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Stadtplanung zielt darauf ab, auf die räumliche Ordnung und die Gestaltung der gesellschaftlichen Organisation Einfluss zu nehmen. In städtebaulichen Entwürfen zeigen sich immer wieder die Hoffnungen und Visionen der Planer, via Planung städtische Lebensweisen zu optimieren und zu revolutionieren. Dabei lässt sich unterstellen, dass Stadtplanung stets auf der Suche nach dem idealen Konzept zu einer besseren, geradezu idealen Welt ist. Diese Idee ist auf eine alte Tradition zurückzuführen. Das Konzept der idealen Stadt beruht auf der Überzeugung, dass die materielle Gestalt einer Stadt die Funktionsweisen einer Gesellschaft und das Verhalten ihrer Bürger zu beeinflussen vermag. Die Geschichte der idealen Stadt ist damit insbesondere die Geschichte der Architekten und Städteplaner, die davon träumten, die Welt in ihrem Sinne zu gestalten (vgl. Eaton, 2001, S. 11).

Gleichzeitig stellt die Suche nach dem idealen Stadtplanungskonzept die Geschichte der Utopien dar. Utopien sind an bestimmte historische Situationen gebunden, deren Probleme und Fehler sie analysieren und reflektieren. Dabei gehen sie in der Regel von einer fundamental fehlerhaften Staats- und Gesellschaftsordnung aus. Mit Aufhebung der Fehlerquellen können jegliche Übel der Welt eliminiert und Probleme beseitigt werden (vgl. Jenkis, 1992, S. 24). Der Begriff der Utopie wurde von Thomas Morus in

Insel Utopia

Insel Utopia, Quelle: wikipedia.

seinem Staatsroman ‚Utopia‘ geprägt. Morus‘ Wortschöpfung setzt sich aus den zwei griechischen Vokabeln ‚ou‘ und ‚topos‘ zusammen, die als ‚nicht‘ und ‚Ort‘ übersetzt werden können. Utopia bedeutet also Nichtort, Nirgendland und Nirgendwo (vgl. Schölderle, 2011, S. 18). Die klassischen Utopietheorien wie zum Beispiel von Morus, Tommaso Campanella (Civitas Solis, 1623) und Francis Bacon (Nova Atlantis, 1627) wurden als fiktive Reiseberichte und philosophische Schriften konzipiert. Die vollkommene Gesellschaft bzw. der vollkommene Staat existierte bereits fernab des eigenen, von Missständen geprägten Landes. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts vollzieht sich ein Paradigmenwechsel in der Geschichte des utopischen Denkens. Die utopischen Entwürfe verlassen die räumliche Dimension und werden in die Zukunft, also eine zeitliche Dimension, projiziert, wodurch die Entwürfe folglich an Relativierung und Transformationsszenarien gewinnen und verstärkt Realisierbarkeitscharakter erhalten (vgl. ebenda, S. 243). Die Bezeichnung des Utopischen, folglich als schwerer Vorwurf erachtet, wird nun vehement abgelehnt und basiert überwiegend auf Fremdeinschätzung (vgl. ebd., S. 211).

Der utopische Städtebau nimmt in den Schilderungen der Utopie einen breiten Raum ein. Utopische Städte werden meist als ideales, absolutes Modell konzipiert, die den Glauben der Schöpfer widerspiegeln, dass die menschliche Vorstellungskraft imstande sei, ein derart komplexes Gebilde wie eine Stadt in all seinen Details zu planen (vgl. Eaton, 2001, S. 10).

Historische Zukunftsvisionen

Um 1890 wurden Alternativen zu dem damalig praktizierten verdichteten Städtebau gesucht, um auf die Folgen der Industrialisierung in den chaotisch wachsenden Großstädten zu reagieren. Mit der großen Städtebauausstellung 1910 wurden für viele Städte umfassende Stadtvisionen erarbeitet, in denen eine rationale Gestaltung der Städte im Vordergrund stand, die in den „großen Plänen“ die strategischen Planungen und langfristigen Ziele festsetzten. So wurden Möglichkeiten geschaffen, um mit den damaligen Herausforderungen wie dem Standortwettbewerb, der Zersiedelung und der sozialen Polarisierung umzugehen. Zwei wichtige Kriterien wurden in der Aufstellung berücksichtigt: Zum einen wurde das Planungsgebiet weit über die Kernstadt hinaus gefasst, zum anderen wurden mehrere Disziplinen wie Geschichte, Wirtschaft, Grünplanung und Architektur in die Planungsprozesse einbezogen (vgl. Bodenschatz; Gräwe; Kegler; Nägelke; Sonne, 2010).

Bei den historischen Zukunftsvisionen sowie Utopien war die Erstellung eines Gesellschaftsmodells ein wichtiges Kriterium, welches in der städtebaulichen Planung Einfluss nahm. Es bezieht sich auf den Gedanken, die Gesellschaft zu verändern und zu optimieren, um bessere Lebensverhältnisse und damit eine bessere, idealere Welt zu kreieren. Die Geschichte hat verschiedenste populäre Stadtentwürfe hervorgebracht, die den Anspruch haben, ein solch ideales Planungskonzept zu sein. Dazu zählen zum einen der Hobrecht-Plan nach James Hobrecht, das Konzept der Gartenstadt von Ebenezer Howard aus dem 19. Jahrhundert sowie die Visionen des Architekten Le Corbusier und der Plan der Broadacre City nach Frank Lloyd Wright. All diese Entwürfe betrachten jeweils die „Moderne ihrer Zeit", in welcher sie erstellt wurden und versuchen, die aktuellen Probleme zu lösen und hygienische, technische sowie städtische Lebensverhältnisse zu verbessern.

James Hobrecht - Stadterweiterung und Modernisierung von BerlinBearbeiten

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Hobrechtplan von 1862

Das Konzept von Hobrecht ist zu seiner Zeit der Planerstellung sehr aktuell und zukunftsorientiert gedacht. Der Plan soll die Stadt neu denken und Berlin in die Moderne führen. Kritische Äußerungen über die Planungen ergeben sich, da Hobrecht nicht nur für die Gegenwart plant, sondern auch für die Zukunft. Als ein Beispiel kann die Straßenplanung genannt werden. Indem er den Straßen eine Funktion zuweist und somit die benötigte Größe anpasst, obwohl noch kein Autoverkehr vorherrscht. Die Grundidee ist es, die Stadt in Straßen zu denken und die entstehenden Flächen zwischen den Straßenführungen als Bauflächen zu nutzen.

Die negativen Auswirkungen, durch den Zuwachs der Industrie und dem Wandel von der preußischen Residenz zum Dienstleistungszentrum des Kaiserreichs in der Stadt Berlin, zeigten sich besonders im Kern der Stadt. Die hygienischen Verhältnisse und die Versorgung der Bevölkerung vor allem mit Wohnraum verschlechterten sich. Im Jahr 1830 wurde für Berlin der erste Bebauungsplan genehmigt, der eine Planung für die Umgebung außerhalb der Stadtmauer festsetzte. Der Plan zeigt einen groben Fluchtlinienplan, welcher im Jahr 1862 konkretisiert wurde. In der Zusammenarbeit von dem beauftragten Baubeamten James Hobrecht und dem Berliner Polizeipräsidium, welches zu der Zeit die Zuständigkeit für die Stadt- und Infrastrukturplanung übernahm, wurde ein weiterer Bebauungsplan erarbeitet, der sich am vorherigen orientiert. Bei der Aufstellung des Bebauungsplans musste Hobrecht sich an vorhandene Zielvorstellungen halten, welche umgesetzt werden sollten. Zu den weiteren Aufgaben von Hobrecht gehörten: (vgl. Beyer; Dahlhaus; Istel, 1992, S.9)

  • die Ausarbeitungen eines Entwässerungsprojektes der Straßen und Plätze
  • die Absteckung und Besteinung des Straßennetzes
  • Anpassung der Infrastrukturplanung
  • Lösungen für das Wohnungsproblem
  • Durchmischung der Wohnbevölkerung
  • räumliche Mischung von Arbeiten und Wohnen
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Hobrechtplan von 1862. Bestand ist dunkel und die neuen Quartiere sind orange eingefärbt. Weitgehend bis 1914 realisiert.

Um die Voraussetzung für die Installation einer Kanalisation und der Versorgungsleitungen zu gewährleisten, sollen die Straßen verbreitert werden und sich in ein übergeordnetes Straßennetz verbinden. Für die Eisenbahnlinien und Bahnhöfe sollen Flächen ausgeschrieben werden. Die Vorstellung des Königs, eine Ringstraße um das Stadtgebiet zu legen, wird ebenfalls festgeschrieben. Als Vorbild des Königs gilt hier die Stadtentwicklung von Paris durch Haussmann, jedoch soll auf die radikalen Straßenumbrüche durch historische Stadtviertel verzichtet werden. Die Planungen umfassen 14 Abteilungen und gingen über die damalige Stadtgrenze hinaus. Zu dem unbebauten Land zählt Berlin und Charlottenburg und die Gemeinden Reinickendorf, Weißensee, Lichtenberg, Rixdorf und Wilmersdorf. Die Stadtteile wurden erst 1920 in die Gemeinde Groß-Berlin aufgenommen. Die Gürtelstraßen sollen Berlin und Charlottenburg umgeben und die unbebauten Flächen in rechtwinklige Baublöcke durch Diagonalstraßen aufteilen. Hobrecht will in seiner Planungsidee auf die reine Hinrichtung des Zentrums verzichten, indem er Ausfall- und Verbindungsstraßen Zentrumsfunktionen zuweist. Bürgerliche Wohnblöcke sollen zur Straße hin entstehen. Die Innenhöfe geben Platz für den Wohnraum der ArbeiterInnen und für die Werkstätten. Es ist ein historischer Versuch, auf die Probleme der sozialen Mischung und Erhalt und Vielfalt der Bewohnerstruktur einzugehen. Jedoch enthält der Hobrecht-Plan keine weiteren Vorschriften für die Bebauung. Er gilt ausschließlich als ein Fluchtlinienplan, der die Grenzen und den Verlauf der Straßen und Plätze aufzeigt sowie den Verlauf der Kanalisation. Aufgrund der fehlenden Bauvorschriften entstand in den folgenden Jahren eine sehr dichte Bebauung von Mietskasernen, in denen die Menschen unter engsten Verhältnissen hausten. Die öffentlichen Plätze sind laut Hobrecht gleichmäßig in der Stadt zu verteilen. Entweder zwischen den einzelnen Straßen oder wo die Hauptstraßen zusammenführen. Ohne diese Planungsidee gäbe es heute nicht den Reuter- noch den Kollwitzplatz sowie viele Kieze von Berlin (vgl. Strohmeyer, 2000).

Der Plan gilt als Wachstumsplan, der Berlin über die kommunalen Grenzen hinweg vergrößern soll, um eine Metropole zu entwickeln. Er bestimmt auch heute noch Teile des Berliner Stadtbildes. Die Veränderung und Anpassung von Infrastrukturen ist aus heutiger Sicht nichts Neues, denn auch bei aktuellen Planungen und zukunftsorientierten Konzepten ist die Idee ein wichtiger Bestandteil, sowie verschiedene Verbindungen zu schaffen, um die Lebensverhältnisse zu verbessern und zu optimieren. Ein weiterer Grundgedanke Hobrechts ist eine zentrale große Stadt zu errichten mit einzelnen Stadtteilen, die wir heute als Kieze bezeichnen. Viele Visionen und Ideen sind im Vergleich zu heute noch sehr aktuell und werden auch im Konzept der Smart Cities bedacht, wie z.B. der Versuch durch den Hobrecht-Plan eine Lösung für die Idee der sozialen Mischung und Vielfalt in den Wohnquartieren durch unterschiedliche Bewohnerstrukturen zu geben sowie die zukunftsorientierte Anpassung und Optimierung des derzeitigen Standes der Planungen und Technologien. Diese Aspekte werden auch heute in vielen Konzepten als Leitidee formuliert. Auch im Konzept der Smart Cities werden die Aktualität und der Blick in die Zukunft in die Ideen eingebunden.

Ebenezer Howard - GartenstadtBearbeiten

Ebenezer Howard propagiert in seinem 1898 erschienen Werk Garden Cities of To-morrow eine völlig neue Siedlungsform mit gesellschaftsreformerischen Aspekten, die auf die Missstände industrieller Großstädte in England im 18. Jahrhundert reagieren sollte.

Drei Magneten

Die drei Magneten

Er veranschaulicht seine Lösung im Diagramm „Drei Magneten“. Die Menschen, als Eisenspäne dargestellt, werden von drei verschiedenen Modellen angezogen: dem Land, der Stadt und seiner eigens kreierten Attraktion der Land-Stadt, die alle Vorteile des Stadt- und Landlebens vereint (vgl. Howard, 1968, S. 55).

Howards ideale Stadt ist nach strengen Vorgaben gegliedert:

  • 6 Gartenstädte, die um eine Zentralstadt mit 58.000 EinwohnerInnen gruppiert sein sollen
  • jede Gartenstadt ist konzipiert für 30.000 Leute auf einer Gesamtfläche von 2.400 ha
  • kreisrunde, von sechs Boulevards in gleichgroße Teile oder auch Bezirke geteilte Stadt
  • Stadtzentrum in Form eines Parks mit öffentlichen Gebäuden (Rathaus, Konzert- und Vortragshallen, Theater, Bibliotheken, Museen und Krankenhäuser) umgeben vom Kristallpalast (verglaste Arkade mit Einkaufsmöglichkeiten)
  • Wohnanlagen zwischen dem Zentralpark und dem Außenring
  • Fabriken, Lagerhäuser, Meiereien und Märkte am Außenring und direkt an der Ringbahn liegend, die die gesamte Stadt umkreist und mit der Haupteisenbahnlinie verbunden ist, welche eine Verbindungsstelle zu anderen, umliegenden Gartenstädten darstellt
  • Grüngürtel, der die gesamte Stadt umgibt und ein bauliches Ausufern und Anwachsen der Stadt ins Unermessliche verhindern soll (vgl. ebd., S. 63)
    Teilplan Gartenstadt

    Teil des Planes der Gartenstadt 1898

Howard geht es in seinem Gartenstadtkonzept weniger um eine Mustervorlage für neuen Städtebau (er war kein Stadtplaner) als vielmehr um sozialreformerischen Aspekte, wodurch Howards eigentliche Vorschläge mehr ökonomischer Natur sind. Die Gartenstadtsiedlungen sollen genossenschaftlich organisiert sein. Howard lehnt die zunehmende Monopolisierung des Landes ab und sieht sein Hauptziel daher in der allmählichen Umverteilung des Grundbesitzes. Es soll billiges Ackerland abseits bereits etablierter Städte erworben werden, welches dann als Bauland durch eine gemeinnützige Gesellschaft an Privatpersonen und Verwaltungsgenossenschaften verpachtet wird. Die mit der Gartenstadtgründung einhergehende Wertsteigerung würde dann zu höheren Pachtbeiträgen führen, die jedoch immer noch tragbar durch die GenossenschaftlerInnen wären. Die Grundstücke werden als Erbpacht weitergegeben, der Boden an sich bleibt jedoch stets Gemeineigentum. Die Gartenstädte sollen politisch autonom und wirtschaftlich autark sein, können jedoch Handelsbeziehungen mit anderen Gartenstädten eingehen (vgl. ebd., S. 66).

Auf Initiative Howards wurde im Jahr 1898 die britische Garden City Association gegründet. Erste konzeptuelle Durchsetzungen und praktische Erfolge konnte sie mit der Gründung der Gartenstädte Letchworth und Welwyn Garden City in der Nähe von London verbuchen. Beide Siedlungen verfügen über wirtschaftliche und verwaltungsmäßige Selbständigkeit, weisen allerdings eher einen Vorortscharakter als den einer völlig autonomen Stadt auf. In Letchworth wurde Howards ursprünglich geometrischer Plan durch ein stärker organisches Modell ersetzt. Er berücksichtigte die organische Gestalt des Geländes und trennte das Industriegebiet durch Eisenbahnschienen von der Wohngegend (vgl. Eaton, 2001, S. 151).

Howards Gartenstadtidee versucht, urbane Strukturen zu überwinden und Lösungen für die städtischen Probleme seiner Zeit zu finden. Sein Konzept hat dabei nicht zum Ziel, den Menschen zum ruralen, naturverbundenen Leben zurückzuführen. Vielmehr sollen die StadtbewohnerInnen gleichermaßen von der Naturschönheit als Vorteil des Landes und der Geselligkeit als Vorteil der Stadt profitieren können und damit zu einer gesünderen Lebensweise finden. Auch wenn Howard die durch die Industrialisierung hervorgerufenen Stadtentwicklungen kritisiert, ist er kein Feind der Industrialisierung an sich. Vielmehr versucht er, die Vorteile der Industrialisierung und den Technologiefortschritt für ein besseres urbanes Leben zu nutzen. So strebt er eine Verbindung von Landwirtschaft und Industrie an, um eine bestmögliche Versorgung  der BewohnerInnen zu garantieren. Weiterhin steht für Howard im Vordergrund, von vorhandenen Energien und Rohstoffen wechselseitig zu profitieren und sie zu konservieren, um so einen möglichst autarken Organismus zu formen (vgl. Krückemeyer, 1997, S. 38). Die Selbstversorgung der Gartenstädter ist eine Kernidee in Howards Programm, die sich auch in aktuellen, gegenwärtigen Konzepten wiederfinden lässt. So erhält zum Beispiel die Idee des Urban Gardenings Einzug in nachhaltige Stadtentwürfe der PlanerInnen (vgl. DETAIL, 2014). Viele Gedanken Howards weisen auf Ideen und Konzepte von Sozialutopisten wie zum Beispiel Charles Fourier und Robert Owen zurück, die ihren Ausgangspunkt ebenfalls in der Kritik an der Großstadt finden. Die Konzepte haben gemein, dass sie versuchen, das Privateigentum zu überwinden, welches als Problemquelle identifiziert wird. Bei diesen Theorien kann von einem ersten Schritt in Richtung Urban Commons gesprochen werden.

Le CorbusierBearbeiten

Der Architekt Le Corbusier verfasste um 1923 einige theoretische Werke und utopische Projektideen, welche über den Punkt der Konzepterstellung nicht hinausgegangen sind. Seine Idealtypen sollen das entstandene Chaos der Industriestädte ordnen. Er kritisiert die damalige Stadtplanung, welche sich auf die vorhandene alte Struktur bezieht und keinen Platz für die neue Entwicklung der Industrialisierung und Motorisierung im 19. Jahrhundert vorsieht. Le Corbusier will die Städte in die Moderne übertragen. Seine Visionen versucht er in die Zukunft einzuordnen und möglichen Auswirkungen der jeweiligen Zeit entgegenzuwirken. Die Ideen lassen sich in eine gedachte Utopie einordnen, die in diesem Ausmaß nicht umgesetzt werden kann. Die Utopien gelten als gutes Bespiel zur Orientierung an möglichen Stadtgrundrissen zur Verbesserung von Lebensverhältnissen und können als Gegenentwurf der Übervölkerung dienen. Durch die theoretischen Visionen besteht die Möglichkeit, den Grundriss beliebig an unterschiedlichen Orten anzupassen oder zu verwenden. In seinen Konzepten ist der „Stadt-Landschaft-Gedanke“ stark ausgeprägt, um den negativen Auswirkungen des industriellen Zeitalters entgegenzuwirken (Curtis, 1987).

Plan VILLE

Stadtgrundriss Ville Contemporaine von Le Corbusier 1922

Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Zukunft in den Städten sieht Le Corbusier in seiner Utopie von 1922 über den Plan einer modernen Geschäftsstadt für 3 Millionen Einwohner, der Ville Contemporaine. Mit seinem theoretischen Modell will er für den modernen Städtebau ein Grundprinzip entwickeln, welches nicht an einen konkreten Raum gebunden ist, sondern beliebig angewandt werden kann. Als wichtigste formale Planungsgrundlage gilt der orthogonal geometrisch ausgerichtete Grundriss. Diese Vision gehört zu seiner radikalsten, so sieht sie eine Rationalisierung und Funktionstrennung der Stadt vor. Die Funktionen wie Verwaltung, Wohnen, Industrie und Freizeiteinrichtungen wurden nach Zonen in seiner idealen Industriestadt unterteilt. Er klassifiziert die StadtbewohnerInnen und die Gebiete jeweils in drei Kategorien, um individuelle Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten anzubieten (vgl. Le Corbusier: Städtebau, 1929, S.135).

  • Städter Er arbeitet und wohnt in der City
  • Vorstädter Er arbeitet in der Industriestadt und wohnt in der Gartenstadt
  • Halbstädter Er arbeitet in der City und wohnt in der Gartenstadt

Neben der Entstehung einer Geschäftswelt in den Wolkenkratzern sieht der Plan vor, im Zentrum Wohnhäuser für den „Städter“ entstehen zu lassen. In der sogenannten „freien Zone“ von Le Corbusier können sich beliebig die Wohnraumstrukturen der Gartenstädte ausbreiten. Durch eine Nord-Süd und Ost-West-Achse, an der sich der Schienen- und Straßenverkehr ausrichtet, gliedert ein klarer Grundriss die Stadt. Am Hauptverkehrsknotenpunkt bilden die Wolkenkratzer durch ihre Raumkanten den Platz des Zentrums für den Verkehr, welcher als Knotenpunkt für die Trennung und Vermehrung der Verkehrsmittel dient. Die Einteilung des Verkehrs wird durch Trennung nach verschiedenen Geschwindigkeiten ermöglicht. Das vertikale Bauen mit Beton, Stahl und Techniken der Massenproduktion ermöglicht eine hohe Dichte. In den Zwischenräumen wird Platz für den Verkehr und Grünräume geschaffen (vgl. Le Corbusier: Städtebau, 1929).

Wolkenkratzer

Wolkenkratzer der idealen Industriestadt (Plan Voisin),1925

Le Corbusier konkretisiert 1925 sein Stadtmodell, indem er ihn Plan Voisin für die Neugestaltung des Zentrums von Paris entwickelt. Zu seiner Zeit sieht er die Notwenigkeit, in die Stadtstruktur von Paris radikal einzugreifen, um die Probleme zu lösen. Der Plan umfasst einen großflächigen Abriss des Zentrums, mit Ausnahme einiger Baudenkmäler, und den Bau einer Hochhausstadt mit Geschäfts- und Wohnfunktion nach dem Modell der Ville Contemporaine. Der Entwurf beinhaltet zwei neue Ideen für das Pariser Zentrum. Zum einen die Errichtung einer Geschäftscity, welche sich vom Place de la République bis zur Rue du Louvre und vom Ostbahnhof zur Rue de Rivoli erstrecken soll und zum anderen die Errichtung eines Wohnzentrums (vgl. Plan). Der zentrale Bahnhof soll zwischen dem Geschäfts- und Wohnzentrum unterirdisch liegen. Die 120m breite Ost-West-Hauptachse soll als Durchgangsstraße und zur Entlastung der Champs-Élysées in Form einer erhöhten Autobahn die nötige Geschwindigkeit ins Zentrum verlagern. Zwischen den Straßen erhebt sich eine „Hochstadt“, mit der Le Corbusier die Bevölkerungsdichte anheben will. Wie bei dem Konzept Ville Contemporaine sollen die Leitungen und Verwaltungen in den Wolkenkratzern Platz finden. Zwischen den Gebäuden sollen sich große Parks und Parkplätze ansiedeln. Die Monumente des alten Paris erheben sich zwischen den grünen Plätzen (vgl. Curtis, 1987).

Die Vorstellung Le Corbusiers kann als Gegenentwurf zur übervölkerten Stadt im 19. Jahrhundert aufgefasst werden. Jedoch sieht auch er die Zentralisierung von Regierung, Geld, Wirtschaft und Kultur vor. Le Corbusier hat die utopische Vorstellung, dass Technik, wenn der richtige Rahmen gewählt wird, den Menschen in eine natürliche Harmonie einfügt (vgl. Le Corbusier: Ideen und Formen, S.73).

Das Konzept der Smart City kann als eine Realisierung der Vision einer idealen Stadt nach Le Corbusier aufgefasst werden. In einer idealen Stadt sind alle wichtigen Funktionen in einem zentralen Hochhaus untergebracht und das Straßenraster fasst alle wichtigen Funktionen zusammen. Der Stadtbau passt sich durch die Architektur am digitalen Netz an. Die Smart City ist auf jeden Ort übertragbar wie auch ein Grundgedanke von Le Corbusier. Er entwarf einen allgemeinen Grundriss, der sich auf beliebige Orte anpassen lässt und nicht auf einen bestimmten zugeschnitten ist.

Frank Lloyd Wright - Broadacre City

Im Jahr 1932 veröffentlichte der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright sein Konzept der Broadacre City in seinem Buch The Disappearing City.

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Broadacre City nach Wright (Rekonstruktion des Originalmodells, 1990)

Wright war entsetzt über die großen Industriestädte seiner Zeit, deren Grundrisse er als „Querschnitt durch einen fibrösen Tumor" bezeichnete. Sie stellten für ihn ein Symbol der Ausbeutung der Menschheit dar, in denen die Menschen ihrer wahren Natur beraubt werden. Weiterhin erachtete er den ungerechtfertigten Landbesitz als Quelle der massiven Ungleichheit. Daher wollte er einen Plan kreieren, der universelle Abhilfe schaffen und eine neue Zivilisation hervorbringen sollte. Der Architekt spielte für Wright dabei eine Schlüsselrolle, da nur er imstande sei, den Weg zur Realisierung einer neuen Gesellschaft aufzuzeigen (vgl. Eaton, 2001, S. 211).

Wright holt seine Broadacre City zurück aufs Land. Er plant ein dezentrales System aneinander grenzender Grundstücke, auf welchen einzelne Familien leben sollen. Jede Partei soll ein Stück Land von einem acre Größe besitzen, was ungefähr 4.000 m² entspricht. Dort können Häuser gebaut und Landwirtschaft betrieben werden (vgl. ebenda, S. 212). Für Wright sind drei wesentliche Punkte für den Bau seiner Stadt von besonderer Bedeutung:

  • Automobilisierung der Menschheit
  • hochentwickelte Informations- und Kommunikationstechnologien wie Radio, Telefon und Telegraphen
  • standardisierte maschinelle Produktion (vgl. Wright, 1935, S. 345)

Die BewohnerInnen der Broadacre City sollen von den Vorzügen des industriellen Fortschritts profitieren. Wright erachtet das Automobil als bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Je weiter das Auto verbreitet sein würde, desto freier und schneller können sich die StadtbewohnerInnen über große Distanzen hinweg bewegen. Die Tankstelle wird damit zum wichtigsten Marktplatz innerhalb der neuen Gesellschaft. Dank der elektronischen Kommunikationssysteme herrscht ein breiter Informationsfluss und die schnelle Erreichbarkeit der BewohnerInnen wird gewährleistet.

Wrights Stadt soll kein urbanes Zentrum besitzen und nicht achsensymmetrisch gegliedert sein, um keine Form von Macht zu repräsentieren. In einem Gemeindezentrum sollen Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen angeboten werden. Fabriken und Schulen verkleinert der Architekt drastisch, verteilt sie dafür aber zugleich über das gesamte Territorium (vgl. Eaton, 2001, S. 212). Wrights Konzept der urbanen Erneuerung manifestiert sich damit in der Abschaffung alles Urbanem und in der Rückkehr zum Land, jedoch in ganz anderer Form als es bei Howard der Fall ist.

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Broadacre City nach Wright, Ansicht von 1934-35.

Das Modell zur Broadacre City wurde 1935 zum ersten Mal zur Industrial Arts Exposition im Rockefeller Center in New York ausgestellt. Der Entwurf stellt die räumliche Grundlage für Wrights Vision der Umformung der USA zur Utopie „Usonien“ dar. Darin fordert er die Individualität und Freiheit des Einzelnen in einer ganzheitlichen Demokratie. Die Pläne Wrights zum usonianischen Menschen fanden in Amerika keinen großen Anklang. Trotz der Zurückweisung hielt Wright sein Leben lang beharrlich an seiner Vision fest (vgl. ebd., S. 212f).

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Broadacre City nach Wright. Zweite Ansicht von 1934-35.

Das Automobil als Mittelpunkt menschlichen Lebens und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, die die Dezentralisierung der Stadt ermöglichen, sollen eine bessere Gesellschaft hervorbringen. Damit stellt Wright in seinem Konzept die zu seiner Zeit „smarten“ Technologien in den Dienst des Menschen und entwirft eine Smart City des 20. Jahrhunderts.

Zukunftsvision Smart City?Bearbeiten

Die heutige Stadt wird durch die Geschichte verstanden, um die „Stadt der Zukunft“ verantwortungsvoll zu gestalten. Im Vordergrund der gegenwärtigen Zukunftsvisionen stehen der perspektivische Städtebau und die Zukunftsszenarien, die eine koordinierte, nachhaltige und räumliche Entwicklung voraussetzen. Es werden hohe Erwartungen und Anforderungen an die Umsetzung von zukünftigen Stadtvisionen und Konzepten gesetzt. Zudem hat sich die Diskussion über die Zukunft der Stadt als gebautes Konstrukt und soziales Gesellschaftsmodell erweitert und an Aktualität gewonnen. Eine besondere Aufgabe ist der Umgang mit der Ausweitung der Globalisierung und Internationalisierung sowie die Umsetzung des Konzepts der Nachhaltigkeit, welches neben der Verbesserung und Erhaltung der Lebensqualität sowie Lebensverhältnisse der Gesellschaft ein wichtiges Handlungsprinzip ist. Aufgrund der Veränderung der Umwelt und der Begrenzung von fossilen Ressourcen werden neue Rahmenbedingungen erstellt, um eine Gleichberechtigung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Entwicklung zu gewährleisten. Zudem werden sich auch Technologien im Bereich der Produktion, Information und Kommunikation stetig weiterentwickeln und einen deutlichen Einfluss auf das Wohnen, Arbeiten und Leben in der Stadt nehmen (vgl. Sauberzweig, Dieter; Neuhaus, Christian, 1994).

Die Herausforderungen der zunehmenden Urbanisierung müssen von den Megacities der Zukunft überwunden werden. Eingeleitete Pilotprojekte sollen neue Lösungen zu technischen und sozialen Infrastrukturen erproben und ein Bild davon vermitteln, wie die Stadt der Zukunft, die Smart City, aussehen kann  respektive aussehen wird. Hinter dem Begriff der Smart City verbergen sich mehrere Konzepte. Zum einen geht es um technische Visionen, die urbane Infrastrukturen innerhalb der Städte integrieren und vernetzen. Zum anderen handelt es sich darum, konkrete Planungskonzepte wie Lösungen für einzelne Stadtbereiche und BewohnerInnen unter Einbeziehung aller Akteure zu finden. Das Ziel besteht darin, die Energie- und Ressourceneffizienz zu steigern und die Lebensqualität der BewohnerInnen zu verbessern (vgl. Deutsches Institut für Urbanistik, 2014). Im Folgenden soll anhand von zwei Konzepten ein konkreter Einblick gegeben werden, wie eine Smart City in der Zukunft aussehen kann und was „Smart" in dem Zusammenhang mit Stadt bedeutet.

Masdar City

Ein bedeutendes Smart City-Projekt stellt das Stadtbauprojekt  Masdar City im Emirat Abu Dhabi dar, welches im Jahr 2008 begonnen wurde. Das Ziel des Projektes besteht darin, die nachhaltigste Öko-Stadt der Welt zu errichten (vgl. Masdar, 2012).

Masdar City ist Teil einer groß angelegten Initiative für erneuerbare Energien. Die Stadt soll vollständig von erneuerbaren Energien versorgt werden und durch eine nachhaltige Ausrichtung weder Abfall noch Kohlenstoffdioxid produzieren. Die Energiegewinnung soll weitgehend autark über Solar- und Windkraftwerke erfolgen. Durch die Kombination von modernster Technologie und traditioneller arabischer Städtebauweise werden den BewohnerInnen angenehme Temperaturen im Freien ermöglicht. Eng angelegte Straßen und dicht beieinander gebaute Häuser sollen öffentliche Wege beschatten. Städtische Freiflächen werden mit großen, aus Aluminium bestehenden Sonnenschirmen bestückt. Weiterhin sollen Klimaanlagen und sogenannte Windtürme, die oben kalte Luft einsaugen und zu ebener Erde als kühlen Luftzug wieder abgeben, die hohen Temperaturen im Sommer regeln. Masdar

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Masdar City Welcome Video (3 minutes, English)

City wird autofrei und damit CO2-emissionsfrei funktionieren. Die Stadt soll daher den FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen vorbehalten sein. Das Autoverbot bedeutet jedoch keinen Komfortverzicht, da die Stadt durch ein feinmaschiges, unterirdisches Verkehrsnetz in Form autonom fahrender Elektrofahrzeuge, sogenannter Pods, erschlossen werden soll. Weiterhin ist eine Hochbahn zur Verbindung der Stadt und des Flughafens geplant (vgl. Heumann, 2008).

Zu den bisher realisierten Gebäuden zählen das „Masdar Institute of Science and Technology“, das Siemens-Gebäude sowie einige Apartments. Derzeit ist Masdar City also vor allem noch ein Forschungsstandort. Bis spätestens 2025 sollen auf der Fläche von sechs Quadratkilometern jedoch einmal etwa 50.000 Menschen wohnen und arbeiten. Die Hightech-City soll ihren BewohnerInnen europäische Lebensqualität garantieren: viel Wasser, viel Grün und viele beschauliche Plätze. Geplant vom bekannten Architekturbüro Foster + Partners und finanziert von arabischen Scheichen, die langfristig denken, soll Masdar City zum globalen Vorreiter auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien werden (vgl. ebenda). Damit soll das Projekt nicht nur ein Großversuch, sondern ein smartes Vorzeigeprojekt sein.

Seestadt AspernBearbeiten

Die Seestadt Aspern bei Wien stellt ein weiteres Groß- und Vorzeigeprojekt einer Smart City dar. Gestützt vom Technologiekonzern Siemens und seinen Partnern, soll die Seestadt Aspern in den kommenden Jahren ein Echtzeit-Forschungslabor für nachhaltige und innovative Lösungen und Geschäftsmodelle für intelligente, energieeffiziente und CO2-neutrale Stadtteile werden. Das Ziel besteht im optimalen Zusammenspiel von Energieversorgung, Gebäudetechnik, intelligenten Stromnetzen und Informations- und Kommunikationstechnik, sodass eine möglichst effiziente Ressourcennutzung bei maximalem Komfort für die BewohnerInnen und NutzerInnen ermöglicht wird. Auf rund 240 Hektar soll ein multifunktionaler Stadtteil mit

Seestadt Aspern - Vorzeigeprojekt in der EU03:18

Seestadt Aspern - Vorzeigeprojekt in der EU

Wohnungen, Büros sowie Gewerbe-, Wissenschafts-, Forschungs- und Bildungsquartiere für 20.000 BewohnerInnen entstehen. 50 Prozent der Grundfläche ist dem öffentlichen Raum für Plätze, Grün- und Erholungsflächen vorbehalten. Eine wichtige Rolle spielen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Datenauswertung. Neue IT-Lösungen sollen Fehler, ineffiziente Nutzung und Energiesparpotentiale erkennen. Dezentral erzeugte Energie aus erneuerbaren Quellen sowie moderne Speichertechnologien sollen die Seestadt versorgen. Bis zum Jahr 2030 soll das Gebiet etappenweise zur intelligenten Stadt von morgen ausgebaut werden (vgl. Siemens AG, 2013).

Marc Hall, Energievorstand der Wiener Stadtwerke, sagte in einem Interview, dass mit der neuen Forschungsgesellschaft gezeigt wird, dass es nicht nur um utopische Zukunftsvisionen und Gedankenspiele geht, sondern um gelebte Praxis (vgl. Siemens AG Österreich, 2013).

Smart Cities: Schöne Utopie oder gruselige Dystopie?Bearbeiten

Smart City-Konzepte versprechen Ideen und Lösungen für zukünftige urbane Herausforderungen wie zum Beispiel angesichts des erwarteten Bevölkerungsanstiegs in Städten zu geben. Die Implementierung von vernetzter Informationstechnik soll mehr Erkenntnisse und Wissen über die Funktionsfähigkeit einer Stadt hervorbringen sowie die Möglichkeit bieten, Prozesse und Abläufe in der Stadt effizienter und optimaler gestalten zu können. Die effizientere Stadt soll folglich die Lebensqualität der BürgerInnen grundlegend verbessern (vgl. Greenfield, 2014). Die Stadt als Netzwerk und als intelligenter Organismus, der in der Lage ist, auf die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren. Diese Idee mutet utopische Vorstellungen an, wie man sie aus Science-Fiction-Filmen oder -Büchern kennt.

„Der Fokus bei Smart-City-Konzepten liege auf den Möglichkeiten der Technik und nicht auf den Problemen, die es zu lösen gilt“, so der Obmann des Wiener Vereins für Stadtforschung sowie Gründer und Chefredakteur der Zeitschrift dérive Christoph Laimer auf der Konferenz „Digitale Wolken und urbane Räume: Die Stadt als Informationssystem“. Von großen Technologiekonzernen wie Cisco, IBM und Siemens entwickelt, gehe es vor allem darum, Technik zu verkaufen. Daher sind es insbesondere die großen Unternehmen, die zunächst vom Projekt Smart City profitieren. Die Frage, die sich an dieser Stelle damit stellt: Geht es in der Smart City überhaupt noch um den Menschen? Der Urbanist und Informationsarchitekt Adam Green, der vor kurzem das Pamphlet Against the Smart City veröffentlicht hat, kritisiert, dass die StadtbewohnerInnen in den Konzepten der Tech-Konzerne nur wenig Beachtung finden. Sie seien lediglich Konsumenten, deren Gewohnheiten von technischen Systemen beobachtet und gelenkt werden (vgl. Dax, 2014). Martin Spindler, der sich als Berater mit dem Internet der Dinge und mit Smart Energy beschäftigt, erklärt in einem Interview mit Breitband (Deutschlandradio Kultur), dass die Idee der Smart City insbesondere von den Administrationen der Städte getrieben wird, deren primäres Interesse natürlich die Verwaltung der Stadt ist. Der Mensch spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Kann die Smart City damit tatsächlich die Utopie der besseren Stadt sein oder ist sie doch der Anfang einer unheimlichen Dystopie, die ihre BewohnerInnen in ein vorgefertigtes System, ja in ein technisches Korsett zwängt? Gerade in Bezug zur Erhöhung der Informations- und Kommunikationsdichte sowie zur Generierung von Echtzeit-Informationen und Daten stellt sich die umstrittene Frage nach der Überwachung der BewohnerInnen und insbesondere nach Datenschutz. Weiterhin sollte auch das Thema Bürgerbeteiligung Beachtung finden und kritisch hinterfragt werden. Wie sich die Smart City unter all diesen Aspekten und Tendenzen entwickeln wird, wird sich in der Zukunft zeigen.

WeblinksBearbeiten

Breitband podcast - "Die unheimlich schlaue Stadt"

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin - "Historische Pläne zur Entwicklung der Berliner Flächennutzung"

BauNetz - "Warum Berlin so aussieht, wie es aussieht"

Aspern - die Seestadt Wiens

DIFU - Smart City-von der Vision zur Konkretion

LiteraturBearbeiten

Beyer, B.; Dahlhaus, J.; Istel, W. (1992): Raumplanung Berlin-Brandenburg. Von Hobrecht bis zum Jahre 1991. München: Zentralinstitut für Raumplanung und Umweltforschung, Technische Universität München.

Bodenschatz, H.; Gräwe, Ch.; Kegler, H.; Nägelke, H.; Sonne, W. (2010): Stadtvisionen 1910|2010. Berlin, Paris, London, Chicago. 100 Jahre Allgemeine Städtebauausstellung in Berlin. DOM Publishers.

Curtis, William J.R. (1987): Le Corbusier-Ideen und Formen.[aus dem Englischen übertragen von Antje Pehnt]. Stuttgart: Deutscher Verlags-Anstalt.

Dax, Patrick (2014): Der große "Smart City"-Schwindel. Elektronich veröffentlicht unter: http://futurezone.at/digital-life/der-grosse-smart-city-schwindel/70.209.138 (Zugriff am 29.06.2014).

DETAIL (2014): Die Wiederentdeckung der Gartenstadt. Elektronisch veröffentlicht unter: http://www.detail.de/architektur/themen/die-wiederentdeckung-der-gartenstadt-000490.html (Zugriff am 23.07.2014).

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