfeld von einem anhaltendem Bevölkerungs- und somit Mobilitätswachstum auf der einen Seite und auf der anderen Seite, einem ständig sinkenden Vorrat von natürlichen Ressourcen, die überwiegend als Motor der Mobilität und Zirkulation dienen, stehen.

Fazit Bearbeiten

Die Smart City legitimiert sich zu einem großen Teil aus ihrer (vermeintlichen) Verwirklichung von Nachhaltigkeit. So sollen die Technologien, die implementiert werden, Prozesse der Stadt optimieren, insbesondere die CO2-Emissionen reduzieren bzw. letztlich komplett neutralisieren. Dies geschieht zum jetzigen Zeitpunkt aber vor allem vor einem wirtschaftlichen Hintergrund - nicht umsonst wurde der Begriff "Smart City" maßgeblich von IBM geprägt - denn große Technologie-Unternehmen wie IBM und Cisco sehen in der Smart City einen großen, gewinnbringenden Markt.
Eine weitere, stadtpolitische Motivation sich zu einer Smart City zu entwickeln, liegt in der Förderung der EU begründet. Diese hat mit Horizon 2020 ein knapp 80 Billionen schweres Förderprogramm geschaffen, das Smart City-Projekte vorantreiben soll.

Es zeigt sich, dass insbesondere die soziale Dimension von Nachhaltigkeit wenig Beachtung erfährt, denn im bisherigen Diskurs wird nur den "Smart Citizens" (vgl. Vanolo, 2013, S. 11) in der Smart City Platz eingeräumt. Eine große Herausforderung der Smart City liegt somit in dem Punkt, soziale Gerechtigkeit herzustellen und ihren BewohnerInnen nicht ein totalitäres Konzept überzustülpen, dem sie sich anpassen müssen. Auch vor dem Hintergrund der Resilienz müssen sich städtische Akteure die Frage stellen, wie sinnvoll die völlige Technologisierung des urbanen Raums ist und welche Gefahren sie auch birgt. So können ICT’s gehackt und missbraucht werden, ausfallen oder Menschen ausschließen.

Vor allem aber ist zu fragen, ob nicht bereits sinnvolle, intelligente Lösungen für Städte bestehen. Ein System wie die Berlin U-Bahn existiert seit über 100 Jahren und der geringe CO2-Ausstoß kann nur durch das Nutzen von Fahrrädern getoppt werden. Es bedarf also zunächst einer sehr genauen und kritischen Analyse bereits bestehender formeller und informeller Infrastrukturen, um einen Bedarf an neuen Produkten und Strukturen unter dem Smart City-Label feststellen zu können.

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

[1] URL: http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/hans_carl_von_carlowitz_1713_1393.htm (abgerufen am 1.6.2014)

[2] Brundtland-Bericht, S. 51; Absatz 49

[3] URL: http://www.sustainablecities.eu/aalborg-process/commitments (abgerufen am 1.6.2014)

[4] LEIPZIG CHARTA: S. 1

[5] URL: http://www.nachhaltigkeitsrat.de/de/startseite/?size=1%EF%BF%BD%EF%BF%BDblstr%3D0. (abgerufen am 1.6.2014)

[6] Alisch, Monika (Hrsg.) – Sozial – Gesund – Nachhaltig, Vom Leitbild zu verträglichen Entscheidungen in der Stadt des 21. Jahrhunderts, 2001 bei Leske+Budrich, Opladen, S. 72/73

[7] Mega, Voula P. – Sustainable Cities for the Third Milllenium: The Odyssesy of Urban Excellence, 2010 bei Springer

[8] Schuster, Wolfgang - Nachhaltige Städte - Lebensräume der Zukunft. 2013 bei oeko, S. 15-16

LiteraturBearbeiten

McGrath, Brian (Hrsg.) – Urban Design Ecologies, 2013 bei John Wiles & Sons Ltd.

Alisch, Monika (Hrsg.) – Sozial – Gesund – Nachhaltig, Vom Leitbild zu verträglichen Entscheidungen in der Stadt des 21. Jahrhunderts, 2001 bei Leske+Budrich, Opladen

Mega, Voula P. – Sustainable Cities for the Third Milllenium: The Odyssesy of Urban Excellence, 2010 bei Springer

Ling, Ooi Giok – Sustainability and Cities, Concept and Assesment, 2005 bei World Scientific Publishing

Kennedey, Margrit - Öko-Stadt, Prinzipien einer Stadtökologie, Materialien zur Internationalen Bauaustellung Berlin (IBA) Band 1, 1984 in Fischer Taschenbuch Verlag

Knox, Paul/Mayer, Heike - Kleinstädte und Nachhaltigkeit, Konzepte für Wirtschaft, Umwelt und soziales Leben, 2009 in Birkhäuser Verlag

Eraydin, Ayda/Tuna Taşan-Kok (Hrsg.) - Resilience Thinking in Urban Planning. 2013 bei Springer

Schuster, Wolfgang - Nachhaltige Städte - Lebensräume der Zukunft. 2013 bei oekom

Dr. Tang, Kenny (2009): Green CITYnomics. The Urban War against Climate Change. Greenleaf Publishing Limited, Sheffield

Vanolo, Alberto (2013): Smartmentality: The Smart City as Disciplinary Strategy. Verfügbar unter: http://usj.sagepub.com/content/early/2013/07/11/0042098013494427

WeblinksBearbeiten

http://100resilientcities.rockefellerfoundation.org/

http://www.uni-passau.de/forschung/aktuelles/meldung/detail/universitaet-passau-erforscht-oekologisch-nachhaltige-rechenzentren-fuer-smart-cities/

http://www.youtube.com/watch?v=2qUgMZ51x2shttp://www.ict-smart-cities-center.com/

http://kommunalwiki.boell.de/index.php/Smart_City

http://www.intelligent-cities.net/Beispiel/40/SkolkovoSmartCity.html

http://www.smartcity-schweiz.ch/de/

http://www.dfki.de/web/living-labs-de/SmartCity-Living-Lab

http://blogsmartcities.wordpress.com/

http://geozentrale.blogspot.de/2010/11/was-ist-eine-nachhaltige-stadt.html

http://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/component/content/article.html?id=1210&lang=de

http://www.sustainablecities.eu/

http://www.nachhaltigkeit.info/

http://www.nachhaltigkeitsrat.de/de/startseite/?size=1%EF%BF%BD%EF%BF%BDblstr%3D0

http://www.kultur-und-nachhaltigkeit.de/

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